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Alsfeld Hessen schiebt psychisch krankes Kind ab

Hessische Behörden haben am Montag einen zwölfjährigen Jungen nach Mazedonien abgeschoben - zu seinem offenbar gewalttätigen und drogenabhängigen Vater.

Abschiebung am Baden-Airport. (Symbolbild) Foto: Patrick Seeger (dpa)

Die hessischen Behörden haben am Montag einen zwölfjährigen Jungen in sein Heimatland Mazedonien abgeschoben. Der Junge hatte seit zweieinhalb Jahren in Deutschland gelebt. Hier werde das Kindeswohl „mit Füßen getreten“, urteilte der hessische Flüchtlingsrat.

Der psychisch kranke Alek sei in Skopje gegen seinen Willen an seinen gewalttätigen und drogenabhängigen Vater übergeben worden, berichtete die Familientherapeutin Manuela Schulze-Janzing der Frankfurter Rundschau. Dabei besitze nicht der Vater, sondern die in Hessen lebende Großmutter das Sorgerecht.

Das Regierungspräsidium Gießen widersprach. Die Großmutter habe „zuletzt kein Umgangsrecht mehr“ mit Alek gehabt. Der Junge hatte nach Schulze-Janzings Angaben seit 2016 mit anderen Pflegekindern in ihrer Familie im thüringischen Mülverstedt gelebt. Am vorigen Mittwoch habe sie ihn in eine spezialisierte Einrichtung ins hessische Alsfeld gebracht. Hier sei er am Montag von der Polizei abgeholt worden. „Die Kollegen waren völlig überrumpelt“, sagte Schulze-Janzing.

Die Therapeutin berichtete, die thüringischen Behörden hätten Aleks Abschiebung bereits im Dezember geplant. Die habe man durch den Nachweis abwenden können, dass das Sorgerecht bei der Großmutter und nicht beim Vater liege. Der FR liegt ein Dokument vor, in dem der Vater erklärt, er könne sich wegen seiner Drogensucht und seiner „gestörten Gesundheit“ nicht um den Jungen kümmern. Er soll Alek regelmäßig misshandelt haben.

Das Innenministerium verwies auf die im Aufenthaltsrecht vorgesehene Möglichkeit, unbegleitete minderjährige Ausländer abzuschieben. Danach hätten sich die zuständigen Behörde zu vergewissern, „dass dieser im Rückkehrstaat einem Mitglied seiner Familie, einer zur Personensorge berechtigten Person oder einer geeigneten Aufnahmeeinrichtung übergeben wird“, teilte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage mit.

Das Regierungspräsidium Gießen gab an, das mazedonische Innenministerium habe zugesagt, dass die erforderliche Betreuung des Jungen durch das Jugendamt sachkundig sichergestellt sei, das wiederum in Kontakt mit dem Vater stehe.

Traumatisiertes Kind

Aleks Mutter starb, als er vier Jahre alt war, an ihrer Drogensucht. Er sei damals neben der toten Mutter im Bett aufgewacht, berichtete Schulze-Janzing.

Der traumatisierte Junge war nach der Erstaufnahme zunächst in die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marburg gekommen. Seine Großmutter wurde bereits vor der Abschiebung in Alsfeld ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Geschäftsführer des hessischen Flüchtlingsrats, Timmo Scherenberg, sagte, das Verhalten der Zentralen Ausländerbehörde im Regierungspräsidium Gießen mache ihn „fassungslos“. Das Kindeswohl, welches Behörden zwingend bei jeder Entscheidung zu berücksichtigen hätten, werde hier „völlig ignoriert“. Scherenberg forderte, dass es keine Abschiebung von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen mehr geben dürfe. Das Innenministerium konnte keine Auskunft darüber geben, wie häufig unbegleitete Minderjährige abgeschoben werden. Darüber werde keine Statistik geführt, teilte es mit.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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