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Prozess um Öl-Attacke in Frankfurt Vier Jahre Haft für Attacke mit heißem Öl

Ein Mann kippt seiner Frau heißes Öl ins Gesicht und wird vom Landgericht Frankfurt wegen Körperverletzung verurteilt. Sein Ziel sei gewesen, die Frau dauerhaft zu entstellen.

Gericht Frankfurt
Schild am Gericht in Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Das Frankfurter Landgericht hat einen 53 Jahre Mann, der seiner Ehefrau siedendes Öl in das Gesicht gekippt hatte, wegen gefährlicher und versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Die Kammer lag damit über dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von drei Jahren und neun Monaten. In der Urteilsbegründung stufte das Gericht die Tat als „menschenverachtend und unwürdig“ ein. Der Mann hatte seine Ehefrau, die ihn zu verlassen drohte, dauerhaft entstellen wollen.

Die Verbrennungen, die die 35 Jahre alte Frau erlitten hatte, waren nicht zuletzt durch das beherzte Eingreifen des 15 Jahre alten Sohnes nicht so nachhaltig wie befürchtet. Der Junge, der Augenzeuge der Tat in der Bornheimer Wohnung gewesen war, hatte die Verbrennungen der Mutter mit kaltem Wasser behandelt und den Notarzt gerufen. Im Gegensatz zu seinen 1993 aus Bangladesch eingewanderten Eltern spricht er Deutsch.

Am ersten Verhandlungstag hatte die Frau, die auch als Nebenklägerin auftrat, überraschend ihre bei der Polizei gemachten Aussagen zurückgezogen und ihrem Mann offiziell verziehen. Er bereue seinen „Fehler“ und werde ihn gewiss nicht wiederholen.

Der Mann hatte der Frau aus der Untersuchungshaft heraus mehrere Briefe geschrieben, in denen er sie seiner ewigen Liebe versichert sowie daran erinnert hatte, dass sie ohne ihn in diesem ihr immer noch fremden Land rettungslos aufgeschmissen sei.

Das rätselhafte Verhalten der Frau lässt sich möglicherweise mit ihrem rudimentären sozialen Umfeld erklären. Die Frau lebte seit Jahren völlig unselbstständig und isoliert, soziale Kontakte gab es höchstens zu anderen Einwanderern aus Bangladesch.

Diese Community, so ließen einige Zeugenaussagen erahnen, hatte ihr aber offenbar vollständig den Rücken gekehrt, nachdem sie sich entschlossen hatte, ihren gewalttätigen Ehemann anzuzeigen. Wie der Täter selbst scheinen viele von ihnen der Ansicht zu sein, dass es sich bei der Tat zwar um einen „kleinen Fehler“ – so hatte das der Mann am ersten Verhandlungstag unter Tränen selbst genannt – gehandelt habe, aber so etwas könne halt schon mal passieren, und entschuldigt habe sich der Mann ja schließlich auch.

Der Verteidiger des Mannes, der auf eine Bewährungsstrafe plädiert hatte, kündigte an, in die Revision gehen zu wollen.

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