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Wolfgang Dippel Staatssekretär darf Doktor bleiben

Das Kasseler Verwaltungsgericht gibt der Klage von Wolfgang Dippel gegen die Universität Kassel statt.

Plenarsitzung
Wolfgang Dippel (links) hat den Rechtsstreit um seinen Doktortitel gewonnen. Foto: Michael Schick

Abgeschrieben, aber trotzdem nicht getäuscht: Der hessische Sozialstaatsekretär Wolfgang Dippel darf seinen Doktortitel behalten. Das entschied am Dienstag das Kasseler Verwaltungsgericht und gab damit einer Klage des CDU-Politikers gegen die Universität Kassel statt. Die Hochschule hatte Dippels Dissertation vor gut drei Jahren als Plagiat eingestuft und ihm deshalb den Doktortitel entzogen.

Die Doktorarbeit, die der heute 63-Jährige nebenberuflich anfertigte und 1994 vorlegte, trägt den Titel „Kommunalpolitik in einer Gemeinde – eine Untersuchung am Beispiel von Breuna“. Bei der nachträglichen Überprüfung hatte die Uni festgestellt, dass die Arbeit im theoretischen Teil sehr große Ähnlichkeiten mit einer fünf Jahre älteren Dissertation hat. Deren Titel: „Politik in einer Gemeinde – eine Untersuchung am Beispiel von Marpingen“. Und nicht alle Übernahmen seien als Zitate gekennzeichnet worden. Also: Plagiat.

Das Verwaltungsgericht aber befand nun: So einfach ist es nicht. Denn Dippel war von seinem Doktorvater, dem Politikwissenschaftsprofessor Eike Hennig, ausdrücklich ermutigt worden, sich an der älteren Arbeit zu orientieren – damit überhaupt noch etwas werden könne aus der bis dahin völlig theoriefreien Dissertation. „Sowohl der Erstgutachter als auch der Zweitgutachter wussten von dem Umstand, dass der theoretische Teil aus einer anderen Dissertation übernommen worden ist“, sagte Kammervorsitzender Matthias Spillner. Mithin: Sie wurden von Dippel nicht getäuscht.

Und sie hätten das Abschreiben auch nicht vertuscht: In ihren Gutachten bescheinigten sie Dippel sprachliche und methodische Mängel und verlangten vor der Drucklegung eine Überarbeitung – unter anderem der Quellenangaben. Doch davon erfuhr der Promovend, den die Gutachter gerade so hatten mit „ausreichend“ bestehen lassen, nie etwas. Stattdessen bekam er von der Hochschule irgendwann die Erlaubnis zur unveränderten Veröffentlichung. Warum, konnte das Gericht nicht klären. Dem Kläger, befand die Kammer, könne dieser Fehler der Universität jedenfalls nicht angelastet werden. Möglicherweise hätte ihn die Uni nur zur verspäteten Überarbeitung verdonnern können.

Kollegenschelte

Professor Bernd Overwien, Vorsitzender des Promotionsausschusses im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, zeigte für die Sicht des Gerichts wenig Verständnis. Dippels Doktorarbeit genüge heute wie damals nicht den Standards des wissenschaftlichen Arbeitens, die beiden Gutachter hätten sich wissenschaftlich und ethisch nicht korrekt verhalten. „Ich betreibe ungern Kollegenschelte“, sagte Overwien in der Verhandlung. „Aber so geht das nicht.“

Der Kläger reagierte auf das Urteil dagegen mit großer Zufriedenheit: „Ich fühle mich bestätigt“, sagte Dippel. „Ich habe immer gesagt: Ich habe nicht getäuscht.“ Der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig: Die Universität kann Berufung einlegen. Sollte die Hochschule das Urteil akzeptieren und dafür die Überarbeitung der Dissertation verlangen, würde Wolfgang Dippel dem wohl nicht nachkommen: „Ich halte das nicht mehr für erforderlich“, sagte er. Vielmehr spiele er mit dem Gedanken, noch einmal eine Doktorarbeit zu schreiben, diesmal über „Politik und Beruf“ – anknüpfend an den gleichnamigen Klassiker des Soziologen Max Weber.

Aktenzeichen: 4 K 274/16.KS

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