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Alternative für Deutschland Hessen AfD außer Rand und Band

Die Alternative für Deutschland (AfD) ist in Hessen dabei, sich selbst zu zerlegen. Es geht um falsche Doktortitel und eine erschlichene Zulassung zur Bundestagswahl. Auf dem Parteitag in Gießen dürfte es jedenfalls hoch hergehen. Viele Mitglieder kündigen ihren Austritt an.

Zerrissen: die AfD in Hessen. Foto: dpa

Die Alternative für Deutschland (AfD) ist in Hessen dabei, sich selbst zu zerlegen. Es geht um falsche Doktortitel und eine erschlichene Zulassung zur Bundestagswahl. Auf dem Parteitag in Gießen dürfte es jedenfalls hoch hergehen. Viele Mitglieder kündigen ihren Austritt an.

Jede Menge Parteiaustritte und Rücktritte, wüste Beschimpfungen per E-Mail und auf anderen digitalen Kanälen: In keinem anderen Landesverband geht es so turbulent zu wie bei der Alternative für Deutschland (AfD) Hessen. Am Samstag, 11. Januar, findet in Gießen der dritte Parteitag innerhalb von zwei Monaten statt. Und es ist damit zu rechnen, dass weiter mit harten Bandagen gekämpft wird.

Da ist Volker Bartz, dem sein in Osteuropa erworbener Doktortitel abhandenkam, nachdem ihm Bundesparteichef Bernd Lucke als „Hochstapler und Titelbetrüger“ outete. Der Bundesvorstand hat den 62-Jährigen als Landessprecher abgesetzt. Er selbst bezeichnet sich als Mobbing-Opfer. Er will heute in Gießen darlegen, wie die AfD ihre Zulassung zur Bundestagswahl mit einer Urkundenfälschung erschlichen habe.

Gegen die beiden anderen Landessprecher, Gunther Nickel und Simon Roger, liegen Abwahlanträge des Kreisvorstands Frankfurt vor. Initiiert, heißt es, habe das Hanns-Christian Salger, der am Donnerstag als Kreisvorstandssprecher zurücktrat und die AfD verlies. Und da sind Parteichef Lucke und Bundessprecher Konrad Adam aus Oberursel, die auf der Rednerliste stehen, weil sie den Landesverband befrieden wollen.

Abschließend klären will die AfD in Gießen auch, ob die Kassenführung des Landesverbands in Ordnung war, und sie muss einen neuen Schatzmeister wählen. Der alte, Peter Ziemann, war nach wenigen Tagen wegen rechtsextremer Äußerungen seines Amtes enthoben worden.

Vorstand spricht von „Säuberungsaktion“

An vielen Fronten im Landesverband wird gestritten, es herrscht ein Tohuwabohu. Und es gibt einen Aderlass: Beim Parteitag Mitte Dezember zählte der Landesverband 2050 Mitglieder, aktuell sind es 100 weniger. Weitere wollen ihr Austrittsformular beim heutigen Parteitag abgeben, wie Bartz am Freitag gegenüber der Frankfurter Rundschau ankündigte. Auch er werde dies tun, zuvor aber die Aussprache nutzen, um mit der Bundesparteispitze abzurechnen. Die handele selbstherrlich, versuche kritische Stimmen mit Diffamierungen zum Schweigen zu bringen. „Das ist keine rechtsstaatliche Partei.“ Auch vermisse er eine eindeutige Positionierung als „rechtskonservativ“.

Der Landesvorstand bezeichnet die Austrittswelle als „Säuberungsaktion“, bei der jene entfernt würden, die von Lucke islamkritischere Worte forderten, sagt ein Vertreter, der nicht namentlich genannt werden will. Ein inzwischen ausgetretenes Mitglied, das auch anonym bleiben will, zeichnet ein anderes Bild: Die liberalen Geister würden die AfD verlassen, übrig blieben die Rechtsradikalen und jene, die sie als Karrieresprungbrett nutzen wollten. Zu Letzteren zählt er Lucke. „Der akzeptiert die rechte Soße, damit er ein Mandat bekommt.“

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