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Flörsheim Aufklärung schleppt sich dahin

Flughafenanrainer wissen immer noch nicht, warum Ziegel vom gesicherten Dach gerissen wurden. Die Experten des Deutschen Fluglärmdiensts wollen unterdessen das Flugzeug ausgemacht haben.

Flugzeug über Wohngebiet
In Flörsheim hat sich erst vor Kurzem ein Wirbelschleppenvorfall ereignet. Foto: Renate Hoyer

Für den Deutschen Fluglärmdienst (DFLD) steht außer Frage, wer den jüngsten Wirbelschleppenvorfall in Flörsheim verursacht hat: „Das kann nur eine A320neo der Deutschen Lufthansa gewesen sein“, sagt Horst Weise. Der Experte aus Eppstein im Main-Taunus-Kreis ist zu diesem Ergebnis gekommen, nachdem er die Flugspuren und Daten der knapp 200 Meter entfernten Lärmmessstation ausgewertet hatte. Bei Flughafenbetreiberin Fraport hingegen heißt es, es sei noch alles offen. „Wir können die Angaben des DFLD nicht bestätigen“, sagt Unternehmenssprecher Dieter Hulick. Das Gutachten sei noch in Arbeit.

Auch am Stand der fehlerhaften Dachklammerung hat sich demnach in den vergangenen zehn Tagen so gut wie nichts geändert: An 24 der 99 betroffenen Häuser gab es Nachbesserungen, für weitere 23 liegen die Sachverständigengutachten vor. Die Besitzer der restlichen Immobilien sind vorgewarnt und warten nun darauf, dass auch sie an der Reihe sind. Keine einfache Situation. „Es herrscht Verunsicherung“, sagt Horst Bröhl-Kerner, Sprecher der Bürgerinitiative gegen Fluglärm Raunheim.

Raunheim und Flörsheim sind die beiden Städte, in denen Flugzeuge den Häusern besonders nahe kommen. An beiden Orten kam es in der Vergangenheit mehrfach zu von Wirbelschleppen verursachten Schäden an Dächern, es flogen auch schon Gartenmöbel oder Blumenkübel durch die Luft. Der jüngste Fall vom 24. Mai war dennoch etwas Besonderes. Denn diesmal fegten Ziegel von einem Dach, das auf Fraport-Kosten extra geklammert wurde, damit so etwas nicht passiert. Als dies bekannt wurde musste Fraport einräumen, dass eine der Dachdeckerfirmen schlampig gearbeitet hat. Schon vor dem 24. Mai hatten dies stichprobenartig Kontrollen aufgedeckt. Geschehen ist in den knapp vier Wochen danach wenig. Einzig dass die Bewohner der insgesamt 99 betroffenen Häuser jetzt über das mögliche Risiko informiert sind. Unverständnis herrscht aber nicht alleine über den langen Zeitraum, bis die Gefahr gebannt ist. Spätestens seit der Sitzung des Verkehrsausschusses im Landtag vor zehn Tagen ist der exakten Zeitpunkt des Vorfalls bekannt – Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte 14.31 Uhr gesagt. Anhand dieser Angabe lasse sich berechnen, dass die A320neo schuld war, sagt DFLD-Experte Weise. Dieser Flugzeugtyp wird der Wirbelschleppenkategorie M für Medium zugeordnet. Insgesamt führt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) drei Kategorien.

Dass Fraport auch die Angaben des Wetterdienstes auswerten lassen will, findet Weise sehr erstaunlich. Sicher sei das Entstehen und die konkrete Auswirkungen einer Wirbelschleppe physikalisch komplex. Aber: „Das Wetter kann nicht die Zeit so stark verzögern.“

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