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Kronberg Opel-Zoo plant weitere Großprojekte

Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos bei Kronberg, spricht im FR-Interview über die nächsten Großprojekte, die Vogelgrippe und die eingestürzte Restaurant-Terrasse.

Opel Zoo bei Kronberg
Die Afrikanischen Elefanten sind die große Attraktion im Opel-Zoo. Foto: Renate Hoyer

Herr Kauffels, wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Jahr im Opel-Zoo?
Was die Besucherzahlen angeht, ist es bislang prima gelaufen. Im Frühjahr kamen deutlich mehr Menschen als im vergangenen Jahr. Allerdings könnte sich das jetzt mit den Arbeiten an der B455, die derzeit erneuert wird (und am Zoo vorbeiführt, Anm. der Redaktion), etwas abschwächen. Die Zufahrt aus Richtung Königstein ist aber gewährleistet.

Im Winter hatten Sie mit der Vogelgrippe zu kämpfen. Erstmals in seiner 60-jährigen Geschichte war der Opel-Zoo für drei Tage geschlossen, anschließend mussten die Vögel wochenlang abgeschirmt werden. Wie sehr hat das den Zoo belastet?
Die Stallpflicht war ein gewaltiger Aufwand für unsere Mitarbeiter und ein großer Stress für die Tiere. Dadurch haben wir nicht nur den erkrankten Pelikan verloren, sondern noch gut 30 weitere Tiere, vor allem kleine Enten. Inzwischen konnten wir aber bereits viele Enten nachzüchten. Und wir hatten noch Glück im Unglück. Denn die entsprechende Geflügelpest-Verordnung hätte auch hergegeben, den gesamten Vogelbestand töten zu lassen. In einem solchen Fall ist man als Zoo nicht mehr Herr des Verfahrens. Zum Glück haben die Absprachen mit den zuständigen Aufsichtsbehörden hervorragend geklappt. Hilfreich war da sicher, dass unsere Tierärztin einen solchen Fall schon einmal im Vorfeld mit den Behörden durchgespielt hatte.

Wie groß waren die Einnahme-Einbußen durch die Vogelgrippe?
Das kann man nicht genau beziffern. Zu dieser Jahreszeit haben wir aber in der Regel keinen großen Zuspruch. Wirtschaftlich war es in jedem Fall besser verkraftbar, als wenn es an Ostern passiert wäre.

Wissen Sie inzwischen, wie der verstorbene Pelikan sich angesteckt hat?
Nein. Das wird sich wohl auch nicht mehr genau klären lassen.

Was können Sie tun, um eine einen solchen Fall in Zukunft zu verhindern? Haben Sie bereits etwas geändert?
Nein. Es wird immer mal wieder Seuchen geben, mal ist es die Schweine-, mal die Geflügelpest. Wir mussten jetzt zum ersten Mal in unserer gesamten Geschichte den Zoo für ein paar Tage schließen, das wird man nicht verhindern können. Gegen Einnahmeausfälle in solchen Fällen gibt es zwar Versicherungen, doch die Prämien sind immens.

Für Aufregung sorgt weiterhin der Einsturz der Terrasse des Restaurants „Lodge“ vor zwei Jahren. Ein Ehepaar klagt auf Schadenersatz. Wie gehen Sie damit um?
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bedauere ich natürlich sehr. Aber ich sehe immer noch nicht, wie wir den Einsturz der Terrasse im Vorfeld hätten verhindern können. Wer die Verantwortung für den Schaden trägt, wird sich hoffentlich gerichtlich feststellen lassen. Schließlich sind wir als Hauseigentümer in Vorleistung getreten und haben die Terrasse neu errichten lassen.

Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?
Wir lassen nun alle ähnlichen Plätze im Zoo regelmäßig warten und begehen.

Viele Besucher vermissen die Flusspferde, seit die entsprechende Anlage vor zwei Jahren geschlossen wurde. Können Sie ihnen Hoffnung machen, dass sich in Sachen Neubau bald etwas tut?
Leider gibt das unser wirtschaftlicher Rahmen derzeit nicht her. Die neuesten Anlagen für Flusspferde in anderen Zoos haben zwischen 15 und 20 Millionen Euro gekostet. Wir haben 2013 für mehr als 13 Millionen Euro die neue Elefanten-Anlage eröffnet, die Anlage für die Brillenpinguine hat auch 1,3 Millionen gekostet. Das Geld dafür mussten wir zusätzlich zu unseren jährlichen Betriebskosten einnehmen. Da muss man auch mal eine Pause einlegen. 

Ist das Projekt damit endgültig gestorben?
Nein. Bis auf die Flusspferd-Anlage haben wir in den vergangenen Jahren den kompletten Zoo saniert. Deswegen ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir das nächste Großprojekt angehen. Aber das ist eine Sache, die gut vorbereitet sein muss.

Auch eine Anlage für Nashörner war im Gespräch…
Ja, das sind die zwei Großprojekte, die anliegen. Dass wir beide machen, davon gehe ich aus. In welcher Reihenfolge, ist noch offen. Wenn wir Glück haben, können wir sie in den nächsten fünf, sechs Jahren angehen.

Und bis dahin gibt es nichts Neues?
Doch. Allerdings geht es dabei um kleinere Vorhaben, die weitgehend unsere eigenen Handwerker erledigen können. In diesem Jahr haben wir bereits ein neues Gehege für die Nasenbären eröffnet. Geplant ist als nächstes eine Auffang- und Zuchtstation für Feldhamster. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Hochtaunuskreis. Ziel ist es, Jungtiere zu züchten,  um sie in Wiederansiedlungsprojekte zu geben. Ich hoffe, dass wir bald mit den Arbeiten beginnen können, zurzeit warten wir noch auf die Genehmigung.

Wie steht es um die bereits vorhandenen Zuchtprogramme?
Prima. Wir haben derzeit vier junge Störche, die bereits flügge sind. Die werden bald von alleine wegfliegen. Waldrappen und Habichtskäuze sind an Wiederansiedlungsprojekte gegangen. In der Afrika-Savanne sind sechs junge Impalas zu sehen, die sich sehr gut machen. Hinzu kommen Löffelhunde und sieben Mesopotamische Damhirsche.

Weniger gut läuft es seit Jahren mit den Bemühungen, den öffentlichen Philosophenweg, der mitten durch den Zoo führt, schließen zu lassen. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass das in absehbarer Zeit gelingt?
Mit den Verantwortlichen beider beteiligter Stadtverwaltungen in Kronberg und Königstein gibt es konstruktive Gespräche. Für uns bedeutet die bestehende Situation einen immensen Mehraufwand: Bei 550 000 Besuchern im Jahr sind das zum Beispiel 1,1 Millionen zusätzliche Kartenkontrollen. Aber zumindest ist es von der Terminologie schon einmal besser geworden: Inzwischen geht es nur noch um den verlängerten Philosophenweg. Der eigentliche Philosophenweg hört von Kronberg her kommend unterhalb des Zoos auf.

Ein weiteres Reizthema sind die Parkplätze. An guten Tagen ist die B455 rechts und links zugeparkt. Welche Möglichkeiten sehen Sie, Abhilfe zu schaffen?
Problematisch sind immer nur einzelne Tage. Zum Beispiel in diesem Jahr der Sonntag vor dem 1. Mai. Da hatten wir 7000 Besucher, weil für den Feiertag schlechtes Wetter vorhergesagt war. Am 1. Mai selbst sind dann nur noch 600 gekommen. Es ist eben die Frage, ob man das faktisch oder emotional bewertet. Wir haben extra ein Parkplatzgutachten erstellen lassen, das festgestellt hat, dass wir in den letzten 15 Jahren an 98 Prozent der Tage genügend Parkplätze hatten. Ich denke, das ist eine hervorragende Bilanz. Wir haben immerhin 1380 Stellplätze, alles unsere eigenen.

Eine FR-Leserin hat per E-Mail Kritik an Ihren Eintrittspreisen geübt. Für zwei Erwachsene und fünf Kinder sollte sie 63 Euro zahlen. Da hat sich die Familie den Zoo-Besuch dann gespart. Könnten Sie für solche Fälle nicht spezielle Familienkarten anbieten?
Wir müssen auch wirtschaftlich kalkulieren und jeden Euro, den wir ausgeben, selbst verdienen. Fast alle anderen großen Zoos in Deutschland sind hingegen in kommunaler Trägerschaft und erhalten öffentliche Zuschüsse. Unsere Jahreskarten kosten für Erwachsene 55 und für Kinder 30 Euro, wobei der Eintritt ab dem dritten gemeinsamen Kind frei ist. Das heißt: Eine Familie mit fünf Kindern zahlt 170 Euro und kann ein Jahr umsonst in den Zoo gehen. Ich finde, das ist ein gutes Angebot.

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