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Prozess um Raubmord Schuld waren immer die anderen

Im Oktober 2017 wurde ein älteres Juwelier-Ehepaar in Griesheim brutal überfallen, der Mann starb. Im Prozess will keiner der drei Angeklagten für den Mord verantwortlich gewesen sein.

Symbolfoto Gericht
Justitia. Foto: Imago

 Tenor aller drei Plädoyers im Prozess um den brutalen und tödlichen Überfall auf ein Griesheimer Juwelier-Ehepaar im Oktober 2017 war das Sartre-Zitat: „Die Hölle, das sind die anderen.“ Für ihre Mandanten schlossen die Verteidiger jeweils ein Tötungsdelikt aus – sie hätten zwar bei dem Überfall mitgemacht, aber sich im Gegensatz zu den beiden anderen nicht an den Misshandlungen beteiligt.

Der 78 Jahre alte Mann war an den Folgen der Tritte und Schläge gestorben, seine gleichaltrige Frau überlebte schwer verletzt. Der Gewaltexzess, der von den Angeklagten mit Ausnahme ihres jeweiligen Mandanten gestartet worden sei, sei so nicht geplant gewesen, so alle drei Verteidiger. Er sei vielmehr eine spontane Reaktion auf die unerwartete Gegenwehr des alten Ehepaars gewesen. 

Bitte „um eine letzte kleine Chance“

Die Verteidiger der beiden 19 und 21 Jahre alten Angeklagten forderten für ihre Mandanten die Anwendung des Jugendstrafrechts, bei beiden jungen Männern sehe man noch erhebliches Nachreifepotenzial. Während die beiden anderen Anwälte kein konkretes Strafmaß fordern wollten, legte sich der Anwalt des 21-Jährigen auf „eine Jugendstrafe, die sechs Jahre nicht übersteigt“ fest – wegen Raubes. Sein Mandant hatte den Prozess über geschwiegen, der Polizei gegenüber aber seine zwei Kumpane schwer belastet. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer Freiheitstrafen von dreizehneinhalb und zwölf Jahren sowie 13 Jahren und neun Monaten gefordert. Im Fall des 19-Jährigen hatte sie auf die Anwendung von Jugendstrafrecht plädiert, im Fall des 21-Jährigen nicht.

Ihre letzten Worte begannen alle drei Angeklagten nicht nur unisono mit „Guten Tag“, auch was danach kam, war beinahe deckungsgleich. Es täte ihnen „sehr, sehr leid“, was mit den beiden alten Leuten passiert sei, aber sie hätten sie nicht berührt, das seien die anderen gewesen. Alle drei bitten „um eine letzte kleine Chance“. Der 21-Jährige bittet die Große Strafkammer, bei der Urteilsfindung auch an seine Familie zu denken: „Alle sitzen zu Hause, warten auf mich und weinen.“ Ein Urteil soll am 4. Oktober gesprochen werden.

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