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Susanna F. Gedenken mit Kerzen und Pfiffen

Wenig Teilnehmer sind bei den friedlichen Demos und Gegendemos nach dem Tod von Susanna F.

Demos
Ein Gegendemonstrant (li.) am Rande einer Kundgebung der Initiative „Beweg was!“. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Mehrere Hundert Menschen haben sich am Sonntag in Mainz an Demonstrationen und Gegendemonstrationen im Zusammenhang mit dem Mord an der 14-jährigen Susanna F. beteiligt. So versammelten sich mehr als 100 Menschen ab 15 Uhr bei einer Kundgebung der rechtsgerichteten Gruppierung „Beweg was“ auf dem Helmut-Kohl-Platz unweit der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. Der Initiator der Versammlung hatte in Mainz schon seit Beginn des Jahres mehrere Kundgebungen unter dem Motto „Merkel muss weg“ angemeldet.

Rund 300 überwiegend junge Gegendemonstranten protestierten dagegen mit Pfiffen und Parolen wie „Haut ab“ und „Heuchler“ an den Absperrgittern, mit denen die Polizei den Platz umstellt hatte. Bis auf einige Beschimpfungen zwischen den beiden Lagern blieb die Lage friedlich.

Bereits gegen 13 Uhr hatten sich rund 60 junge Leute am Mainzer Hauptbahnhof versammelt, sie zogen mit einem kleinen Demonstrationszug zur Gegenkundgebung am Petersplatz. Die Aktivisten trugen Fahnen der Linksjugend „Solid“ sowie Transparente, auf denen etwa „Trauer statt Hass – Gegen Gewalt an Frauen und rechte Instrumentalisierung“ zu lesen war.

Er sei hier, um zu verhindern, dass „solche schrecklichen Taten von Rechten ausgenutzt werden“, sagte ein junger Mann mit Blick auf den Mord an Susanna F. Seine Begleiterin sagte, es störe sie, dass das Opfer in der Berichterstattung und der politischen Debatte nicht im Vordergrund stehe, sondern die Tatsache, dass der Tatverdächtige Ali B. ein irakischer Flüchtling sei.

Gegen 14.30 Uhr begannen dann die Anhänger von „Beweg was“ mit dem Aufbau ihrer Kundgebung. Der Anmelder Thomas G., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, sagte der Frankfurter Rundschau, seine Gruppe sei überparteilich, er selbst verstehe sich als konservativer Oppositioneller. Seine Initiative wolle sich nicht von der AfD vereinnahmen lassen, sei aber ebenfalls für striktere Abschiebungen und einen besseren Schutz der deutschen Grenzen gegen Einwanderung.

Die nach und nach eintreffenden Teilnehmer waren bunt zusammengewürfelt: Bürgerlich gekleidete Paare hatten ihre Kinder mitgebracht, eine Gruppe junger Frauen war gemeinsam angereist, es waren aber auch offensichtliche Rechtsradikale vor Ort. Eine junge Frau trug die „Schwarze Sonne“ als Tattoo auf dem Oberarm, ein esoterisches Symbol der nationalsozialistischen SS. Ein junger Mann hatte einen Stoffbeutel von „Kontrakultur Halle“ bei sich, einer Gruppe aus dem Umfeld der rechtsextremen „Identitären Bewegung“.

Zu Beginn der Kundgebung entzündeten die Anhänger von „Beweg was“ Kerzen und hängten ein Foto von Susanna F. an einer von Anmelder Thomas G. als „Leine des Grauens“ bezeichneten Wäscheleine auf. Daran waren zuvor Hunderte Zeitungsartikel über vermeintlich oder tatsächlich von Flüchtlingen und Migranten verübte Gewalttaten gehängt worden.

Der erste Redner der Kundgebung sagte, immer mehr Menschen in Deutschland bekämen die Folgen der „gnadenlosen Zuwanderung“ zu spüren. Die Zukunft Deutschlands werde „den Mohammeds, Murats und Özers“ gehören. Ein zweiter Redner behauptete, die deutsche „Kuscheljustiz“ unternehme nichts gegen kriminelle Flüchtlinge, die Bundesregierung trage die Schuld am Tod von Susanna F. „Frau Merkel, Sie haben das Blut der Opfer an Ihren Händen“, schrie der Redner, die Menge skandierte „Merkel muss weg“.

Bereits am Samstag hatten rund 175 Menschen mit Schweigeminuten der getöteten Susanna F. friedlich in ihrer Heimatstadt Mainz gedacht. Am Petersplatz versammelten sich rund 75 Menschen bei einer Trauerkundgebung, zu der die „Gutmenschliche Aktion Mainz“ aufgerufen hatte. Die Veranstaltung richte sich gegen Rassismus und sexualisierte Gewalt an Frauen, hieß es. Sie rechne die Demonstranten eher dem linken politischen Spektrum zu. Wenige Meter weiter demonstrierten rund 100 Menschen bei einer von der AfD angemeldeten Kundgebung.

In den kommenden Tagen sind in Mainz weitere Kundgebungen angekündigt: Am Montagabend ruft der DGB ab 18 Uhr zu einem „stillen Gedenken“ an Susanna F. auf dem Gutenbergplatz auf, die rechte Initiative „Kandel ist überall“ will ebenfalls um 18 Uhr am Marktplatz demonstrieren. mit dpa

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mordfall Susanna

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