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Fall Susanna Rechte Hetze in Mainz wird übertönt

Zu der Anti-Flüchtlings-Demo „Kandel ist überall“ auf dem Mainzer Domplatz kommt nur ein kleines Grüppchen. Gegendemonstranten treffen sich zu einer Mahnwache.

Mahnwache für Susanna
Ein Polizist schützt die Mahnwache „Kandel ist überall“ vor Gegendemonstranten. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Ein ziemlich trauriges Bild geben die rund 30 Teilnehmer der rechten Demo „Kandel ist überall“ ab, wie sie da am Montagabend im strömenden Regen unter Regenschirmen an der Heunensäule auf dem Mainzer Domplatz stehen. Christiane Christen hält ihre Rede nicht, weil es sowieso keine Chance gibt, sich Gehör zu verschaffen, wie sie der FR sagt.

Denn rund um das kleine Grüppchen haben sich etwa 150 Gegendemonstranten von Linkspartei, Solid und Antifa versammelt, die mit Fastnachtsgesängen, der „Internationalen“ und Parolen wie „Haut ab“ oder „Ihr seid so lächerlich“ viel Krach machen. Weitere 200 bis 300 Gegendemonstranten, darunter Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), haben sich zu einer Mahnwache versammelt. Dort geht es eher ruhig zu, der Name „Susanna“ wird aus Kerzen auf dem Boden geformt.

„Am Boden zerstört“: Diese drei Worte hat die Mutter der getöteten Susanna F. mit dem gestrigen Datum in den Steckbrief ihrer Facebookseite geschrieben. Wie es einer Mutter gehen mag, die ihr Kind durch einen Mord verliert, lässt sich kaum treffender ausdrücken. Zahlreiche Menschen kondolieren ihr auf Facebook.

Andere jedoch nutzen die Seite, um über die deutsche Flüchtlingspolitik herzuziehen oder die Polizeiarbeit zu kritisieren. Denn mutmaßlicher Täter ist ein Flüchtling aus dem Irak. Ein Mann, der sich als irakischer Flüchtling ausgibt, bittet darum, nicht alle Flüchtlinge mit dem Täter auf eine Stufe zu stellen, er finde die Tat auch abscheulich.

Die Integrierte Gesamtschule Bretzenheim, in der Susanna F. die achte Klasse besuchte, hat sich für einen diskreten Umgang mit der Trauer entschieden. „Wir bitten um Respekt, dass wir unter Ausschluss der Öffentlichkeit bleiben möchten“, sagt Schulleiter Roland Wollowski. Der schulpsychologische Dienst betreue weiterhin die Schülerinnen und Schüler, die nicht nur mit dem Tod ihrer Mitschülerin, sondern auch mit der Diskussion um Flüchtlingspolitik und Flüchtlingshetze konfrontiert sind.

„Wir sind Schule ohne Rassismus, wir erfüllen unseren Bildungsauftrag auch in diesem Sinne“, sagt Wollowski. Die jüdische Gemeinde Mainz, der die Familie Susannas angehört, möchte keine Anfragen zu dem Fall beantworten.

Die Flüchtlingsinitiativen aus Hessen und Rheinland-Pfalz teilen mit, dass es Menschen und nicht Flüchtlinge seien, die solche grausamen Taten begingen, und dass der Mensch bestraft werden müsse.

Haftbefehl gegen Ali B.

Bei der Aufklärung des gewaltsamen Todes der 14-jährigen Susanna gleichen die Ermittler nun Aussagen des Tatverdächtigen Ali B. und von weiteren Zeugen ab. Man arbeite auf Hochtouren an der Auswertung der umfangreichen Angaben des inhaftierten 20-Jährigen und von Ergebnissen der Rechtsmedizin, sagte am Montag die Sprecherin der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, Christina Gräf. Der Haftbefehl gegen Ali B., der zuvor in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden gelebt hatte, lautet auf dringenden Verdacht des Mordes und der Vergewaltigung.

Der Iraker hatte in einer fast sechsstündigen Vernehmung vor dem Wiesbadener Amtsgericht gestanden, das aus Mainz stammende Mädchen umgebracht zu haben. Er sitzt in Frankfurt in Untersuchungshaft.  (mit dpa) 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mordfall Susanna

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