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Tauben-Liebhaberin in Darmstadt Gericht: Tauben-Liebhaberin für schuldunfähig erklärt

2. UpdateEine Tauben-Liebhaberin soll in Darmstadt einen Mann angegriffen haben, was sie bestreitet. Der Sachverständige, bekannt aus der hessischen Steueraffäre, erklärt die Frau für schuldunfähig.

Fünf Tauben vor blauem Himmel
Fünf Tauben starten von einer Stromleitung in den blauen Himmel. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv

Gegen Frau M. laufen so viele Bußgeldverfahren, dass sie bereits gebündelt wurden. Derzeit liegen sie in Revision beim Oberlandesgericht Frankfurt. Denn die 56-jährige Medizinerin füttert seit 19 Jahren Tauben in Darmstadt, obwohl dies laut städtischer Gefahrenabwehrverordnung verboten ist. Diese hält Frau M. für nicht rechtmäßig und weigert sich zu zahlen. Doch am gestrigen Donnerstag stand Frau M. nicht wegen der Tauben vor Gericht, sondern wegen schwerer Körperverletzung.

Die 1,60 Meter kleine Frau soll einen 1,77 großen Mann angegriffen haben, der sie auf dem Markplatz auf das Fütterungsverbot aufmerksam machte. Dass Frau M. einen Zollstock zur Verhandlung am Amtsgericht Darmstadt mitbrachte, um die Distanz während ihres Streits mit Mirko L., einem 46-jährigen Kraftdreikämpfer zu vorzuführen, blieb nicht die einzige Besonderheit dieses Strafverfahrens. Auch dass Oberstaatsanwalt Knut Happel zwischendrin aufbrauste und sagte: „Ich plädiere auf Freispruch, damit dieser Affentanz ein Ende hat“, war nicht die Krönung der sieben Stunden währenden Verhandlung.

Bereits bei Prozessbeginn hatte Frau M., von Happel als „kranker Mensch“ bezeichnet, Vorbehalte gegen den bestellten Sachverständigen geäußert, war von Richterin Bode aber auf später vertröstet worden. Vorbehalte hatte M. nicht nur, weil bereits bei vorhergehenden Verfahren versucht worden sei, sie als unzurechnungsfähig darzustellen, sondern weil – das Highlight des Tages – der Frankfurter Psychiater bereits im Zusammenhang mit der hessischen Steuerfahnderaffäre aufgefallen war. Er hatte 2006/2007 vier Fahnder des Finanzamts Frankfurt im Auftrag des Landes für „paranoid“ und „anpassungsgestört“ erklärt, nachdem sie wegen Steuerhinterziehung gegen Banken und im Schwarzgeld-Skandal der Hessen-CDU ermittelt hatten.

Befangenheitsantrag  abgelehnt

Nachdem die Fahnder rehabilitiert waren, wurde der Gutachter 2015 vom Oberlandesgericht Frankfurt zu einer Schadensersatzzahlung von 226 000 Euro verurteilt, was er am Donnerstag auch einräumte. „Ich habe meine Strafe aber gezahlt“, sagte er als Erwiderung auf den Befangenheitsantrag. Der Mediziner hatte M. zuvor aufgrund von Akten und seiner Beobachtung während des Verfahrens Einsichtsunfähigkeit aufgrund des Verdachts einer paranoiden Persönlichkeitsstörung bescheinigt.

Das Gericht lehnte den Befangenheitsantrag ab, weil er erst nach Abschluss der Beweisaufnahme gestellt worden sei.

Bereits während der Beweisaufnahme war es zu Widersprüchen in Bezug auf die angebliche Körperverletzung gekommen. M. warf L. vor, er habe sie ausländerfeindlich beschimpft. An einzelne Worte erinnerte sie sich nicht, aber er sei drohend auf sie zugekommen. L. wiederum gab an, Frau M. habe ihn als „Nazi“ bezeichnet und bespuckt. Ihren Tritt habe er nur dank eines Regenschirms abwehren können. Von beidem hatte er 2016 bei seiner Anzeige nichts erwähnt.

Der von beiden Seiten geforderte Freispruch erging zwar, jedoch aufgrund der Schuldunfähigkeit, die auch die Richterin erkannte. Deswegen will die Verteidigung rechtliche Mittel prüfen.

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