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Arbeiten in Hessen Land Hessen verlagert Arbeitsplätze

Das Land Hessen verlagert Arbeitsplätze in der Finanzverwaltung in den ländlichen Raum. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) informiert sich bei einem Besuch im Finanzamt Nidda.

Hessen schafft 500 Arbeitsplätze in der Finanzverwaltung in ländlichen Regionen. Wie notwendig das ist, machte am Mittwoch der Finanzbeamte Markus Otto deutlich, als Ministerpräsident Volker Bouffier und Finanzminister Thomas Schäfer (beide CDU) zu Besuch ins Finanzamt Nidda kamen.

Dreieinhalb Stunden Fahrtzeit benötigte der Mann aus Schotten früher pro Tag, um ins Finanzamt Frankfurt I und zurück zu kommen – was er 23 Jahre lang auf sich nahm. Im Oktober 2017 konnte Otto in seine Geburtsstadt Nidda wechseln. Nun braucht er nur noch eine halbe Stunde für Hin- und Rückweg. Das bringe „viel mehr Lebensqualität“, schilderte er den Regierungsvertretern. „Meine Kinder freuen sich.“

Die Chance zu einem Arbeitsplatz in der Nähe des Wohnorts erhalten noch 30 weitere Steuerbeamte in Nidda. Sie sollen das Finanzamt verstärken, in dem bisher 130 Menschen beschäftigt sind. Dafür übernimmt die Behörde zusätzliche Aufgaben. Das sei für das Finanzamt „ein großer Gewinn“, schwärmte Vorsteherin Cornelia Delekat.

So sieht das auch der parteilose Bürgermeister Hans-Peter Seum. Vor sechs Jahren habe das Land das Amtsgericht in der Stadt zugemacht, zugleich sei ein großes Unternehmen geschlossen worden. Seinerzeit habe man befürchtet, dass Nidda auch das Finanzamt weggenommen bekomme – „das wäre ein Genickschuss gewesen“. Jetzt sei stattdessen „eine tolle positive Entwicklung zu beobachten“, freute sich Seum.

Insgesamt wurden nach Angaben von Minister Schäfer seit März 2017 bereits 200 Arbeitsplätze in ländliche Gebiete verlagert. Nun sollen 300 Jobs folgen. So ist das Finanzamt Bensheim seit Januar erstmals für die Körperschaftsteuer zuständig. Die Betriebsprüfung von Landwirten wurde an vier neue Standorte verlagert, darunter Nidda.

Viele Finanzbeamte warten auf so eine Chance. Nach Angaben von Oberfinanzpräsident Jürgen Roßberg stehen rund 300 Beschäftigte auf der Liste derjenigen, die gerne an einen anderen Standort wechseln würden.

Aufsehen erregt hatte der Fall einer Finanzbeamtin mit Familie in Nordhessen und Arbeitsplatz in Frankfurt. Ihren Wechselwunsch hatte die Oberfinanzdirektion mit den Worten abgelehnt, sie habe sich beim Eintritt in die Ausbildung für eine „dauerhafte Verwendung“ beim Finanzamt Frankfurt entschieden. Minister Schäfer sagte, man habe die Situation der Frau deutlich verbessern können: Sie leiste an vier Tagen in der Woche Telearbeit von zu Hause und müsse nur noch einmal pro Woche nach Frankfurt kommen.

Die neuen Arbeitsplätze sind für Bouffier nur ein Teil der Initiative „Land hat Zukunft“. Auch der flächendeckende Ausbau von Breitbandversorgung, die Stärkung von Landärzten und Gemeindeschwestern oder die Unterstützung von Bürgerbussen gehörten dazu.

Die Opposition hält das Programm für unzureichend. „Es wurden Amtsgerichte geschlossen, Katasterämter geschlossen, andere Standorte geschlossen“, sagte der SPD-Abgeordnete Günter Rudolph. Damit seien in den vorigen Jahren mehr Stellen im ländlichen Raum abgebaut worden als jetzt geschaffen würden.

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