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Bildung 210 Stellen mehr für Inklusion

Die schwarz-grüne Landesregierung will die Inklusion an Regelschulen ausbauen und dafür 210 neue Lehrerstellen schaffen. An Förderschulen für behinderte oder verhaltensauffällige Kinder will sie ebenfalls festhalten. Eltern müssten beide Wege offen stehen.

Gemeinsam lernen sollen künftig alle dürfen. Foto: dpa

Die Eltern von behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern sollen in Hessen wählen können, ob ihr Zögling auf eine Förderschule geht oder gemeinsam mit den nicht-behinderten Altersgenossen die Regelschule besucht. Die schwarz-grüne Landesregierung will beide Wege offen halten, aber die Inklusion in die Regelschule erleichtern. Dafür sollen innerhalb der nächsten drei Jahre 210 Lehrerstellen zusätzlich zur Verfügung stehen.

„Jedes Kind soll am optimalen Schulort beschult werden“, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Dort stellte er gemeinsam mit den bildungspolitischen Sprechern der Koalition, Armin Schwarz (CDU) und Mathias Wagner (Grüne), ein Konzept für das „inklusive Schulbündnisse“ vor.

Danach sollen die Schulen vor Ort an Runden Tischen vereinbaren, welche von ihnen sich für Inklusion öffnen und dafür zusätzliches Personal erhalten. Etwa hundert solcher Runden Tische sollen in Hessen regional gebildet werden. „Es kann sein, dass Sonderpädagogen vom Förderort Förderschule in die allgemeinbildende Schule wechseln“, sagte der Grüne Wagner.

Die Förderlehrer sollen fest an eine Schule zugewiesen werden. Bisher sind sie oft stundenweise an verschiedenen Schulen im Einsatz. Wenn sie „Teil des Kollegiums“ würden, erleichtere das die Zusammenarbeit mit den anderen Lehrkräften, biete Kontinuität und ermögliche Vertretungsregelungen, sagte Minister Lorz zur Begründung.

Unverändert will Hessen nach den Worten des Ministers daran festhalten, zur Vorbeugung schon Schüler sonderpädagogisch zu unterstützen, bei denen noch kein Förderbedarf anerkannt ist. Das betrifft derzeit mehr als 28 000 Schüler und damit fast so viele wie jene 31 000, die als Förderschüler gelten.

Der CDU-Abgeordnete Armin Schwarz sagte, die Inklusion werde ausgebaut, aber Förderschulen blieben erforderlich. Es gebe „Grenzen des inklusiven Unterrichts“. Darin seien sich die Fachleute einig.

Das Regierungskonzept geht der SPD, den Linken und der Landesschülervertretung nicht weit genug. Der SPD-Schulpolitiker Christoph Degen sprach von „Inklusionsverhinderung“, da die Regierung „am Doppelsystem von Förderschulsystem und inklusiver Beschulung“ auf unbestimmte Zeit festhalte. Das Versprechen, dass kein Wunsch von Eltern auf inklusive Beschulung mehr abgelehnt werden soll, könne so nicht erfüllt werden. Nach Angaben von Minister Lorz war im vergangenen Schuljahr in 51 Fällen der Wunsch von Eltern abgelehnt worden, ihr Kind gemeinsam mit nicht-behinderten zu unterrichten.

Ähnlich äußerte sich die Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas. „Nur ein Konzept, das auf das Auslaufen der Förderschulen hinarbeitet, kann als wirkliches Inklusionskonzept im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention verstanden werden“, kommentierte sie.
Die Landesschülersprecherin Svenja Appuhn begrüßte zwar die „Weiterentwicklung der Inklusion“. Die Pläne reichten aber nicht aus, „um den inklusiven Unterricht flächendeckend vollständig gelingen zu lassen“, fügte Appuhn hinzu.

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