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Bildung Ganztagsschule und digitales Lernen

Die Enquetekommission des Landtags zeigt Wege zu besserer Bildung auf. Der Abschlussbericht wird einstimmig angenommen.

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Integration fördern, Kinder in Bewegung halten, unterrichten mit Laptop oder Tablet: Für die Schulen gibt es zahlreiche Aufgaben. Foto: Andreas Arnold

Der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz nennt ihn ein „gutes Drehbuch für bessere Bildung“. Sicher ist: Würde jemals ein Regisseur den Abschlussbericht der Enquetekommission zur schulischen Bildung in Hessen verfilmen wollen, müsste es schon ein Mehrteiler sein. Was die Mitglieder in 28 Sitzungen an Erkenntnissen, Ideen und Fragen zu Themen wie Inklusion, Ganztagsschulen, Lehrerbildung oder Schutz vor sexuellem Missbrauch zusammengetragen haben, füllt immerhin 213 Seiten. 

Die Abgeordneten der fünf im Landtag vertretenen Parteien CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke haben dazu zahlreiche Experten aus Wissenschaft und Praxis gehört, unzählige Dokumente gesichtet und viele Stunden lang gemeinsam mit Vertretern von Eltern, Schülern, Lehrkräften, Verbänden und Kommunen diskutiert. Die Kommission „Kein Kind zurücklassen – Rahmenbedingungen, Chancen und Zukunft schulischer Bildung in Hessen“ war 2014 auf Antrag der SPD einberufen worden. 

Der Abschlussbericht fasst die Inhalte der Sitzungen zusammen und gibt die darauf beruhenden Handlungsempfehlungen der Parteien zu den 15 beackerten Themenfeldern wieder. Er wurde einstimmig angenommen. Wir stellen einige Ergebnisse vor.

Ganztagsschulen: Der Bedarf an unterschiedlichen Typen ganztägig arbeitender Schulen soll an Elternwünschen orientiert ermittelt werden. Ziel solle sein, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Schulen sollen außerdem vom 45-Minuten-Rhythmus abweichen dürfen, den Kindern und Jugendlichen mehr Bewegungsmöglichkeiten bieten und multiprofessionell in Teams arbeiten. Die CDU legt Wert darauf, dass die Erziehungsvorstellungen der Eltern nicht eingeschränkt werden und der Besuch freiwillig bleibt. Die SPD will ein Recht auf den Besuch einer Ganztagsklasse im Schulgesetz verankern. Angebote müsse es für alle Schülerinnen und Schüler in erreichbarer Nähe geben.

Digitalisierung: Schule soll Kinder und Jugendliche zum verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie erziehen und befähigen. Unterricht ohne Lehrer soll keine Option sein. Der Umgang mit digitalen Systemen soll in der Aus- und Fortbildung einen entsprechenden Stellenwert erhalten. Die CDU möchte keine digitalen Geräte in Kindergarten und Grundschule. Die SPD fordert Regeln für den Umgang mit Computern, die von der Schulverwaltung vorgegeben werden. Die Linke mahnt, Digitalisierung dürfe nicht von wirtschaftlichen Interessen gesteuert werden und fordert, offene Systeme zu nutzen, um das Bildungssystem nicht an bestimmte Geräte- oder Softwarehersteller zu binden. 

Flüchtlinge: Die unter Sechsjährigen haben denselben Anspruch auf frühkindliche Bildung wie einheimische Kinder. Schulen sollen weitgehende Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung erhalten, um auf die Bedürfnisse und Kenntnisse der neu Zugewanderten einzugehen, etwa mit Unterricht in parallelen Sprachintensivklassen. Gesonderte Angebote für Kinder und Jugendliche, die noch gar kein Deutsch sprechen, sind als erster Schritt wichtig. Die Grünen fordern eine Beschulung auch schon, bevor die Flüchtlinge hier anerkannt sind. 

Schutz vor Missbrauch: Empfohlen wird die Einrichtung der Stelle einer Landesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Schulen seien ein geeigneter Ort der Information und Aufklärung, der Intervention und Prävention. Sie sollen zu Kompetenz- und Schutzorten entwickelt werden. Kinder sollten wissen, an wen sie sich im Fall eines tatsächlichen oder drohenden Missbrauchs wenden können und sich darauf verlassen können, dass ihnen geholfen wird. Schulen sollen verbindlich Schutzkonzepte entwickeln, damit Missbrauch in den eigenen Mauern und aus den eigenen Reihen nicht stattfindet.

Weitere Informationen unter hessischer-landtag.de und den Suchbegriffen „Enquete Bildung“.

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