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Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main Zusammenhalt statt Egoismus

Vor zehn Jahren bildete sich der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Heute wird der Naxoshalle gefeiert.

Saalburg
Die Theatergruppe Mobile Albania auf der Saalburg im Rahmen des „Transit“-Schwerpunkts. Foto: Michael Schick

Wenn Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), am heutigen Mittwochabend in der Frankfurter Naxoshalle ans Rednerpult tritt, will er über eine Erfolgsgeschichte sprechen. Vor zehn Jahren fanden sich fünf Partner zu einer bis dahin einmaligen Zusammenarbeit zusammen. Das Land Hessen, die Städte Frankfurt und Darmstadt sowie der Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis gründeten den Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main.

Die Kernstadt und die Region wollten in Sachen Kultur endlich mit einer Stimme sprechen, in einem Europa, das immer mehr von der Konkurrenz der Regionen bestimmt wird. Die Grundregel des Kulturfonds ist einleuchtend und einfach zugleich: Alle Mitglieder bis auf das Land zahlen pro Einwohner zwei Euro im Jahr – das Land Hessen verdoppelt die Summe dann.

Da alle Gebietskörperschaften der Region derzeit wachsen, steht dem Kulturfonds auch immer mehr Geld zur Verfügung. In zehn Jahren kamen auf diese Weise mehr als 50 Millionen Euro zusammen. Genau 487 Projekte konnten im zurückliegenden Jahrzehnt gefördert werden. 

Schon der erste Geschäftsführer des Kulturfonds, der frühere langjährige Städel-Direktor Herbert Beck, erwies sich als ein Glücksgriff. Ihm gelang es, mit seinen Erfahrungen und seinen vielfältigen Verbindungen die Konflikte innerhalb des Verbundes im Zaum zu halten. 2012 kam Wiesbaden als weiterer Gesellschafter hinzu, 2013 trat Hanau bei. Offenbach und Bad Vilbel sind heute außerdem Kooperationspartner des Fonds.

Von Anfang an war es auch klug, sich auf Schwerpunktthemen zu verständigen, die für jeweils zwei bis drei Jahre die Kräfte des Fonds bündelten. Das begann in den Jahren 2009 bis 2012 mit „Phänomen Expressionismus“ – und damit mit Künstlern wie Ernst-Ludwig Kirchner, Paul Hindemith oder Hanna Bekker vom Rath.

Von 2012 bis 2015 folgte der Schwerpunkt „Impuls Romantik“ – auch hier konnte die Rhein-Main-Region einschließlich des Rheingaus auf vielfältige Wurzeln verweisen. Literatur, Bildende Kunst, Musik und die Landschaftsgärten waren wichtige Themenschwerpunkte.

Mit dem Goethemuseum und dem Freien Deutschen Hochstift konnte Frankfurt die vielleicht wichtigste Sammlung zur Romantik in die Waagschale werfen, die auch Basis des Deutschen Romantikmuseums werden wird. Es soll im Jahre 2020 am Großen Hirschgraben in Frankfurt eröffnet werden.

Frankfurt will mehr Geld

Seit 2018 läuft der Themenschwerpunkt „Transit“ des Kulturfonds, der die Rhein-Main-Region als Durchgangsraum zum Thema hat - für Menschen, Waren, Geld, Gedanken. „Transit“ endet offiziell mit dem heutigen Jubiläumstag. In Kürze will der Kulturfonds über das Thema der kommenden zwei bis drei Jahre entscheiden.

Seit 1. August 2013 hat der frühere Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller die Geschäftsführung übernommen.

„An die Stelle des lokalen Kirchturmdenkens“ in der Region sei ein kultureller Zusammenhalt getreten – das sieht Minister Rhein als wichtigstes Verdienst des Kulturfonds an. Die erfolgreiche Strategie der Organisation solle fortgesetzt werden.

Rhein betont, dass der Kulturfonds „Leuchtturmprojekte von internationaler Spitzenqualität“ ebenso ermöglicht habe wie „kleinere, experimentelle Kunstaktionen“.

Der Minister beschreibt es auch als Ziel des Fonds, die Finanzierung beim Kulturangebot in der Region besser zu verteilen. Früher habe die Hauptlast hier bei der Stadt Frankfurt gelegen.

Die Frankfurter Stadtregierung beklagt dagegen, dass dies auch immer noch so sei. Sie fordert seit geraumer Zeit vom Land Hessen eine stärkere finanzielle Beteiligung an großen Frankfurter Kulturinstitutionen.

So müssten zum Beispiel die Städtischen Bühnen vom Land besser unterstützt und in den Rang eines Hessischen Staatstheaters erhoben werden – wie das in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel schon seit vielen Jahren der Fall ist.

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