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Buch von Gerhard Merz Hessen bleibt das Phrasenland Nr.1

Der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz schreibt mit, wenn seine Kollegen im Landtag in Hessen Worthülsen und Unsinnssätze von sich geben. Das kann man sich jetzt als Buch kaufen.

Merz
Gerhard Merz (SPD) Quelle: SPD Foto: Florian Jaenicke

Niemand weiß besser als Gerhard Merz, dass Hessen das „Phrasenland Nr. 1“ ist. Der SPD-Politiker, der seit zehn Jahren als redegewandter Abgeordneter im Landtag für soziale Belange eintritt, schreibt mit, wenn seine Kollegen Worthülsen und Unsinnssätze von sich geben. Oder auch, wenn er selber sich im Dickicht der Redewendungen verirrt hat.

Jetzt hat der Mann aus Gießen zum zweiten Mal eine Sammlung seiner amüsanten und absurden Fundstücke vorgelegt. Unter dem Titel „Papyrrhussiege II“ finden sich Zitate um Zitate, aber auch kabarettistische Texte, die Merz aus dem Wortmüll zusammengefügt hat. Wer den Sitzungen im Parlament regelmäßig folgt, merkt: Sie kommen so mancher echten Landtagsrede erschreckend nahe.

Das klingt dann so: „Hessen ist und bleibt das Phrasenland Nr. 1. Das sollten wir alle mit hymnischen Lettern auf die Monstranz schreiben, die wir wie ein Mantra vor uns hertragen. Auch wenn die Opposition das immer wieder wie eine tibetanische Gebetsmühle vor sich hin betet und versucht, Salz in die Suppe zu spucken: Wir werden den Hasen nicht ins Korn werfen.“

Seit die Leidenschaft des Abgeordneten für missglückte Redewendungen bekannt geworden ist, hat er viele Zuträger, die ihm Zitate übermitteln – manchmal auch Worte des Abgeordneten Merz höchstselbst. Denn selbst ein aufmerksamer Sprachbeobachter ist nicht vor Missgriffen gefeit, etwa wenn er seine Position in einer Pressekonferenz mit den Worten erläutert: „Wir haben ein paar Flaschenhälse, in denen die Räder nicht ineinandergreifen.“

In seinem neuen Band widmet sich Merz mit besonderer Leidenschaft der sinnentleerten Nutzung von bedeutungsschwangeren Städtenamen. Dabei spielt Mekka eine Rolle, wenn etwa die Stadthalle Hagen zum „Stempel-Mekka“ erklärt wird, der Gang nach Canossa oder das Erleben eines Waterloo.

Die Vorstellung des Buchs übernahm Landtags-Vizepräsident Frank Lortz (CDU). Er pries die „Papyrrhussiege“ als „köstliche Sammlung von Stilblüten“. Sie enthalte „tolle sprachliche Schüsse direkt vorbei am Ziel“. Der Landtag brauche Humor, betonte Lortz, „sonst wär’s nicht zu ertragen“. Es gebe aber auch „Abgeordnete, die unter der Last ihrer Wichtigkeit fast zusammenbrechen“. Der „begnadete Zwischenrufer“ Gerhard Merz gehöre nicht zu ihnen.

Merz sagte, er müsse seinen „satirischen Neigungen“ nachgehen, anders „kann man nicht zehn Plenarwochen im Jahr aushalten“. Bis heute umfasse seine Liste 1705 Einträge, sorgfältig notiert mit Redner und Datum. Auch jenseits des Landtags wird Merz fündig, in Zeitungen und Fernsehsendungen, in Parteigremien und Gemeindeparlamenten. So fiel ihm eine Pressemitteilung der Wiesbadener SPD-Stadtverordneten auf. Sie teilten mit, „dass Fäkalien im Schwimmbecken nicht auf die leichte Schulter genommen werden“.

Im nächsten Jahr scheidet der Sozialdemokrat aus dem Parlament in Wiesbaden aus, der 65-Jährige tritt nicht wieder an. Gesucht wird ein würdiger Nachfolger, der sich – wie Merz es formulieren würde – das Thema des Phrasenlands Nr. 1 als Schwarzen Peter anzieht, um dem Mehltau der Worthülse auch in Zukunft keine weiße Salbe auf die Augen und Ohren der Menschen zu streuen.

Gerhard Merz, Papyrrhussiege II: Vom Rubikon nach Waterloo. – VAS Verlag, Bad Homburg, 2017. – 146 S. – 12,80 €.

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