Lade Inhalte...

Urteil in Mordprozess Lebenslang für Johannas Mörder

Das Landgericht Gießen stellt im Mordfall Johanna eine besondere Schwere der Schuld fest. Der Angeklagte wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, der Verteidiger kündigt Revision an.

Urteil im Mordfall Johanna
Rick J. (r.) auf der Anklagebank des Landgerichts. Er wurde wegen des Mordes an der acht Jahre alten Johanna verurteilt. Foto: dpa

Knapp 19 Jahre und drei Monate nach dem gewaltsamen Tod der acht Jahre alten Johanna Bohnacker aus dem hessischen Ranstadt hat das Landgericht Gießen den Angeklagten Rick J. am Montag wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem wurde J. wegen versuchter sexueller Nötigung und des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften schuldig gesprochen. Indem die 5. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Regine Enders-Kunze bei dem 42-Jährigen eine besondere Schwere der Schuld sah, schloss das Gericht aus, dass J. nach 15 Jahren wieder auf freien Fuß kommen könnte und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. 

Das Strafmaß entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und von Johannas Mutter, Gabriele Bohnacker, die als Nebenklägerin in dem Prozess aufgetreten war. Nach der Urteilsverkündung äußerte sie sich vor dem Gerichtssaal gegenüber den Medien. Durch den Schuldspruch sei eine „Riesenlast“ von ihr genommen worden. Nun gehe es ihr deutlich besser als noch vor einer Woche. Abschließen mit dem Geschehenen, das betonte Gabriele Bohnacker, werde sie aber nie. Johannas Vater konnte den Schuldspruch gegen Johannas Mörder nicht miterleben. Er war im Sommer 2016 nach langer Krankheit gestorben.

In der Urteilsbegründung sagte die Richterin, die Ausführungen, die J. im Prozess gemacht habe, seien „bloße Schutzbehauptungen“ und „widersprüchlich“. Umgangssprachlich würde man von einer „großen Lüge“ sprechen, äußerte Enders-Kunze. Immer wieder habe der Angeklagte seine Aussagen geändert, je nachdem welche Erkenntnisse im Prozess zu Tage traten. 

Nach 20 Verhandlungstagen sahen es die Richter als erwiesen an, dass der arbeitslose Mann aus Friedrichsdorf im Taunus das Mädchen am 2. September 1999 in dessen Heimatort Ranstadt-Bobenhausen überwältigt, mit Chloroform betäubt, in sein Auto gezerrt und getötet habe, indem er ihren Kopf 29 Mal mit einem 15 Meter langen Klebeband umwickelt habe. Daran sei das Mädchen erstickt. Der Angeklagte habe Johannas Tod so „billigend in Kauf genommen“. Er habe wissen müssen, dass sie daran versterben könne. „Alle anderen Alternativen scheiden aus“, sagte Enders-Kunze in der gut einstündigen Urteilsbegründung.

J. habe den Kopf von Johanna entweder mit Klebeband umwickelt, weil ihn dies sexuell erregt habe, oder um eine Vergewaltigung zu verdecken. In beiden Fällen sei ein Mordmerkmal erfüllt. „Dadurch wird das Paketklebeband zum Mordwerkzeug“, so die Richterin. Die Version des Angeklagten, wonach Johannas Tod ein „Unfall“ gewesen sei, wies sie zurück. Und obwohl J. vor der Tat harte Drogen genommen haben will, sei seine „Steuerungsfähigkeit“ nicht beeinträchtigt gewesen. Dies belege sein Verhalten nach einem von ihm verursachten Auffahrunfall am selben Tag und die Tatsache, dass er seinen VW Jetta 150 Meter rückwärts über einen Radweg gesteuert habe, nachdem er Johanna in seine Gewalt gebracht habe. 

Die besondere Schwere der Schuld rechtfertigte das Gericht mit der „kriminellen Intensität“, die bei der Tat „überdeutlich“ zu Tage getreten sei, Rick J. habe die Tat am hellen Tag in der Nähe eines belebten Fußballplatzes begangen und sei zuvor stundenlang auf der Suche nach einem Opfer umhergefahren. Auch dass Johanna ums Leben kam, während sie gefesselt und geknebelt gewesen sei, wiege schwer.

Jahrelang hatten Ermittler nach Johannas Mörder gesucht. Auf die Spurt von Rick J. kamen sie durch einen Vorfall im August 2016 in einem Maisfeld bei Nidda. Dort wurde J. dabei beobachtet, wie er sexuelle Handlungen an einem Mädchen vornahm, das gefesselt war und dessen Kopf mit Klebeband umwickelt war – eine klare Parallele zum Mord an Johanna 17 Jahre zuvor. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger hat angekündigt, in Revision zu gehen. Darüber müsste dann der Bundesgerichtshof entscheiden. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen