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Tod in Höchst Vorwürfe nach tödlichem Polizeieinsatz

Eine Wohnungsräumung in Höchst lief völlig aus dem Ruder. Ein Arzt geht davon aus, dass das Opfer bei dem Polizeieinsatz im Juni 2017 erstickt ist.

Polizeieinsatz in Frankfurt
Bei einem Polizeieinsatz war im Juni 2017 ein Mensch ums Leben gekommen. Foto: dpa

Im Fall des tödlichen Polizeieinsatzes in Höchst im vergangenen Juni sind neue Details bekannt geworden. Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau über die langwierigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wandte sich nun ein Arzt an die FR. Claus Metz, Mitglied der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), untersucht seit 1994 Todesfälle von Personen in Polizeigewahrsam.

Der Allgemeinmediziner geht davon aus, dass der am 1. Juni 2017 zu Tode gekommene Safak K. von den Polizeibeamten unbeabsichtigt erstickt wurde. In einer Pressemitteilung erheben die Frankfurter IPPNW-Ärzte schwere Vorwürfe gegen Polizisten und Staatsanwaltschaft. Metz war bei dem tragischen Tod allerdings nicht selbst vor Ort.

Der psychisch kranke K. sollte im vergangenen Juni per Räumungsklage aus seiner Wohnung verwiesen werden. Dafür waren neben einem Gerichtsvollzieher zunächst auch zwei Polizeibeamte vorgesehen. Vor Ort dabei waren auch die beiden Brüder von Safak – Mustafa und Hakan. Beide waren anwesend, weil sie schon mit Problemen bei der Räumung gerechnet hatten, wie Mustafa K. auf Anfrage der FR berichtet. So habe sein Bruder Hakan die Beamten in die Wohnung gelassen, Safak sei da gerade nur mit einem Handtuch bekleidet aus dem Bad gekommen. Die Wohnung räumen wollte er nicht. Stattdessen sprach er unentwegt auf die Beamten ein. „Er hat schwachsinniges Zeug geredet, mein Bruder war schizophren, aber nie aggressiv“, so Mustafa K.

Lagebedingter Erstickungstod

Da die Beamten mit dem stark übergewichtigen, weit über 100 Kilo wiegenden Safak K. nicht zurande kamen, forderten sie Verstärkung an. Als die vier weiteren Beamten eintrafen, seien diese sofort handgreiflich geworden. Zuerst gegen die Frau von Safak K., dann gegen K. selbst. Bruder Hakan wurde aus der Wohnung geschickt und sah nach eigenen Angaben noch, wie einer der Beamten seinen Bruder bäuchlings aufs Bett stieß und ihm das Knie in den Rücken drückte.

Metz geht nach diesen Schilderungen davon aus, dass es in Höchst zu einem lagebedingten Erstickungstod kam: „Das Opfer hatte so viel Bauchspeck, dass keine gescheite Zwerchfellatmung mehr möglich war.“ Was K., anders als von den Ermittlern vermutet, nicht hatte, war Asthma. Dies zumindest sagen der Betreuer und der Hausarzt des Opfers. Demnach gehörten die in der Wohnung gefundenen Asthma-Tabletten der Frau K.s.

Metz fühlt sich an den Tod des Sudanesen Aamir Ageeb erinnert, der 1999 bei einer gewaltsamen Abschiebung erstickte. Der Allgemeinmediziner geht davon aus, dass bei dem histologischen Gutachten zur Todesursache K.s, auf das die Staatsanwaltschaft seit Monaten wartet, nichts herauskommen wird.

Metz und seine Kollegen von der IPPNW finden es „nicht verantwortbar“, dass die Staatsanwaltschaft mehr als acht Monate  nach dem Tod immer noch auf ein Gutachten warte und es keine sofortige und unabhängige Kontrolle der Vorfälle gegeben habe. Der von Bruder Mustafa K. beauftragte Anwalt hat nun immerhin gerichtlich eine Akteneinsicht erstritten, muss sich aber noch gedulden, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Die Staatsanwaltschaft wartete auch am Montag noch auf das Gutachten.

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