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Ditib Islamunterricht auf der Kippe

Das Land Hessen bereitet sich auf ein Ende der Zusammenarbeit mit dem Moscheeverband Ditib vor.

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Ditib-Gemeinde in Hanau (Symbolbild). Foto: Monika Müller

Der Islamunterricht in Hessen steht möglicherweise zur Disposition. Die neue Landesregierung soll zügig entscheiden, ob er fortgesetzt oder durch Islamkunde ersetzt wird. Das wäre kein bekenntnisorientierter Glaubensunterricht mehr, sondern ein informativer Kurs. Die derzeitige Form solle aber auf jeden Fall bis zum Ende des Schuljahres fortgesetzt werden, heißt es aus dem Kultusministerium. 

Vor gut fünf Jahren hatte Hessen als erstes Bundesland den bekenntnisorientierten Islamunterricht eingeführt in Kooperation mit zwei Religionsgemeinschaften: Ahmadiyya und Ditib. 

Bei den Überlegungen zum Ausstieg spielen die Entwicklungen beim Moscheeverband Ditib eine Rolle. Dieser steht der türkischen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan nahe. Ditib war wegen der angeblichen Ausspähung von Erdogan-Gegnern in Deutschland in Verruf geraten. Nun wurde zudem bekannt, dass Ditib in Köln eine geheime Tagung mit radikalen Muslimgruppen veranstaltet und dort einem „deutschen Islam“ eine Absage erteilt habe. 

Im Kultusministerium von Alexander Lorz (CDU) werde all dies genau registriert und in die Bewertung einbezogen, sagte Sprecher Philipp Bender der FR am Donnerstag. Ditib Hessen versichert jedoch, dass es nicht dem Einfluss des Bundesverbands in Köln unterliege. So wurde mit einer neuen Satzung die Stelle des Landeskoordinators abgeschafft, der von der Zentrale nach Hessen entsandt worden war. Er wird durch einen Geschäftsführer ersetzt. 

Das Ministerium hatte vor einem Jahr vom Landesverband Nachweise für seine Unabhängigkeit und eine Mitgliederliste gefordert. Der hessische Ditib-Vorsitzende Salih Özkan sagte der FR, die letzten Unterlagen habe er dem Ministerium Anfang des Jahres zugestellt. Ditib würde einen Ausstieg des Landes aus der Zusammenarbeit bedauern. „Das wäre ein Rückschritt und nicht gut für Hessen.“

Die Koalition aus CDU und Grünen ist allerdings gewappnet für eine Beendigung der Zusammenarbeit mit Ditib. In ihrem im Dezember geschlossenen Koalitionsvertrag heißt es: „Kooperationspartner, die keine Gewähr dafür bieten, dass der Unterricht unserer verfassungsrechtlichen Ordnung entspricht, akzeptieren wir als Partner nicht.“ In einem solchen Fall würde Hessen „in alleiniger Verantwortung das Angebot Islamunterricht schaffen“.

Das Kultusministerium ist darauf vorbereitet. „Dann würde es eine gute Alternative geben“, sagt Sprecher Bender. So oder so müssten neue Lehrinhalte erarbeitet werden. Bisher gibt es Islamunterricht in den Klassen 1 bis 6. Im Sommer sollten die siebten Klassen damit beginnen. Dafür müsste ein Lehrplan ausgearbeitet werden, wenn der Islamunterricht fortgesetzt wird. 
Noch anspruchsvoller wäre die Aufgabe, wenn Islamkunde den Unterricht ablösen würde. Dann müsste ein komplettes Curriculum samt Aus- oder Fortbildung der Lehrkräfte geschaffen werden. Daher wäre Islamkunde wohl „frühestens 2020/21“ möglich, vermutet Bender. 

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