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Prozess in Frankfurt Verbotene Liebe vor Gericht

Ein junger Mann steht wegen der Beziehung zu einem Kind vor dem Amtsgericht Frankfurt. Als die beiden sich kennenlernten, war er 19, das Mädchen 13 Jahre alt.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

„Ich bin kein Sexualstraftäter“, beteuert der 21 Jahre alte Daniel am Mittwochmorgen auf der Anklagebank des Amtsgerichts Frankfurt. Das ist zu diesem Zeitpunkt juristisch korrekt, denn bislang ist der junge Mann nur wegen Einbruchs, Betrugs, Körperverletzung, Drogendelikten und Schwarzfahrens mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Aber nur kurz darauf verwarnt ihn das Gericht wegen sexueller Handlungen an einem Kind und der Herstellung von Kinderpornografie und verdonnert ihn zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit und diversen Gesprächen im Männerzentrum.

Das ist nicht so skandalös, wie es klingt. Daniel und Silvia sind heute noch ein Paar. Silvia ist 15, sieht aber älter aus. Sie begleitet ihren Freund zu Gericht und ist auch als Zeugin geladen, wird aber als solche nicht gebraucht. Silvia ist das in der Anklage genannte Kind.

Als die beiden sich kennenlernten, war Daniel 19, Silvia 13 Jahre alt. „Wir lieben uns über alles“, beteuert Daniel und kann das sogar beweisen, denn er hat von fast jedem Akt ihrer Liebe Handy-Videos gedreht. In seinem Einzimmerappartement in der Hanauer Landstraße, in Silvias Kinderzimmer in Lampertheim. Daniel sagt, er habe nicht gewusst, dass Silvia damals vor dem Gesetz noch ein Kind gewesen sei. Sonst hätte er gewartet, wie sich das gehört: „Was soll man machen? Ist Gesetz.“

Gegen ihn spricht, dass er Silvia auf den Handy-Videos in der Hitze des Gefechts immer wieder fragt, wie alt sie sei, und die junge Dame „13!“ in die Kamera jauchzt. „Ist Scherz, hab’ ich gedacht“, sagt Daniel, der später mal Schornsteinfeger werden will. „Ich verstehe nicht, warum mir nicht geglaubt wird“, wundert sich Daniel, dem nicht geglaubt wird. Er liebe Silvia noch immer abgöttisch, sagt Daniel, auch wenn er wenig über sie wisse. Etwa ihr Alter. Er glaubt, sie besuche die Realschule, weiß es aber nicht genau. Er glaubt, danach wolle sie Jura studieren und Anwältin werden oder so.

Als Freigänger zum Prozess

Zwar habe man täglich stundenlang miteinander telefoniert, um die Flamme der Fernbeziehung am Lodern zu halten. Aber oft habe man gar nichts gesagt. „Ich habe am Telefon ihren Fernseher gehört und sie an ihrem Telefon meinen“ – die Liebe geht mitunter seltsame Wege. Er wisse auch nicht mehr, wann sie zusammengekommen seien, was besonders traurig sei: „Alle Pärchen haben ein Datum, das sie sich auf den Arm tätowieren lassen können – nur ich nicht.“

Die illegale Beziehung wäre wohl nie aufgeflogen – Daniel und Silvia waren’s zufrieden, und Silvias Mutter war es egal. Dumm nur, dass die Polizei wegen einer anderen Geschichte Daniels Handy konfiszierte und die Filme sah, wo eine junge Nackte „13!“ krähte. Wegen der anderen Geschichte hatte das Frankfurter Landgericht Daniel zu einer Woche Jugendarrest verdonnert – die er just in dieser Woche in Gelnhausen absitzt. Für den Prozesstag hat er Freigang.

Nachdem sein Verteidiger Daniel überreden kann zuzugeben, dass Silvias Alter ihm schlicht egal gewesen sei, ringt sich das Amtsgericht zu einer milden Strafe und Jugendstrafrecht durch. „Ich bin nicht wie andere Leute, die ihre Freundin schlagen“, beteuert Daniel, und das Gericht sieht das wohl ähnlich. Und so fallen sich vor dem Gerichtssaal Schornsteinfeger und Rechtsanwältin in spe in die Arme. Das muss wohl Liebe sein.

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