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Kunstansichten Offenbach Wimmelnde Einzeller

Eine Stadt macht auf Kunst – 44 Standorte, 120 Künstler, das sind Zahlen, mit denen Offenbach am Wochenende Besucher lockt. Die Kunstansichten geben einen Überblick über die Arbeit der Kunstschaffenden in der Stadt. Michelle Concepción öffnet erstmals ihr Atelier.

Michelle Concepción macht zum ersten Mal mit. Foto: Schüler

Eine Stadt macht auf Kunst – 44 Standorte, 120 Künstler, das sind Zahlen, mit denen Offenbach am Wochenende Besucher lockt. Die Kunstansichten geben einen Überblick über die Arbeit der Kunstschaffenden in der Stadt. Michelle Concepción öffnet erstmals ihr Atelier.

Scheint die Sonne, ist für Michelle Concepcion Arbeiten angesagt. Die Künstlerin bevorzugt eine geringe Luftfeuchtigkeit. Dann verdunstet die mit viel Wasser verdünnte Acrylfarbe schneller, und sie kann rasch die unterschiedlichen Farbschichten auf die großen, oft mehrere Meter langen und breiten Leinwände auftragen.

Die orangefarbenen, blauen, roten, grünen Farbkleckse bringt sie in amorphen Formen an. Sie erinnern an Auberginen oder Einzeller. Übereinander, nebeneinander, sich überlappend schwirren sie herum. Solange die Farbe noch feucht ist, hebt sie die auf dem Boden liegende Leinwand an einer Ecke leicht an, so dass die Farbe langsam fließt und innerhalb der Auberginen-Einzeller eine unregelmäßige Struktur hinterlässt. So wirkt sie mitunter wie die von Orangenschalen. Auf manchen Werken dürfen sich Rinnsale bilden.

Geplant bis in jedes Detail

„Das sieht aus wie Intuition, ist aber genau geplant“, sagt Michelle Concepción. Die Grundierung der Leinwand, die vielen Farbschichten, die Lackierung zum Schluss – jeden Arbeitsschritt führt sie bis ins kleinste Detail sorgfältig, ja perfektionistisch aus. „Ziel ist das absolute Gleichgewicht, alles muss stimmen“, sagt sie und verweist auf ein Bild in der Ecke, das ihrer Meinung nach noch nicht stimmt. Es ist nicht nur noch der weiße Untergrund zu sehen, auch die Auberginen-Einzeller sind noch zu wenige. Bei ihr muss es nur so wimmeln davon.

Michelle Concepción öffnet ihr Atelier das erste Mal für die Offenbacher Kunstansichten. Das liegt daran, dass sie ein internationales Leben führt. Geboren wird sie 1970 in Puerto Rico, aufgewachsen ist sie in Miami/USA. Sie studiert in Chicago und Barcelona. Die Liebe zieht sie 1993 nach Offenbach. Sie bereut es nicht. Zwischen 1998 bis 2004 pendelt sie zwischen Barcelona und Offenbach, lebt und malt hier und dort. Ihre Werke werden noch jetzt in Galerien in Miami, Barcelona und Frankfurt verkauft.

Concepcións lateinamerikanische Wurzeln sind in den Arbeiten sichtbar. Das Gewusel an Formen - für Concepcion sind es Sterne, Wolken, Gras, Wellen, Gebilde aus der Natur, die sie verfremdet, eben die wunderbare Wirklichkeit, ein Begriff, der die Literatur eines Gabriel García Marquez bezeichnet.

„Ihre Arbeiten auf Leinwand werden aus mehreren Schichten aufgebaut, und von daher rührt die Qualität der Transparenz ihrer Erscheinungsweise, aber es entsteht gleichzeitig visuelle Tiefe“, schreibt Gerhard Charles Rump, ehemaliger Redakteur für den Kunstmarkt der Zeitung Die Welt. Concepción schafft sich in ihren Werken ihren Mikro- und Makrokosmos. Auf Kleinformaten von 15 mal 15 Zentimetern hat sie auf schwarzem Untergrund geheimnisvolle Gewebe mit unterschiedlichen Techniken verewigt. Mal sind es Fäden, Perlen an einer Kette, Schneeflocken oder Kreise. Anders als die großformatigen Motive wirken sie zart, zerbrechlich, ätherisch, ein bisschen meditativ.

Alle Formen aus der Natur

Inspiriert wird sie dafür von laparoskopischen Fotografien, Aufnahmen von Gewebeproben nach Operationen, Aufnahmen aus hoher Höhe auf die Erde oder vom ewigen Eis der Antarktis. Die Motive schauen uns an wie durch ein Mikroskop. „Alle Formen gibt es schon, nur viel intensiver, perfekter“, sagt Michelle Concepción, „das macht mich demütig, aber ich muss meine Sachen machen, das ist meine Leidenschaft.“ Rump meint, mal bunte Kiesel an fernen Gestaden zu erkennen, mal den Himmel, auf jeden Fall eine eigene Welt, die einem Objekt unterschiedliche Aspekte verleiht.

Als junge Künstlerin malt Concepcion gegenständlich, bunt, surrealistisch. Sie ist begeistert von den deutschen Expressionisten. Auf den Kopf gestellt wird ihr Schaffen, als sie die abstrakten Bilder von Gerhard Richter und Mark Rothko entdeckt. „Ich war emotional sehr betroffen, so etwas ist mir noch nie passiert“, erzählt sie. Seitdem arbeitet sie besessen an ihren amorphen Strukturen, in großen, kleinen und mittleren Formaten, bunt oder schwarz-weiß, Auberginen-Einzeller, Schlagen, Monde und alles, was die Welt an Formen hergibt. Am liebsten bei Sonnenschein.

Michelle Concepcion, MOMArt-Ateliers, Ludwigstraße 6, Hinterhof, Offenbach

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