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Kunst "Gold ist nicht irdisch, Silber schon"

Welch ein sagenhaftes Privileg, ein Leben lang in Gold zu schauen!" Rita Grosse-Ruyken ist sich ihrer Sonderstellung bewusst. Seit Mittwoch kann im

18.06.2009 00:06
Mia Beck

Welch ein sagenhaftes Privileg, ein Leben lang in Gold zu schauen!" Rita Grosse-Ruyken ist sich ihrer Sonderstellung bewusst. Seit Mittwoch kann im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst in der Ausstellung "Rays of Light" ihr gesamtes bildnerisches Oeuvre betrachtet werden - weltweit erstmalig vereint unter einem Dach.

Um zu begreifen, warum dies etwas Besonderes ist, muss man die Werke mit eigenen Augen sehen, denn Vergleiche lassen sich nur schwerlich ziehen. Grosse-Ruyken arbeitet ausschließlich mit den klassischen Materialien der Goldschmiedekunst - mit reinem Silber und reinem Gold. Der Unterschied nach Ansicht der Künstlerin: "Gold ist nicht irdisch, Silber schon." Ihre Formensprache ist stark an archetypischer Symbolik (Ritualschale, Spirale) orientiert. Im Prozess der Materialverarbeitung aber verlieren die Objekte ihre Funktionalität: Die Künstlerin hat eine Technik entwickelt, ihr Arbeitsmaterial derart dünn auszuhämmern, dass am Ende Kunstobjekte von großer Zartheit entstehen.

Ihre aus einem Stück geschmiedeten Gefäße, Herzstücke der Ausstellung, sind so dünnwandig, dass sie in einem Windhauch zu zerbrechen drohen. Die Körperspannung der Objekte variiert stark: Neben fast durchsichtig erscheinenden Objekten gibt es solche mit streng geometrischen Formen und scharfen, klaren Rändern.

Höhepunkt im Erdgeschoss: die spirituelle "Silberlichtschalen"-Installation, bei der die fragilen Werke Körpern gleich den Raum dominieren und einen Gegenpol bilden zur winzigen Kugel in der Raummitte - einem Symbol für die Seele. Offensichtlich ist dies ein Ort der Kontemplation, weshalb auch nur jeweils zwei Besucher gleichzeitig diesen Ausstellungsraum betreten dürfen.

Vorgesehen ist, dass sich die Besucher erst um die mit weißem, lichtdurchlässigem Stoff abgetrennten Zentren der Ausstellung herum bewegen sollen. Auf dem Weg dorthin sind frühe Werke der Künstlerin zu sehen wie Schmuckobjekte und Naturstudien. Hier harmonieren die weißen Innenräume des Richard-Meier-Baus gut mit dem kontrastarmen Silbermaterial und lassen im oberen Geschoss das dort dominierende Gold noch mehr glänzen.

Die Erscheinung der 1948 geborenen Künstlerin mit ihrem weißen, bodenlangen Gewand, den zu einem Turban aufgetürmten Haaren und der Schlangenledertasche, in der sie ihre Pumps umherträgt, ist ein Teil der Inszenierung. Auch das Publikum darf Teile der Ausstellung nur in Filzpantoffeln betreten, denn durch Stille und inszenierte Ur-Klänge soll die Spiritualität des Raumes erhöht werden.

Für die Ausstellung wurden die Innenräume des Museums umgebaut. Rita Grosse-Ruyken habe gleich einer Regisseurin die Ausstellungsfläche neu definiert, erläuterte Direktor Ulrich Schneider. Besuchern bietet sich in den kommenden Monaten dreimal die Gelegenheit, im Rahmen einer Performance einen Eindruck vom Schaffen der Künstlerin zu bekommen. Die Performance "Jeder Mensch ist KönigIn - der Trunk aus der goldenen Schale, ein vergessener Quell" beginnt am 19. Juli, 16. August und 13. September jeweils um 15 Uhr.

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