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Vergewaltigungsprozess Frankfurt Neonazi muss in Haft

Im Vergewaltigungsprozess gegen zwei Neonazis vor dem Frankfurter Landgericht wird einer der Angeklagten, der 31 Jahre alte Nazikader Kai K., zu vier Jahren Haft verurteilt. Sein Kamerad wird freigesprochen. K. sei in seinem Frauenbild „massiv gestört“, so der Richter.

Das Landgericht Frankfurt. (Symbolbild) Foto: Andreas Arnold

Im Prozess gegen zwei Neonazis vor dem Frankfurter Landgericht ist der 31-jährige Nazikader Kai K. am Mittwoch wegen Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wird K., dessen Alkoholabhängigkeit ein Thema während des Prozesses war, in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Sein ebenfalls wegen Vergewaltigung angeklagter Kamerad Nils I. wurde hingegen freigesprochen. Der vorsitzende Richter sagte zur Begründung, es habe sich im Prozess „keine Klarheit“ über die Tatbeteiligung des 25-Jährigen herstellen lassen.

Am Ende des Verfahrens, in dem sich vor den Beobachtern immer wieder wahre Abgründe aufgetan hatten, sah das Gericht es als erwiesen an, dass Kai K. im Juni vergangenen Jahres nach einem Dorffest in Steinbach eine Frau brutal zu Boden gerissen und sich auf sie gesetzt hatte – in offenkundig sexueller Absicht. Nicht einmal drei Wochen später hatte er nach Auffassung der Kammer zwei Striptease-Tänzerinnen in seine Wohnung in Sossenheim gelotst, die Ältere auf dem Balkon ausgesperrt und die Jüngere vergewaltigt.

Im September vergangenen Jahres hatte K. dann nach Überzeugung des Gerichts gemeinsam mit Nils I. eine drogenabhängige Sexarbeiterin in seine Wohnung mitgenommen, laut Vereinbarung sollte es dort „härteren Sex“ für 300 Euro geben. Über mehrere Stunden hatten beide Männer sich von der Frau befriedigen lassen, sie mit einer Peitsche traktiert und das Ganze auch noch gefilmt. Da die Frau grundsätzlich eingewilligt hätte und keiner massiven Gewalt ausgesetzt gewesen sei, so der Richter, sei hier aber nicht von einer Vergewaltigung auszugehen. K. habe die Frau lediglich genötigt.

In seinem Frauenbild „massiv gestört"

Das Gericht rechnete es K. an, dass er die Taten im Großen und Ganzen eingeräumt und gesagt hatte, er habe „eingesehen, dass ich Fehler gemacht habe“. Generell jedoch, sagte der Richter, sei K. durch seine Trunksucht, seinen Hang zur Gewalt und auch in seinem Frauenbild „massiv gestört“. Er sei verroht, einschlägig vorbestraft – und wenn er getrunken habe, habe er „keine Kontrolle mehr über das, was er macht“. Gerade die „widerliche Situation“ mit der gedemütigten Sexarbeiterin erinnere an „Geschichten aus dem Tollhaus“.

Nils I. sah das Gericht im dritten Fall lediglich als Mitläufer an. Da die drogensüchtige Sexarbeiterin keine klaren Aussagen zu ihm gemacht habe, sei er freizusprechen. Zuletzt hatte der 25-Jährige gesagt, er habe „nie etwas Böses im Kopf“ gehabt. Für Nils I., der zu seiner neonazistischen Gesinnung nichts sagen wollte, ging der Prozess letztlich glimpflich aus: Die Staatsanwaltschaft hatte neun Monate Haft auf Bewährung für ihn beantragt, für Kai K. sogar sechs Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe.

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