Lade Inhalte...

Brandschutz in Hessen Vermieter befürchten Prozesslawine

Das Land Hessen verschärft den Brandschutz. Vermieter, die keine Rauchwarnmelder installieren, müssen jetzt Bußgeld zahlen. Immobilienbesitzer lehnen die Neureglung ab.

Brandschutz in Hessen
Alarmgeräte sind in Hessen seit 2014 Pflicht. Foto: Bosch

Das Land hat den Brandschutz verschärft. Funktionieren die Rauchwarnmelder nicht, droht dem Vermieter ein Bußgeld in der Höhe von bis zu einer halben Million Euro, teilt der Verein Haus & Grund mit. Diese Neuregelung in der novellierten Hessischen Bauordnung sei der falsche Weg. „Sie trägt Streit ins Mietverhältnis und belastet die Justiz“, sagt Younes Frank Ehrhardt, Geschäftsführer des Landesverbands der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer.

Vermietern fehle oft der direkte Einfluss auf den Zustand der Geräte: „Wir stellen vermehrt fest, dass Mieter regelmäßig dazu übergehen, die Rauchwarnmelder einfach zu demontieren oder bei Bedarf die Batterien zu entfernen“, sagt der Landesverbandsgeschäftsführer. Auch die aktuelle Art der Nutzung eines jeden Zimmers entziehe sich oft der Kenntnis eines Eigentümers.

Seit Dezember 2014 müssen in Hessen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mit mindestens einem Rauchwarnmelder ausgestattet sein. Diese sind so zu installieren, „dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird“. Verantwortlich für Einbau, Wartung sowie Ersatz defekter Geräte ist der Vermieter.

„Bislang wurde diese Verpflichtung nicht sanktioniert“, teilt Landesgeschäftsführer Ehrhardt mit. Das hat die am 6. Juli in Kraft getretene Novellierung geändert. Der Verein rate seinen Mitgliedern jetzt, vorsorglich jedes Zimmer – außer Küche und Bad – mit Rauchmeldern auszustatten. „Das treibt wiederum die Kosten des Wohnens in die Höhe.“ Zudem steige der Druck, jene Mieter zu verklagen, die Geräte außer Betrieb setzten. Was dann die Justiz zusätzlich belaste. Rauchwarnmelder, fügt Ehrhardt hinzu, seien sinnvoll. Doch mit dem Ausmaß der Bußgeldandrohung sei die Landesregierung übers Ziel hinausgeschossen: „Unsere Erfahrung ist, dass die Eigentümer und Vermieter sehr wohl ihrer Ausstattungspflicht nachkommen, weil ihnen sowohl die eigene Sicherheit als auch diejenige ihrer Mieter wichtig ist.“

Der Mieterschutzverein Frankfurt widerspricht da nicht. „Wir haben aus unserer mietrechtlichen Beratung keine Kenntnis davon, dass Mieter den Einbau von Rauchwarnmeldern verweigern“, sagt Pressesprecherin Astrid Nembach. Sie könne aber auch nicht bestätigen, dass Mieter vermehrt Geräte demontierten oder Batterien entfernten. „Uns liegen auch keinerlei Abmahnungen oder Hinweise von Vermieterseite vor.“

Dem Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands, Harald Popp, liegen keine Kenntnisse über Probleme mit der Funktionstüchtigkeit von Rauchmeldern vor. Wohl aber darüber, dass die Geräte schon viele Menschen vor Schaden, womöglich gar vor dem Tod gerettet haben. Popp begrüßt die neue Bauordnung mit den Sanktionen, die die Sicherheitsbestimmungen noch einmal verschärfen. Dies diene schließlich allein dem Schutz der Menschen in ihren Wohnungen.

„Es gibt viele gute Beispiele, bei denen der Alarm die Leute geweckt hat“, sagt Popp. Speziell im Schlaf werde ein Brand oft zu spät bemerkt. „Zwei, drei kräftige Atemzüge reichen aus, um in Ohnmacht zu fallen.“ Deshalb sei die zehnminütige Frist so wichtig, in der die Helfer vor Ort sein müssten. Entwickele ein Rauchmelder „ein Eigenleben“, gebe es dafür zwei Gründe: entweder Rauch oder die Batterie sei leer. Seine Empfehlung: immer wieder mal die Funktionstüchtigkeit überprüfen, etwa vor dem Urlaub. „Man muss dafür nur das Knöpfchen drücken.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen