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Entwicklungspolitik Sauberes Wasser für die Welt

Minister Al-Wazir stellt Leitlinien der Entwicklungspolitik vor. Hessen hilft nicht nur in anderen Kontinenten, sondern seit 2016 auch in einem europäischen Land.

Tarek Al-Wazir
Tarek Al-Wazir stellt die entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes vor. Foto: Andreas Arnold

Paul ist der Inbegriff hessischer Entwicklungshilfe. Die etwa einen Meter hohe unscheinbare blaue Plastikbox, die diesen Namen trägt, kann aus Dreckwasser Trinkwasser machen. Das ist eine Fähigkeit, die an vielen Orten der Welt benötigt wird – dort, wo Erdbeben die Trinkwasserversorgung zerstört haben, ebenso wie in Gebieten, in denen Seuchen grassieren.

Paul ist ein Hightech-Produkt, das vom Kasseler Professor Franz-Bernd Frechen entwickelt wurde, in einer hessischen Behindertenwerkstatt produziert wird und Menschen von Haiti bis Nepal hilft. Rund 2700 Exemplare sind von Hessen in die Welt geliefert worden. Das war dem Land rund 200 000 Euro wert.

Am Dienstag stand ein solcher Wasserrucksack symbolisch am Rande der Pressekonferenz, bei der Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes vorstellte. Al-Wazir sagte: „Wir fördern gezielt eine Vielzahl von kleineren Projekten mit großer Wirkung.“ Dies reiche „von der Frauenberatungsstelle in Indien über Orthopädiewerkstätten für Kriegsopfer in Afrika“.

Derzeit fließen 860 000 Euro im Jahr, von denen rund 250 000 Euro Vorhaben in Albanien zugute kommen. Traditionell waren Mittel der hessischen Entwicklungszusammenarbeit für Menschen in anderen Kontinenten eingesetzt worden. Dies änderte sich 2015, als die Landesregierung der Ausweisung der Länder Albanien, Kosovo und Montenegro als „sichere Herkunftsländer“ zustimmte.

Damals handelten die Grünen aus, dass Hessen im Balkan hilft, um Fluchtursachen zu verringern. Daraus entstanden seit 2016 Projekte in Albanien. Eines davon soll es Studienabsolventen ermöglichen, ihre eigene Existenz zu gründen – mit Beratung beim Erstellen von Business-Plänen und kleinen Stipendien. Das andere Projekt zielt auf junge Erwachsene, die als Zimmerleute, Steinmetze oder Maurer ausgebildet werden. Bei der Umsetzung ist der World University Service (WUS) mit Sitz in Wiesbaden beteiligt. Der WUS-Vorsitzende Kambiz Ghawami berichtete, mit dem Programm für Uniabsolventen habe man 150 jungen Albanern konkrete Perspektiven vermitteln können.

Im Jahr 2017 gab Hessen besonders viel Geld für Entwicklungshilfe, erneut um Menschen die Flucht nach Deutschland zu ersparen. Diesmal wurden auf Anregung der SPD für eine Million Euro Unterkünfte, eine Schule und ein Waisenhaus im Norden Iraks gebaut.

Das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen, in dem sich nichtstaatliche Organisationen zusammengeschlossen haben, war bei der Erarbeitung der Leitlinien beteiligt. Seine Koordinatorin Andrea Jung sagte, es gehe um eine „globale Verbindlichkeit“, keinen Menschen zurückzulassen. Dabei sehen die Leitlinien einen Umgang „auf Augenhöhe“ mit den Menschen in den Entwicklungsländern vor.

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