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Kunst im Günthersburgpark Denkmal der Arbeit ist verschwunden

Ein Krankheitsfall im Nordend: Der Sämann hat Risse an Armen und Beinen und Rost an den Eisennägeln, die ihn auf seinem Sockel halten. Deshalb ist die Bronzeplastik jetzt in der Werkstatt. Von Danijel Majic

Am Eingang des Günthersburgparks Hartmann-Ibach/ Eckeuntere Wetteraustraße fehlt die eiseren Statue. Es bleibt das rote Grafiti-"Sei frei ... immer". Foto: FR/Boeckheler

Der Sämann hat sich vom Acker gemacht. Heimlich, still und leise, so dass es fast niemand bemerkt hätte. Vereinsamt steht noch sein Sockel, an dem irgendjemand vor einigen Jahren die Beschriftung "Sei frei. Immer!" im Günthersburgpark angebracht hat. Doch vom Sämann, jenem "Denkmal der Arbeit" des belgischen Künstlers Constantin Meunier, das seit 1915 den Park im Frankfurter Nordend schmückt, fehlt seit Wochen jede Spur. Fast als hätte sich der alte Bronzemann die Parole zu seinen Füßen doch noch zu Herzen und die Beine in die Hand genommen.

Die Wirtschaftskrise wird man nicht dafür verantwortlich machen können, auch nicht die fallenden Milchpreise. Wind, Wetter und Materialerschöpfung haben dem alten Landarbeiter zugesetzt. Ein großer Riss am Arm, ein weiterer am Fuß, Rost an den Eisennägeln, die den Sämann auf seinem Sockel halten sollen. Alles in allem eine beeindruckende Krankenakte, selbst für eine 109-jährige Bronzeplastik. "Das Material war an einigen Stellen so defekt, dass wir schon befürchtet haben, es nicht mehr reparieren zu können", berichtet Susanne Kujer vom Frankfurter Kulturamt. Vor vier Wochen fiel dann die Entscheidung: Der Sämann wird in die wohlverdiente Kur geschickt - nach Eschenburg.

"Der Patient ist wohlauf", versichert Kunstgießer Rüdiger Weinelt. Alles in allem habe der Sämann zwar keine gravierenden Schäden, die Ausbesserung sei aber dennoch dringend nötig. Ein Urteil dem man wohl vertrauen kann, schließlich sind Weinelt und seine Firma "Kunstguss Eschenburg" in Frankfurt keine Unbekannten. Sein Team und er haben auch schon das Schillerdenkmal und den Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg auf Vordermann gebracht. Jetzt wollen sie dem Sämann wieder auf die Beine helfen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Oberfläche soll witterungsbeständiger werden

Neben der Ausbesserung der Risse, stehen auch die Reinigung und Neupatinierung der Bronzehaut auf dem Programm. Die gesamte Oberfläche des Denkmals soll mit Wachs versiegelt und so witterungsbeständiger gemacht werden. Schließlich wollen die Restauratoren für eine sichere Verankerung auf dem verwaisten Sockel sorgen und "die billigen Eisenschrauben", wie Weinelt sagt, ersetzen.

Seit vier Wochen schon befindet sich der Sämann "in Kur". Bis Anfang Juni könnten die Arbeiten abgeschlossen sein, glaubt der Restaurator. Wann genau jedoch das Kunstwerk wieder aufgestellt wird, hat das Denkmalamt noch nicht entschieden. Auch über die Kosten der Restaurierung war bis Redaktionsschluss nichts in Erfahrung zu bringen. Fest steht eins: Sobald der Sämann wieder seinen angestammten Platz eingenommen hat, wird die andere große Plastik im Günthersburgpark, der aus Kupferblech gefertigte Stier von Fritz Boehle, für eine Weile verschwinden. Auch hier sind Ausbesserungsarbeiten notwendig. "Der Stier hat nämlich ein ziemlich großes Loch im Bauch", erklärt Susanne Kujer.

Der Sämann wird den Park also eine Weile für sich haben. Bald schon kann er von seinem Sockel aus wieder die Blicke über die Besucher schweifen lassen. Nicht wirklich frei, aber gesund.

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