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Andrea Ypsilanti Andrea Ypsilanti nimmt Abschied vom Landtag

Andrea Ypsilanti, die frühere hessische SPD-Chefin, kandidiert 2018 nicht wieder für den Landtag. Ihr Sieg bei der Wahl 2008 und ihr Scheitern bei der Regierungsbildung prägten die hessische Politik.

Andrea Ypsilanti
Andrea Ypsilanti wäre um ein Haar hessische Ministerpräsidentin geworden. Doch das angedachte Bündnis mit den Grünen und der Linken wurde ihr als Wortbruch ausgelegt. Bei den Neuwahlen 2009 trat sie nicht mehr als Spitzenkandidatin an. Foto: Michael Schick

Eine der umstrittensten Politikerinnen verlässt im nächsten Jahr den hessischen Landtag. Die frühere SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti bewirbt sich bei der Landtagswahl im Jahr 2018 nicht erneut für ein Mandat im Parlament in Wiesbaden. Das bestätigte Ypsilanti der Frankfurter Rundschau am Donnerstag.

Fast 20 Jahre im Landtag seien genug, sagte sie. Was sie danach tun werde, sei noch ungewiss, sagte die Frankfurter Soziologin. Im Januar will Ypsilanti ein Buch vorstellen, an dem sie seit vielen Monaten arbeitet. Es trägt den Titel „Und morgen regieren wir uns selbst“. Das Werk kommt pünktlich zehn Jahre nach dem Schicksalsjahr der Sozialdemokratin und ihrer Partei auf den Markt.

Ypsilanti brachte SPD auf Augenhöhe mit CDU

Im Januar 2008 hatte Spitzenkandidatin Ypsilanti die SPD in einem munteren, sozial-ökologischen Wahlkampf auf Augenhöhe mit der CDU von Roland Koch gebracht, die fünf Jahre zuvor noch die absolute Mehrheit in Hessen geholt hatte. Es reichte aber weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün, denn erstmals war die Linke in den hessischen Landtag eingezogen.

So konnte Ypsilanti nur um einen hohen Preis versuchen, Ministerpräsidentin zu werden: in einem Bündnis mit der Linken, das sie vor der Wahl ausgeschlossen hatte. Monatelang rang die SPD mit sich selbst, führte dann Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und bekam die Zustimmung der Linken zur Tolerierung einer rot-grünen Regierung. Union und Boulevardpresse griffen die SPD-Chefin als „Tricksilanti“ und „Lügilanti“ an.

Vier SPD-Leute verweigerten Unterstützung

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger erklärte im März 2008, dass sie den Weg nicht mitgehen würde. Einen Tag vor der geplanten Wahl Ypsilantis im November 2008 scherten noch drei andere SPD-Abgeordnete aus, Jürgen Walter, Carmen Everts und Silke Tesch. Damit fehlte die erforderliche Stimmenzahl. Die Wahl der Ministerpräsidentin wurde abgesagt.

Ypsilantis Scheitern stürzte die SPD in eine tiefe Krise und belastete auch ihr Verhältnis zu den Grünen schwer, die sich durch die Koalitionsverhandlungen gemüht hatten und nun vor dem Scherbenhaufen standen. Der bis dahin weithin unbekannte Thorsten Schäfer-Gümbel folgte Ypsilanti an der Parteispitze und als Spitzenkandidat der SPD für die Neuwahlen 2009, die mit einem Absturz endeten.

Ypsilanti im Parlament fast verstummt

Die Frankfurter Abgeordnete saß seither auf einem hinteren Platz im Parlament und redete fast nie mehr. Als Vorsitzende des Petitionsausschusses kümmert sie sich seit vier Jahren um die Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern. Zugleich ist sie in dem von ihr mitbegründeten „Institut Solidarische Moderne“ aktiv, das linke Politiker, Aktivisten und Wissenschaftler zusammenführt.

Der „Mannheimer Morgen“ hatte am Donnerstag zuerst über Ypsilantis Rückzug berichtet. Sie zeigte sich erstaunt, dass die Nachricht als Neuigkeit verbreitet wurde. Ihr Entschluss stehe bereits seit vielen Monaten fest, sagte sie der FR.

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