Lade Inhalte...

Schwalbach Prozess um Gruppenvergewaltigung steht auf der Kippe

Der Ausgang des Prozesses um eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Schwalbach ist wieder völlig offen. Das mögliche Opfer soll von einer Sachverständigen begutachtet werden.

Symbolfoto Gericht
Justitia. Foto: Imago

Drei Monate nach Verhandlungsbeginn ist der Prozess um eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Schwalbach wieder völlig offen. Das vermeintliche Opfer soll nun von einer Sachverständigen begutachtet werden. Die Frau leidet womöglich an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Das Gutachten soll ihre Glaubwürdigkeit klären.

Auf der Anklagebank sitzen fünf junge Männer im Alter von 21 bis 24 Jahren. Sie werden beschuldigt, im September 2011 eine damals 34 Jahre alte Frau auf deren Weg zur Arbeit auf einen nahegelegenen Spielplatz verschleppt und in der dortigen Holzhütte mehrfach und gemeinschaftlich vergewaltigt zu haben. Die Angeklagten konnten erst nach langer Zeit ermittelt werden – durch DNA-Spuren eines Verdächtigen, die dieser in einer anderen Strafsache abgeben musste, und durch die Auswertung von Handy-Daten.

Die fünf Angeklagten hatten von Beginn an sexuelle Handlungen eingeräumt, aber behauptet, diese seien in gegenseitigem Einvernehmen geschehen. Die Frau hätte eigentlich Gras von ihnen kaufen wollen – sei dann aber angesichts der erdrückenden Liebesbeweise so zufrieden gewesen, dass sie am Ende gar keine Drogen mehr hätte haben wollen. Dafür erstattete die Frau anschließend allerdings Anzeige – gegen Unbekannt.

Zeugin per Video zugeschaltet

Anfang April hatte die Frau ihre Aussage gemacht – unter äußerst außergewöhnlichen Umständen. Sie leidet an Depressionen und Magersucht, ein Psychiater attestierte ihr eine posttraumatische Belastungsstörung, eine direkte Konfrontation mit den Angeklagten könnte katastrophale Folgen haben. Die Frau wurde daraufhin live per Video-Schaltung in einem anderen Raum des Landgerichts vernommen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Doch diese Aussage steckte offensichtlich voller solch gravierender Widersprüche, dass der Vorsitzende Richter Uwe Steitz nicht umhin kam, am jüngsten Tag den rechtlichen Hinweis zu geben, dass es angesichts dieser Aussage kaum für eine Verurteilung der Angeklagten ausreichen werde. Die Staatsanwaltschaft beantragte darauf die Begutachtung, die Kammer gab dem nun statt – obwohl sie ähnliche Anträge der Verteidigung zuvor abgelehnt hatte.

Wobei Steitz am Montag noch einmal betonte, dass die Kammer das Gutachten ergebnisoffen erwarte – zum einen könne ein Borderlinesyndrom möglicherweise eine Falschaussage erklären – es könne aber auch scheinbare Widersprüche in einer an sich wahren Einlassung begründen.

Mit der Fertigstellung des Gutachtens ist laut Richter Steitz Mitte bis Ende September zu rechnen. Spätestens Anfang Oktober müsste die Frau dann doch noch einmal vor Gericht erscheinen – und diesmal sicherlich ohne Video-Sicherheitspuffer. Bis dahin läuft der Prozess auf Sparflamme.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen