Lade Inhalte...

Salafismus Hassan M. auf Reisen

Ein Islamist aus Offenbach flüchtet, obwohl er von der Justiz mittels einer Fußfessel streng kontrolliert wird. Nun wähnen ihn die Behörden auf der Reise nach Syrien. Dies ist die Geschichte davon, wie ein 24 Jahre alter Offenbacher die hessische Justiz narrt.

Beim Auftritt von Pierre Vogel in Offenbach im vergangenen Juni. Foto: Renate Hoyer

Hassan M. und die Medien – eine gute Beziehung war das nie. Ausgerechnet der Mann, der im Juni 2013 vor einer Moschee in Offenbach ein Team der Politiksendung „Report Mainz“ angegriffen haben soll, verlässt ein Jahr später als mutmaßlicher Kämpfer das Land und reist offenbar nach Syrien. Obwohl er doch eine Fußfessel tragen und daheim bleiben müsste. Und wer deckt diesen Umstand, den Politiker wie der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour einen „Skandal“ nennen, auf? Wieder „Report Mainz“.

Dabei ist Hassan M., der im Alter von fünf Jahren mit seiner Mutter aus Pakistan nach Offenbach kam, eigentlich ein guter Junge. So ähnlich hat das zumindest Taher Nawaz mal gesagt, der Imam der Tauheed-Moschee im Offenbacher Mathildenviertel. Im Frühling vergangenen Jahres wollte ein Fernsehteam des SWR über Gegner des syrischen Präsidenten Assad berichten. Dazu planten sie ein Hintergrundgespräch mit dem Imam. Doch vor der Moschee setzte es Prügel für das Team um den Journalisten Fritz Schmaldienst. Ein Gruppe junger Muslime schlug und trat auf die Journalisten ein. Ein Reporter erlitt eine Schädelprellung, Teile der Kameraausrüstung wurden zerstört. Unter den Angreifern: Hassan M. Der Imam war schockiert. Die Gruppe um M. sei nie „gewalttätig in Erscheinung getreten“, betonte er in Interviews.

Vor der Moschee setzte es Prügel

Der Fortgang dieser Geschichte lässt allerdings daran zweifeln, dass Hassan M., mittlerweile 24 Jahre alt, wirklich ein guter Junge ist. Vieles spricht dafür, dass er nach Syrien ausgereist ist, um für eine Terrororganisation zu kämpfen, womöglich sogar für den IS. Und auch der Imam nimmt ihn nicht mehr in Schutz. Nachdem „Report Mainz“ am Dienstagmorgen seine Recherchen veröffentlicht, ist in der Tauheed-Moschee niemand mehr zu erreichen.

Fest steht: Der Angriff auf die Journalisten ist nicht das letzte Mal, dass M. mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Die Polizei hat ihn ohnehin schon auf dem Kieker. Wegen seiner islamistischen Tendenzen ist er ein Fall für den Staatsschutz geworden. Offenbar haben die Polizisten Hinweise darauf, dass er – wie einige junge Männer aus dem Rhein-Main-Gebiet vor ihm – nach Syrien reisen möchte, um gegen Assad zu kämpfen. ZK 10, die entsprechende Abteilung im Polizeipräsidium Südhessen, beobachtet Hassan M. Doch zunächst entdecken die Beamten nichts Beunruhigendes.

Dann, im Herbst 2013, begeht Hassan M. einen Einbruch, die Polizei nimmt ihn fest, und der Islamist wird zum Fall für das Amtsgericht Offenbach. Ein Haftrichter muss entscheiden, ob M. in Untersuchungshaft kommt oder nicht. Zwingend ist das nicht. M. hat einen festen Wohnsitz, die Tat war nicht allzu schwer. Auf der anderen Seite ist die Sachen mit dem Angriff auf das Fernsehteam noch nicht abgeurteilt. Und M. will das Land verlassen. Bei seiner Festnahme im November hat er einen Koffer und eine Zugfahrkarte zum Flughafen nach Amsterdam dabei. Womöglich um von dort nach Syrien zu reisen?

Ist der Gesuchte tatsächlich in Syrien?

Ob der Haftrichter von dem Zugticket wusste, bleibt am Dienstag offen. Nachdem M. bereits zwei Wochen im Gefängnis gesessen hat, entscheidet sich der Jurist jedenfalls gegen weitere Untersuchungshaft. Aber: M. muss seinen Pass abgeben und soll sich zu bestimmten Stunden in seiner Wohnung aufhalten. Überwacht wird er von einer sogenannten kleinen Fußfessel, die zwar über keine GPS-Funktion verfügt, mit der man aber über eine Radiofrequenz feststellen kann, ob M. daheim ist.

In den nächsten Monaten ist der 24-Jährige oft daheim. Hans-Dieter Amthor von der „IT Stelle der hessischen Justiz“, die für die Fußfesselüberwachung zuständig ist, berichtet bei „Report Mainz“, es habe zunächst keine Auffälligkeiten gegeben. Bis zum 1. Mai. Dann sendete die Fußfessel ihr letztes Signal.

Ist Hassan M. mittlerweile tatsächlich in Syrien? Gesehen wurde er jedenfalls zuletzt an der griechisch-türkischen Grenze – mit seiner Frau, seinem Begleiter Wali A. und dessen Frau. A., 19 Jahre alt und ebenfalls aus Hessen, soll später eine Behörde angerufen und mitgeteilt haben, er habe sich einer terroristischen Vereinigung angeschlossen. In den sozialen Netzwerken hegt der junge Mann unverhohlene Sympathien für den IS.

Für Hassan M. lässt das nichts Gutes erahnen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen