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Kronberg Tiere im Opel-Zoo bekommen Lagerkoller

Nach einem Fall von Vogelgrippe gelten im Opel-Zoo strenge Auflagen, viele Tiere müssen in ihren Stallungen bleiben. Ein Nachtest soll nun für Klarheit sorgen.

Schutzzäune schirmen die Vogelgehege ab, mit einem Brief informiert der Zoo seine Besucher. Foto: Rolf Oeser

Elisa ist enttäuscht. „Wo sind denn die Pinguine?“, fragt sie ihre Mutter und starrt auf die grüne Schutzwand vor der Anlage, die erst im vergangenen Jahr eröffnet worden ist. „Die sind im Urlaub“, sagt Christine Alex. Mit komplizierten Erklärungen zur Vogelgrippe und deren Folgen wie Schutzzonen und Aufstallpflicht möchte sie ihre zweieinhalb Jahre alte Tochter nicht behelligen. Zumal sich deren Interesse schnell auf das nur wenige Meter entfernte Giraffenhaus verlagert hat. „Es gibt ja genug anderes zu sehen“, findet Christine Alex und folgt der Kleinen.

Ähnlich gelassen hätten bislang auch die übrigen Besucher auf die vogelfreie Zeit im Opel-Zoo reagiert, versichert der stellvertretende Direktor Martin Becker. Viele hätten Verständnis für die Situation. „Geschimpft hat überhaupt niemand.“ Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass der Zoo die Eintrittspreise vorübergehend gesenkt hat.

Nicht alle Vögel unsichtbar

Ende November hatte ein toter Pelikan dafür gesorgt, dass das Freigehege erstmals in seiner 60-jährigen Geschichte mehrere Tage hintereinander schließen musste. Bei dem Tier war das hochansteckende Vogelgrippevirus H5N8 gefunden worden.

Nachdem ein Test der 600 anderen Zoo-Vögel ohne weiteren Befund geblieben war, durfte der Opel-Zoo wieder öffnen. Allerdings gelten seitdem strenge Auflagen: Viele Vögel müssen in den Stallungen bleiben, bei anderen sind die Volieren abgehängt oder der Zugang zu ihren Gehegen ist gesperrt.

So ist die große Freiflug-Anlage komplett verwaist, mit Ausnahme der Sperlinge und Rotkehlchen, die aus dem umliegenden Wald zu Besuch kommen. Überrascht seien viele Menschen, dass auch die Pinguine nicht zu sehen sind, schildert Martin Becker. „Die sagen dann: Das sind doch gar keine echten Vögel.“ Sind sie aber doch – und deshalb genauso gefährdet, sich mit dem Virus H5N8 zu infizieren wie Gänse oder Enten.

Allerdings sind nicht alle Vogelarten für die Besucher unsichtbar: Flamingos oder Papageien können durch Glasscheiben beobachtet werden, Eulen und Raben aus einiger Entfernung in ihren nach oben abgedeckten Volieren.

Ärgerlich seien die Auflagen nicht nur für die Besucher, erklärt Martin Becker, sondern in erster Linie für die Tiere selbst. So litten einige nach mehreren Wochen im Stall unter einer Art Lagerkoller. Folge: „Stress und Klopperei“.

Deshalb hofft der stellvertretende Zoo-Leiter, dass ein für diese Woche geplanter Nachtest ebenfalls ohne neuen Vogelgrippe-Befund bleibt. Dann könnten die härtesten Auflagen wegfallen. An die Stallpflicht, die für ganz Hessen gilt, müsste sich aber auch der Opel-Zoo weiter halten.

Wobei Becker den Aufsichtsbehörden nicht böse ist. „Sie sind sehr fair mit uns umgegangen.“ Schließlich hätte der Zoo im schlimmsten Fall alle Vögel töten müssen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat jedoch eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Das ist für Zoos möglich, wenn eine Weiterverbreitung der Tierseuche nicht zu befürchten ist.

Die wirtschaftlichen Folgen für den Zoo seien zwar spürbar, sagt Martin Becker. „Aber sie haben uns nicht ins Mark getroffen.“ Zumal das Wetter für ein wenig Ausgleich gesorgt hat. Der Sonnenschein während der vergangenen Ferienwoche habe viele Eltern mit Kindern angelockt. „Das tut uns echt gut“, sagt Becker.

Wohl nicht endgültig zu klären ist, wie sich der verstorbene Rosapelikan mit dem H5N8-Virus angesteckt hat. Zumal die Krankheit zuvor weltweit noch bei keinem anderen Pelikan festgestellt worden war.

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