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Übergriffe Campus Westend Polizistin schnappt Verdächtigen

Die Sexualdelikte am Campus Westend stehen vor der Aufklärung. Eine verdeckte Ermittlerin nimmt einen 28-Jährigen in flagranti fest. Die DNS-Analyse belastet ihn schwer.

Goethe-Universität Frankfurt
Auf dem Gelände der Goethe-Universität soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Foto: dpa

Ein 28 Jahre alter Mann soll für die Serie sexueller Übergriffe gegen Frauen am Campus Westend verantwortlich sein. Ein DNS-Vergleich führte laut Staatsanwaltschaft zu dem „sehr sicheren Nachweis“, dass es sich bei dem Festgenommenen um dieselbe Person handelt, die im Oktober eine Frau sexuell nötigte. Er sitzt in Untersuchungshaft. Nach einem weiteren Täter im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt auf dem Campus wird noch gefahndet.

Die Festnahme des 28-Jährigen erinnert an einen Kriminalthriller: Eine Polizistin ist Samstagnacht als verdeckte Ermittlerin auf dem Campus und in der näheren Umgebung unterwegs. Plötzlich spricht ein Mann sie an und fordert sie auf, sich mit ihm auf eine Parkbank in der Miquelanlage zu setzen. Er macht bereits sexuelle Andeutungen, berichten Polizei und Staatsanwältin weiter, er fasst die Beamtin auch am Oberschenkel an. Als er seine Hose öffnet und verlangt, die Frau solle ihn manuell befriedigen, gibt sie sich schließlich als Polizistin zu erkennen und erklärt, er sei festgenommen.

„Der Mann leistete keinen Widerstand“, berichtet Polizeivizepräsident Walter Seubert am Montag in einer Pressekonferenz. Der Beschuldigte habe freiwillig eine Speichelprobe abgegeben, bestreite aber, der Campus-Täter zu sein. Strafrechtlich sei er bislang nicht in Erscheinung getreten. Weitere Angaben zur Sache habe er nicht gemacht.

Die Polizei hofft, damit eine seit dem Herbst andauernde Serie von Übergriffen beendet zu haben. Am 6. Oktober war eine 23-jährige Studentin von einem Unbekannten angesprochen, nach einem Straßennamen gefragt und dann sexuell genötigt worden. Der Mann zwang die junge Frau, ihn mit der Hand zu befriedigen. Spermaspuren aus jenem Fall ermöglichten jetzt den Vergleich der Erbinformationen per DNS-Analyse. Außer der Tat im Oktober werden dem Mann zwei weitere versuchte Übergriffe dies- und jenseits der Miquelallee zur Last gelegt; diesen beiden überfallenen Frauen gelang die Flucht. „Tatort, Uhrzeit, Aussehen und Modus operandi“ deuteten darauf hin, dass es sich um ein und denselben Serientäter handle, sagt Seubert. Nach den Angaben vom Montag ereigneten sich die Taten aber nicht nur an der Siolistraße, sondern auch in der Miquelanlage nördlich der Allee, im Park an der Bundesbank.

Am Sonntag sei der Mann dem Haftrichter vorgeführt worden, berichtet Nadja Niesen, die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Es sei Haftbefehl wegen sexueller Nötigung ergangen. Einen weiteren versuchten Übergriff am Theodor-W.-Adorno-Platz, bei dem sich eine Frau Ende Januar auf der Flucht schwer verletzte, zählen die Ermittler nicht zu der gleichen Serie; er passe nicht zu den anderen drei Taten. Die Ermittlungen in dieser Sache liefen „mit Hochdruck“ weiter. Insgesamt lägen vier Strafanzeigen wegen Vorfällen auf dem Campus Westend und in der nahen Umgebung vor.

Polizeivize Seubert spricht von einem großen Ermittlungserfolg. „Wir dulden keine sexuellen Übergriffe in dieser Stadt“, sagt er, die Polizei sei „ein Garant für Sicherheit“. Vorwürfe des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), die Bevölkerung sei zu spät informiert und gewarnt worden, weist Seubert zurück: „Wir haben bewusst abgewogen, zu welchem Zeitpunkt wir an die Öffentlichkeit gehen, um den Fahndungserfolg nicht zu gefährden.“ Verdeckte Ermittler seien schon seit einiger Zeit unterwegs gewesen.

Dass zeitgleich ein zweiter Täter eine Frau belästigte, sei nach dem Stand der Dinge „wirklich ein Zufall“ gewesen, sagt Kriminaldirektorin Anke Schumacher. Die Polizei setzt auf ein „breites Maßnahmenfeld“, um auch seiner habhaft zu werden und die Frauen zu schützen. Unvermindert geht laut Seubert daneben eine Kampagne zur Vorbeugung weiter. Gemeinsam mit den Hochschulen soll es unter anderem Informationsabende geben.

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