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Lärm Güterzüge sollen leiser werden

Bahn, Regionalverband und Politik wollen die Akzeptanz des Schienenverkehrs steigern. Die Bahn verspricht „mehr Offenheit“ bei künftigen Streckenausbauvorhaben. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) will Druck bei Lärmminderung machen.

Im Rheintal ist die Situation besonders schlimm. Bis 2020 will die Deutsche Bahn den Lärm der Güterzüge halbieren. Foto: Marius Becker/dpa

Güterverkehr ist umweltfreundlich. Deshalb soll er wachsen. Doch er hat ein Akzeptanzproblem. Beispiel dafür sind die jahrelangen Proteste im Mittelrheintal oder der Widerstand gegen den vierspurigen Ausbau der Main-Weser-Strecke von Frankfurt nach Friedberg.

Tag und Nacht rumpelnde Waggons vor seiner Haustür – das mag keiner gerne. Das haben die Teilnehmer der regionalen Austauschplattform im Hinterkopf, die am Mittwoch in Frankfurt darüber diskutierten, wie sie mehr Güter auf die Schienen bringen und damit auch die Straßen entlasten können. Denn der Markt wächst europaweit rasant.

Ein Trend mit Folgen für die Menschen, die an Bahnstrecken wohnen: „Das Lärmthema ist ein ganz zentrales“, sagt Jörg Sandvoß, der bei DB Netz dem Bereich Vertrieb und Fahrplan vorsteht. Bei künftigen Streckenausbauvorhaben verspricht er „mehr Offenheit“ gegenüber der Öffentlichkeit. „Wir müssen die Bürger deutlich besser einbinden.“

Etwa so wie derzeit in der Diskussion um die beste Ausbauvariante auf der Kinzigtalstrecke. Gemeint ist damit die Verbindung zwischen Fulda und Frankfurt. Mit der Strecke Frankfurt-Mannheim sei sie der größte Engpass im bundesdeutschen Schienennetz, sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der das nicht länger hinnehmen möchte. „Da muss mehr Tempo rein“, fordert er und stellt infrage, ob der Bund sein Geld an der richtigen Stellen investiert. Hessen sei der zentrale Knoten, durch den die meisten Züge rollten. „Wir brauchen mehr Investitionen in die Infrastruktur“, sagt Al-Wazir. Das Land selbst werde sich „mit bescheidenen Mitteln“ beim Bau neuer Gleisanschlüsse und Verladestellen engagieren, um den Güterverkehr zu fördern. Aber auch bezüglich der Lärmminderung werde er den Druck aufrecht erhalten, kündigte Al-Wazir an.

Wasserwege integrieren

Sandvoß zufolge sollen die Güterzüge der DB 2020 nur noch halb so laut sein, wie im Jahr 2000 – dank der genannten Flüsterbremsen. Diese neue Technik raut nicht mehr Schiene und Räder auf. „Der Krach entspricht dann dem eines Nahverkehrszugs.“ Sandvoß sieht zudem eine „Trendwende“ bei den großen Logistikern. Die legten inzwischen wieder Wert auf einen eigenen Gleisanschluss. Kleine Unternehmen könnten in „multimodalen Terminals“ ihre Güter umschlagen. Im Idealfall sei auch der Wasserweg in die Transportkette integriert, sagt Al-Wazir. So wie in den drei „Trimodalports“ im Frankfurter Osthafen, bei Infraserv Höchst und im Hafen von Gernsheim am Rhein.

Auch der Regionalverband Frankfurt Rhein-Main hat sich die Förderung des Schienen-Güterverkehrs auf die Fahnen geschrieben. „Schon jetzt sind die Straßen in unserem Ballungsraum häufig überlastet“, sagt die erste Beigeordnete Birgit Simon (Grüne). Der Verband hat eine Online-Transportbörse initiiert, um den Auslastungsgrad der Güterzüge zu verbessern. Derzeit liege er bei gerade einmal 40 Prozent. Das müsse sich deutlich erhöhen.

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