Lade Inhalte...

Altenpflege in Hessen Altenpfleger händeringend gesucht

Der Landtag debattiert, wie die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen von Altenpflegerinnen und Altenpflegern in Hessen verbessert werden können.

Pflege in Hessen
Begehrte Kräfte: Die Altenpflegerin Jie Lu aus China arbeitet in Frankfurt. Foto: Thomas Lohnes (epd)

Alle wissen, dass es zu wenige Altenpflegerinnen und Altenpfleger in Hessen gibt. Aber was muss geschehen, um das zu verändern? Darüber hat der Landtag am Mittwoch in Wiesbaden debattiert – ohne eine befriedigende Lösung zu finden.

„Es ist keine Frage“, räumte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) ein: „Wir haben eine schwierige Fachkräfte-Situation in der Altenpflege. Das ist eine Situation, die uns alle beschäftigen muss.“ Die SPD-Abgeordnete Daniela Sommer nannte Zahlen: Schon 2010 seien fast 5000 Fachkräfte gesucht worden. Bis 2035 werde ein zusätzlicher Bedarf von mehr als 7200 Altenpflegerinnen und Altenpflegern vorhergesagt – und dabei seien mehr als 5600, die bis dahin aus Altersgründen ausschieden, noch gar nicht mitgerechnet.

Sommer schilderte, woran das liegen könnte: Betroffene beklagten Personalmangel, Überlastung, schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung. Die Linken-Abgeordnete Marjana Schott fügte hinzu, es bleibe kaum Zeit, sich um individuelle Bedürfnisse der Pflegebedürftigen zu kümmern. So könnten sich nur 20 Prozent der Beschäftigten vorstellen, den Beruf bis zur Rente auszuüben. Die CDU-Abgeordnete Irmgard Klaff-Isselmann beteuerte, die Koalition lasse weder die Pflegefachkräfte noch die Familien allein. Sie warnte vor „Panikmache und Desinformation“.

Die Linke forderte einen deutlich höheren Mindestlohn von 14,50 Euro für Pflegekräfte. Außerdem müsse der Personalschlüssel erheblich verbessert werden, sagte Marjana Schott. Mindestens eine Pflegekraft müsse für zwei Bewohnerinnen oder Bewohner zuständig sein.

Grüttner: nicht in die Tarifautonomie einmischen

Diese Vorschläge stießen bei keiner anderen Fraktion auf Zustimmung. Grünen-Sozialpolitiker Marcus Bocklet stellte in Frage, „warum man diesen Beruf herauspickt“ für einen eigenen gesetzlichen Mindestlohn.

Minister Grüttner sagte, er werde sich nicht in die Tarifautonomie einmischen, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Löhne aushandeln. Trotzdem sei zu überlegen, ob man nicht „mit Steuermitteln Unterstützung geben“ müsse.

Sympathien gab es zwar für einen guten Personalschlüssel. Der FDP-Fraktionsvorsitzende René Rock warnte aber ebenso wie der Grüne Bocklet davor, dass dies unerwünschte Nebenwirkungen haben könne. Heime, die nicht genug Personal dafür fänden, könnten dann weniger Plätze zur Verfügung stellen, mahnte Rock. Damit sei einer Familie, die kurzfristig einen Pflegeplatz für einen Angehörigen benötige, nicht geholfen.

Die Regierung bemüht sich mit Kampagnen darum, für den Beruf zu werben – etwa für Zielgruppen wie Männer oder Flüchtlinge. Inzwischen lernten 5400 Auszubildende auf hessischen Pflegeschulen, berichtete Minister Grüttner. Das sei „ein historischer Höchststand“.

Hessen stelle ausreichend Plätze zur Verfügung. „Jeder, der einen Ausbildungsplatz hat, bekommt auch einen Schulplatz“, versicherte der Sozialminister.

Sozialdemokratin Sommer rief dazu auf, auch die Vorzüge des Altenpflege-Berufs in die Debatte zu bringen. Die Tätigkeit sei zwar belastend, doch zugleich sei sie sinnvoll und gebe den Berufstätigen auch viel zurück. Am Schluss ihrer Rede zitierte die SPD-Abgeordnete eine Altenpflegerin mit den Worten, ihr Beruf sei trotz allem „der schönste Beruf der Welt“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum