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Flughafen Frankfurt Der Fluglärm wächst weiter

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) legt eine Prognose zum Fluglärm vor. Danach werden der Verkehr am Frankfurter Flughafen und damit auch der Lärm steigen. Die Lärmobergrenze wird aber wohl nicht gerissen

Flughafen Frankfurt
Die vom Fluglärm belasteten Flächen wachsen beständig. Die vereinbarten Obergrenzen werden aber nicht erreicht. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Am Frankfurter Flughafen ist in den nächsten Jahren mit mehr Verkehr und dadurch mit mehr Fluglärm zu rechnen. Das geht aus dem ersten Monitoringbericht zur Lärmobergrenze hervor, den Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlichte.

Darin wird eine „Gesamtverkehrssteigerung von rund 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2017“ angenommen. Hierdurch würden die Gebiete größer, die stark von Lärm betroffen sind.

Dem Bericht zufolge hatte das Gebiet, das mit einem Tagesdauerschallpegel von mindestens 55 Dezibel belastet wurde, im Jahr 2017 eine Größe von 16 955 Hektar. Für 2020 rechnet der Bericht, der von der Luftfahrtwirtschaft gemeinsam mit dem Ministerium und dem Forum Flughafen und Region herausgegeben wurde, mit einem betroffenen Gebiet von 18 692 Hektar. Bei den besonders stark belasteten Arealen, wo die Menschen einen Dauerschall von 60 Dezibel ertragen müssen, wächst die Fläche den Angaben zufolge von 6911 auf 7618 Hektar.

Die erwartete Belastung bleibt aber auch in den kommenden Jahren deutlich unter der Lärmobergrenze, auf die sich die Luftverkehrswirtschaft in den Verhandlungen mit dem Ministerium vor einem Jahr verpflichtet hatte. Diese Grenzwerte liegen bei 22 193 Hektar für die 55-Dezibel-Belastung und bei 8815 Hektar für die 60-Dezibel-Belastung.

Al-Wazir zeigte sich erfreut, dass die Lärmobergrenze eingehalten wurde und voraussichtlich auch 2019 und 2020 nicht gerissen wird. „Die Auswertung zeigt aber auch: Wenn die Fluggesellschaften künftig mehr fliegen wollen, müssen sie beim Lärmschutz weitere Fortschritte machen“, fügte er hinzu.

SPD und Linke erklärten, von einem Erfolg der Landesregierung könne keine Rede sein. Die vereinbarten Grenzwerte lägen so hoch, dass von Anfang an klar gewesen sei, dass sie nicht erreicht würden. Marius Weiß (SPD) und Janine Wissler (Linke) sprachen von einem „Placebo“.

Wissler verglich die Lärmobergrenze bei einer Debatte im Verkehrsausschuss des Landtags mit einem Tempolimit von 300 Stundenkilometern auf den Autobahnen. Auch das würde nicht dazu führen, dass langsamer gefahren werde als heute, sagte sie. Der FDP-Abgeordnete Jürgen Lenders argumentierte ähnlich. „Die Lärmobergrenze wird nicht zu einer Reduzierung von Lärm beitragen“, stellte er fest.

Die Lärmobergrenze zielt darauf, dass niemals das Ausmaß an Lärm Wirklichkeit wird, das mit dem Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2007 ermöglicht wird. Danach wäre die Verlärmung eines Gebiets von fast 30 000 Hektar erlaubt mit 55 Dezibel Dauerschallpegel möglich.

Die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm hatten sich von Anfang an nicht viel von den Obergrenzen versprochen. „Der zentrale Kritikpunkt ist, dass diese Lärmobergrenze nicht dazu beiträgt, den Fluglärm zu reduzieren“, sagte Dirk Treber von der Bundesvereinigung gegen Fluglärm. Die Initiativen hätten vergeblich auf ein Modell gedrungen, das die Obergrenze jedes Jahr um 0,4 Dezibel nach unten setzt, erinnerte der Aktivist aus Mörfelden-Walldorf im Gespräch mit der FR. Das sei leider nicht durchzusetzen gewesen. Treber erkannte jedoch an, dass Minister Al-Wazir mit der Einführung der Lärmobergrenze nach 16 Jahren endlich die letzte Vereinbarung der Flughafen-Mediation aus dem Jahr 2000 umgesetzt habe.

Der Landtag verabschiedete mit den Stimmen von CDU und Grünen im Verkehrsausschuss einen Antrag, der die Lärmobergrenzen lobt. Damit habe die Region die Sicherheit erhalten, „dass das aktuelle Fluglärmniveau trotz steigender Flugbewegungen nicht wesentlich überschritten wird“. Die Airlines erhielten einen „starken Anreiz, die einzelne Flugbewegung möglichst leise abzuwickeln“, heißt es in dem Beschluss.

Die SPD beklagte vehement, dass Al-Wazir den Monitoringbericht nicht rechtzeitig vor der Sitzung des Ausschusses zugänglich gemacht habe. Das sei kein angemessener Umgang mit dem Parlament, schimpfte Marius Weiß.

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