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Steuerbetrugsprozess in Frankfurt Dr. L. sagt aus

Im Steuerbetrugsprozess vor dem Landgericht Frankfurt gegen eine fünfköpfige mutmaßliche Baumafia legt eine der Schlüsselfiguren ein Teilgeständnis ab.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Im Prozess gegen eine fünfköpfige mutmaßliche Baumafia vor dem Landgericht hat am gestrigen Verhandlungstag einer der Schlüsselfiguren, der Arzt und Immobilienspekulant Emanuel L., ein Teilgeständnis abgelegt. Er räumt den Vorwurf der Hinterziehung von Bauabschlagssteuer ein – wenn auch nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig. Mit der Hinterziehung von Umsatzsteuer und dem Vorenthalt von Arbeitsentgelt und Sozialleistungen aber habe er nichts zu tun. Die Angeklagten sollen den Fiskus insgesamt um mehr als zehn Millionen Euro geprellt haben.

In einer langen, vom Blatt abgelesenen Einlassung kam der 50 Jahre alte L. auch auf seine Motive zu sprechen. Und die resultierten keinesfalls aus Geiz und Gier, sondern aus Angst und Liebe.

Zum einen die Angst um den täglichen Teller Suppe: Schon sein Vater, sagte L., sei in der Immobilienbranche tätig und trotzdem immer wieder in finanziellen Nöten gewesen. Daher leide er selbst unter „Existenzängsten, die mich mein Leben lang begleiten“. Zum anderen die – rein platonische – Liebe zu der anderen Schlüsselfigur des Prozesses, Said M. Er habe M., der sein Geld mit dem Vertrieb von Wettbüros gemacht hatte und den es in die Spekulationsbranche drängte, im Jahre 2009 kennengelernt. Er habe sich „von Anfang an zu ihm hingezogen“ und „in seiner Gegenwart sehr wohlgefühlt“, regelrecht „um seine Gunst gebuhlt und Zurückweisung gefürchtet“ und sei schließlich gar in eine „psychische Abhängigkeit“ geraten.

Zusammen hatten L. und M. ein Firmengeflecht aufgebaut, bei dem er selbst nicht mehr durchgeblickt habe. Er selbst, der alteingesessene Spekulant mit besten Verbindungen, sei lediglich für Akquise und Finanzierung zuständig gewesen. Innerhalb des Firmengeflechts habe er lediglich „die Gesellschaften der ersten Ebene“ im Blick gehabt.

Die anderen Angeklagten schweigen

Die vorgeworfenen Umsatzsteuer- und Arbeitnehmerbetrügereien seien wenn überhaupt von „Firmen der zweiten und dritten Ebene“ begangen worden, mit denen er nichts am Hut gehabt habe. Zwar habe er vielleicht zweimal im Monat auf Baustellen vorbeigeschaut, dies habe aber „ausschließlich meiner Motivation gedient“. Denn mitunter habe er sich gefragt, „ob sich der ganze Stress auch lohnt“, denn schließlich habe er bereits als Arzt „einen Acht-Stunden-Tag“ gehabt. Dass auf den Baustellen schwarz gearbeitet werden könnte, auf die Idee sei er nie gekommen.

Man habe „viele Fehler“ gemacht, gesteht L., etwa die „protzige Lebensweise“ oder den Fuhrpark der Angeklagten – mit Autos, die man sonst nur im Milieu fährt. „Etwas mehr Bescheidenheit hätte mir gut zu Gesicht gestanden“. Dann sagt er etwas, was vielen Westendmietern, die sich in den vergangenen Jahren durch die rigide Entmietungspolitik des Doktors und seiner Kumpane belästigt fühlten, wie eine Verheißung klingen mag: Er wolle „neu anfangen“, der Immobilienspekulation den Rücken kehren und sich fürderhin auf seine Arbeit als Allgemeinmediziner konzentrieren.

Während der Doktor redet wie ein Buch, herrscht bei den anderen Mitangeklagten, allen voran Said M., eisiges Schweigen. Wie immer der Prozess eines fernen Tages auch ausgehen wird – er bedeutet wohl bereits jetzt das Ende einer wunderbaren Freundschaft.

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