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Kronberg: Ex-Abs-Villa wird verkauft Wohnen wie ein Banker

Hermann Josef Abs war umstritten und einflussreich wie wenige Wirtschaftsführer. Nun steht seine ehemalige Villa im Taunusort Kronberg zum Verkauf. Der prominente Name Abs soll Kunden locken - er könnte sie aber auch abschrecken.

12.12.2010 16:07
Das ehemalige Anwesen von Hermann Josef Abs steht zum Verkauf. Foto: dpa

12,5 Millionen Euro schwer, 45 000 Quadratmeter groß - so stellt man sich das Anwesen eines Bankers vor. Eines Bankers wie Hermann Josef Abs (1901-1994) zumal, jahrelang Chef der Deutschen Bank und ohne Zweifel einer der einflussreichsten Vertreter seiner Zunft im 20. Jahrhundert („Was gut ist für die Deutsche Bank, das ist auch gut für die Bundesrepublik.“). Nun steht die einst von Abs bewohnte Villa im Taunusort Kronberg zum Verkauf.

„Das wohl exklusivste an diesem Anwesen ist das äußerlich Unscheinbare. Lediglich ein großes Tor ist von der Königsteiner Straße aus zu sehen. Wer dieses ... passiert, gelangt über eine sehr schöne Zuwegung direkt zu der imposanten Villa, die zu keiner Zeit „protzig“ wirkt“, wirbt der Immobilienmakler Engel & Völkers.

1936 erbaut, ging das Anwesen 1953 in Abs' Eigentum über, er nutzte es bis zu seinem Tod 1994. Gartensaal, Musikzimmer, Ankleidezimmer - 1200 Quadratmeter Wohnfläche insgesamt. Zudem gibt es - standesgemäß - je ein Haus für Fahrer (125 Quadratmeter) und Gärtner (85 Quadratmeter). Das unter Denkmalschutz stehende Objekt sei das teuerste, das Engel & Völkers derzeit in Hessen anbiete und zähle auch bundesweit zur Spitze, erklärt Holger Baete, Leiter des Königsteiner Büros des Maklers. Die heutigen Eigentümer hatten das Anwesen 2001 gekauft.

Ab 1938 im Vorstand der Deutschen Bank


Der Name Abs könnte potenzielle Käufer anlocken wie abschrecken zugleich. Der gebürtige Bonner machte in der NS-Zeit Karriere, Kritiker warfen ihm Kumpanei mit den Nazis vor. Sein Biograf Lothar Gall kam 2004 zu dem Urteil: „Abs' persönliches Verhältnis zu den Größen des Dritten Reiches war distanziert. ... Ihre Nähe hat er nicht gesucht. Auch in der Behandlung jüdischer Bankhäuser hat er sich nichts zuschulden kommen lassen.“ Im Gespräch mit dem „Spiegel“ folgerte der Historiker Gall: „Einen Pakt mit den wirklich verbrecherischen Elementen ... hat Abs nie geschlossen.“
Am 15. Oktober 1901 geboren, wuchs Abs in einer streng katholischen Familie auf.

Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre im Bonner Privatbankhaus von Louis David. Er sammelte Auslandserfahrungen unter anderem in Amsterdam und London und begann dann seine Karriere bei Delbrück Schickler & Co., einem der damals bedeutendsten Berliner Privatbankhäuser. Bereits 1938 trat er in den Vorstand der Deutschen Bank ein und übernahm die Zuständigkeit für deren Auslandsgeschäft. Nach der erfolgreichen Wiedervereinigung der deutschen Großbanken nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Abs 1957 erster Vorstandssprecher der Deutschen Bank und blieb dies bis 1967. Im Anschluss führte er bis 1976 den Aufsichtsrat des Instituts.

Abs war, so fasst es Biograf Gall zusammen, „von der Deutschen Bank ganz abgesehen, eine Schlüsselfigur der Wirtschaft und der Bundesrepublik insgesamt“. Abs war finanzpolitischer Berater des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer und saß zeitweise in 30 Aufsichtsräten, in 20 davon als Vorsitzender. Auf die Ämterhäufung angesprochen kokettierte er: „Vielleicht spielt eine Rolle, dass mein Name am Beginn des Alphabets steht und insofern einer von den Namen ist, die einem bei einer Berufung als erste einfallen.“ Und der Banker gab sich betont bescheiden: „Mein Name ist Abs. A wie Abs, B wie Abs und S wie Abs.“

Ab 1937 Aufsichtsrat von IG Farben


Nicht alle der Ämter wurden im Nachhinein unkritisch gesehen: So saß Abs seit 1937 auch im Kontrollgremium des IG-Farben-Konzerns, der später in die Vernichtung von Auschwitz-Häftlingen verstrickt war. Seine Taunusvilla gehörte zuvor IG-Farben-Vorstand Fritz ter Meer. Die heutigen Eigentümer kauften das Anwesen 2001. Die zentrale und doch einsame Lage seines ehemaligen Domizils vor den Toren Frankfurts, scheint zu Abs gepasst zu haben. Der Historiker Gall ist überzeugt: „Man wird sagen können, dass er einsam war, wie wohl jeder dieser ganz Mächtigen.“ (dpa)

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