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AfD-Aussteiger „Eine Partei, die das Land spaltet“

Heiko Leimbach war bis vor wenigen Monaten Kreissprecher der AfD im Landkreis Fulda. Nun ist er aus der Partei ausgetreten. Im FR-Interview erhebt er schwere Vorwürfe gegen die AfD.

AfD
Nie wieder Höcke – das Motto, das hier bei einer Anti-AfD-Demo in Köln zu lesen war, beschreibt auch die Gründe für Heiko Leimbachs Austritt ganz gut. Foto: rtr

Heiko Leimbach war seit Ende 2016 im AfD-Kreisverband Fulda aktiv. Im Dezember 2017 wurde er zum Kreissprecher gewählt. Bereits Mitte Januar 2018 legte er sein Amt wieder nieder. Anfang August schließlich trat er aus der Partei aus.

Herr Leimbach, Sie waren lange Zeit in der AfD in Fulda aktiv, hatten es zwischenzeitlich zum Kreissprecher gebracht. Jetzt treten Sie aus der Partei aus. Warum?
Ich kann den Kurs der AfD Fulda nicht mehr mittragen. Das hatte schon länger zu Differenzen im Vorstand geführt - insbesondere mit dem jetzigen Kreissprecher Dietmar Vey. Ich wollte weg von der Fixierung auf das Thema Flüchtlinge. Ich wollte der Bevölkerung zeigen, dass wir ein Programm haben, das auch andere Themen umfasst. Das war mit dem Vorstand der AfD in Fulda aber nicht möglich. Zudem zeichnet sich ab, dass der Kreisverband immer weiter nach rechtsaußen rückt. Da wird über ein Zusammengehen mit den „Republikanern“ nachgedacht, da gibt es Sympathien für die „Identitäre Bewegung“. Kurz nach meinem Rücktritt als Kreissprecher im Januar hat der Kreisvorstand Björn Höcke besucht. Daher weht der Wind.

Nun befindet sich die gesamte AfD nicht erst seit Ende letzten Jahres auf dem Weg nach rechtsaußen …
Das habe ich so nicht empfunden. Als ich zur AfD in Fulda kam, gab es da noch einen Kreissprecher Hermann Krauß, den ich als sehr vernünftigen Mann erlebt habe. Ein Alt-CDUler, mit dem ich viele Positionen geteilt habe. Kein Mann dumpfer Parolen. Davon gibt es noch ein paar andere in der AfD Fulda. Aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass viele Mitglieder wesentlich radikalere Ansichten vertreten.

Hätten Sie das nicht auch früher merken können?
Es war ein langer Prozess bei mir. Zu lange, sage ich heute. Ich habe zu lange zugeschaut. Zwischendurch hatte mir Hoffnung gegeben, dass ein Ausschlussverfahren gegen Höcke angestrengt wurde. Aber das hat sich ja auch erledigt.

Wann ist Ihnen endgültig bewusst geworden, dass sich die Partei immer weiter radikalisiert?
Ich hatte schon Ende letzten Jahres arge Zweifel. Aber ich wurde von anderen Mitgliedern ermutigt, mich als Kreissprecher aufstellen zu lassen. Da könne man doch was ändern, hieß es. Ein Trugschluss. Die Tendenz der Partei ist klar. Das habe ich schon am Tag meiner Wahl gemerkt, als ich gefragt wurde, wie ich denn zu den „Republikanern“ stünde.

In einem Schreiben an mehrere Medien sprechen Sie davon, sich zu schämen, dass Sie AfD-Mitglied waren. Haben Sie das Gefühl, an etwas Falschem mitgewirkt zu haben?
Ja. Weil ich selbst dazu beigetragen habe, dass Formate wie die Stammtische hier in Fulda erfolgreich wurden. Das verstehen übrigens viele nicht. Die AfD ist in Deutschland die Partei, die am erfolgreichsten auf Leute zugeht und ihnen das Gefühl gibt, ihre Ansichten sind willkommen. „Bei uns seid ihr keine Nazis“, heißt es bei solchen Veranstaltungen dann.

Jens Mierdel, Spitzenkandidat der AfD für den Landtagswahlkreis Fulda I, war - wie schon länger bekannt - Aktivist der „Identitären Bewegung“. War das im Kreisverband eigentlich Thema?
Es war immer ein Thema. Das hat zum Beispiel dem alten Kreissprecher Krauß nicht gepasst. Das gab ordentlich Reibung.

Seiner Karriere in der Partei scheinen die Kontakte zu Rechtsextremen nicht geschadet zu haben …
Wäre ich Kreissprecher geblieben, hätte dieser Mann nie eine Plattform bekommen. Aber seit Dietmar Vey Kreissprecher wurde, haben die beiden Spitzenkandidaten Jens Mierdel und Pierre Lamelly alle Freiheiten.

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