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Landesmuseum Wiesbaden Kunstsammlung geschenkt

Eine Ausstellung zeigt Werke, die Frank Brabant dem Landesmuseum in Wiesbaden vermacht.

Ausstellung „Von Beckmann bis Jawlensky“
Frank Brabant hat viel Kunst an der Wand. Foto: Rolf Oeser

Er sei ja froh, dass in seiner Wohnung wieder Platz sei, damit er sich neue Kunstwerke kaufen könne, erzählt Frank Brabant bei der Ausstellungseröffnung seiner Werke im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden. 130 Stücke sind bis September nicht bei ihm zu Hause, sondern öffentlich zu bewundern. Dass in seinen Privaträumen tatsächlich kein Platz für Neuerwerbungen ist, ist auch in der Ausstellung zu sehen.

Eine riesige Fotografie und ein Film zeigen, dass an seinen Wänden Kunstwerk neben Kunstwerk hängt. Werke von Otto Dix, Wassily Kandinski, Käthe Kollwitz und etliche mehr. Es gibt kein leeres Fleckchen. Brabants Sammlung umfasst 600 Werke im Gesamtwert von 20 bis 40 Millionen Euro.

Der 80-Jährige, der in Schwerin aufwuchs und seit 60 Jahren in Wiesbaden lebt, verfügte 2017, dass die Arbeiten nach seinem Tod dem Museum Wiesbaden und dem Staatlichen Museum Schwerin in einer Stiftung überlassen werden.

 

Die beiden Museen haben seitdem vorgreifend die Sammlung geschwisterlich unter sich aufgeteilt, wie der Wiesbadener Kurator Roman Zieglgänsberger berichtet. Aber noch sieht Brabant munter aus. Die Ausstellung soll nur einen Vorgeschmack liefern, nach Ausstellungsende wandern die Bilder wieder in Brabants Wohnung zurück. Einzelstücke sollen jedoch immer mal wieder in Museen zu sehen sein, auch in Wiesbaden.

Sein erstes Kunstwerk kaufte Frank Brabant 1964 für 350 D-Mark. Bei einem Besuch in Frankfurt hatte er sich in die Kunstgalerie Hanna Becker vom Rath verirrt, Häppchen gegessen und sich danach verpflichtet gefühlt, etwas zu kaufen.

Der damals 26-Jährige erwarb einen Holzschnitt von Max Pechstein; die Summe stotterte er in Monatsraten ab. Als Versicherungsangestellter habe er gerade 300 Mark verdient, erzählt er. Doch mit dem Holzschnitt hatte Brabant seine Leidenschaft entdeckt. Fortan sammelte er Kunst, insbesondere die der Künstlervereinigungen „Die Brücke“ und „Der Blaue Reiter“.

Seine für einen Volkswagen gedachten Ersparnisse gab er dann für ein Aquarell von Ernst Ludwig Kirchner aus. Da er nicht viel Geld hatte, nahm er das, was bei Auktionen „liegen blieb“. Brabant eignete sich Wissen an und entwickelte ein Kennerauge, und er erkannte, dass viele Künstler nicht berühmt, ihre Arbeiten aber von hoher Qualität seien. Was heute als „Verschollene Generation“ entdeckt wird – Kunst von César Klein, Siegfried Bernd und Curt Eisenhart - kaufte er in den 1960er und 1970er Jahren für kleines Geld auf. „Brabant hat ein untrügliches Gespür für Qualität“, bestätigt Zieglgänsberger. 

1969 eröffnet Brabant die legendäre Homosexuellen-Discothek Pussycat in Wiesbaden, die erste Schwulendisco im Rhein-Main-Gebiet, wie er sagt. „Ich erhielt Morddrohungen und wurde zweimal zusammengeschlagen“, erzählt er. Erst als es ihm gelang, Gäste wie Udo Jürgens, Donna Summer und Katja Ebstein zu gewinnen, etablierte sich das Lokal, das er bis in die späten 1980er Jahre hielt. 

Dem Museum Wiesbaden ist Frank Brabant in vielfältiger Weise verbunden. Bereits 2010 wurden Teile seiner Sammlung ausgestellt, 2014 schenkte er dem Museum das Bild „Helene im spanischen Kostüm“ von Alexej von Jawlensky. „Die Sammlung Brabant passt außergewöhnlich gut in unser Haus“, sagt Museumsleiter Alexander Klar. Einen Schwerpunkt bildet expressionistische Kunst.

Die Sammlung Brabant ist die dritte innerhalb kurzer Zeit, die Wiesbaden zugute kommt. Ferdinand Wolfgang Neess vermachte im vorigen Jahr seine wertvolle Jugendstilsammlung dem Landesmuseum. Reinhard Ernst möchte auf eigene Kosten ein Museum in der Wilhelmstraße bauen, um dort seine Sammlung abstrakter Kunst zu zeigen. 

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