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Serienmörder von Schwalbach Verdacht auf mehr Opfer

Manfred Seel, der Serienmörder von Schwalbach, soll bis zu neun Frauen getötet und verstümmelt haben. Nicht festlegen will sich die Polizei, ob der mittlerweile verstorbene Verdächtige auch für den Tod von Tristan verantwortlich ist.

Die Polizei hat am Donnerstag Bilder von Opfern und möglichen Opfern an eine Pinnwand geheftet. Foto: dpa

Eine Mordserie an Frankfurter Prostituierten ist offenbar aufgeklärt. Die Polizei schließt allerdings nicht aus, dass es mehr Opfer gibt als die vier Frauen, die der Verdächtige aus Schwalbach im Taunus „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ umgebracht hat. Die Ermittler sprachen am Donnerstag von vier Fällen, die zumindest eine gewisse Ähnlichkeit im Tatmuster aufweisen.

Nicht festlegen wollte sich die Polizei, ob der mittlerweile verstorbene Verdächtige auch für den Tod des 13-jährigen Tristan Brübach verantwortlich ist. „Zumindest haben wir eine heiße Spur, die wir weiterverfolgen können“, sagte der leitende Ermittler Frank Herrmann am Donnerstag. Denkbar sei auch, dass der Verdächtige einen Mittäter hatte, der noch lebt.

Gemeinsam ist den Opfern, dass sie grausam entstellt wurden. In allen Fällen fehlten Körperteile, die der Täter womöglich gegessen hat. Der Mann sei hochgradig sadistisch veranlagt gewesen, sagte Herrmann. Er habe aus reiner Lust am Töten gehandelt.

Erste Opfer im Jahr 1971

Zwischen 1971 und 2003 soll der Mann fünf Prostituierte aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel ermordet haben. Sein vermutlich letztes Opfer legte er – anders als die vorherigen Toten – nicht im öffentlichen Raum ab. Vielmehr bewahrte er die Leichenteile in seiner Garage auf. Nur so kamen die Ermittler überhaupt auf seine Spur: Nachdem der Verdächtige im Sommer 2014 im Alter von 67 Jahren gestorben war, entdeckte seine Tochter die Körperteile.

Neben der grausamen Tatbegehung gibt es in den Fällen der getöteten Prostituierten noch weitere Hinweise, die auf den Schwalbacher als Täter schließen lassen. So kannte er die beiden im Jahr 1971 getöteten Frauen aus einem Frankfurter Altenheim, in dem er häufig Aufträge als Entrümpler wahrnahm. Die beiden Frauen arbeiteten als Pflegerinnen in der Einrichtung.

Dass der 1998 getötete Tristan Brübach nicht ins Opferschema passt, müsse nicht ausschließen, dass der Mann aus Schwalbach auch in diesem Fall der Täter war, sagte Ermittler Herrmann. Vor allem der Umstand, dass auch an Tristans Leiche Körperteile fehlten, spreche für eine Täterschaft des Verdächtigen.

Die Präsidentin des Landeskriminalamts, Sabine Thurau, betonte, kein ungelöstes Morddelikt werde zu den Akten gelegt. In den Fällen der getöteten Prostituierten seien über Jahre hinweg Spuren gesichert worden – ebenso wie nach Tristans Tod, der weit über Frankfurt hinaus Schlagzeilen gemacht hatte. Eine Anklage wird es in den nun ermittelten Fällen aber nicht geben. Die Justiz kennt keine Gerichtsverfahren gegen Tote.

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