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Prozess in Frankfurt Schwesta Ewa bleibt in Haft

1. UpdateAuch wenn Zeuginnen aussagen, dass sie nicht zur Prositution gezwungen wurden: Das Landgericht Frankfurt will eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung und Steuerhinterziehung nicht ausschließen.

Prozess gegen Rapperin Schwesta Ewa
Die angeklagte Rapperin Schwesta Ewa muss - zumindest vorerst - in Haft bleiben. Foto: dpa

Schwesta Ewa muss noch weiterbrummen. Der erwartete Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls vom 9. November vergangenen Jahres, den ihr Verteidiger Stefan Bonn am Dienstag stellte, wurde von der Kammer unter dem Vorsitz von Richter Martin Bach abgelehnt.

Bonn hatte zuvor argumentiert, nach den Aussagen der vier mutmaßlichen Opfer vom Vortag, die im Tenor die Angeklagte entlastet hätten, könne vom Vorwurf des Menschenhandels und der Zuhälterei „allenfalls nur noch sehr eingeschränkt“ die Rede sein. Auch die Steuerhinterziehung stelle sich nicht gerade dramatisch dar. Bereits am Morgen hatte ein Steuerfahnder ausgesagt, die Angeklagte habe ihre hinterzogenen Steuern – es geht um eine Summe von etwa 50 000 Euro – schon längst „auf Heller und Cent“ zurückgezahlt. Seine Mandantin sei geständig, reuig und nicht vorbestraft, es drohe bei ihr auch keinerlei Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Angesichts einer erwartbaren „bewährungsfähigen Freiheitsstrafe“, also einer von bis zu zwei Jahren, und den bereits acht in U-Haft verbrachten Monaten liege eine Aufhebung des Haftbefehls auf der Hand.

Die Kammer sah dies anders. In seiner Begründung der Zurückweisung des Antrags der Verteidigung ließ Richter Bach durchblicken, dass es womöglich keine Verurteilung wegen „dirigierender und ausbeuterischer Zuhälterei“ geben könnte. Auch die Steuerhinterziehung, bei der gestern mehrere Einzelvorwürfe eingestellt worden waren, rechtfertige eine andauernde U-Haft kaum. Es blieben aber immer noch 35 Körperverletzungsdelikte übrig, zwei davon gar gefährliche, so dass eine Bewährungsstrafe „nicht zwingend“ am Horizont stehe.

Zudem besitze die Angeklagte ein „hohes Aggressionspotenzial“, was diese im Prozess selbst eingeräumt hatte. Die Kammer sehe durchaus eine Verdunklungsgefahr. Es sei nicht auszuschließen, dass Schwesta Ewa, deren mutmaßliche Opfer ihr immer noch „sehr zugetan“ seien, versuchen könnte, Einfluss auf die Zeuginnen zu nehmen. Schließlich sei die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen.

Vor allem aber sei es durchaus „verhältnismäßig“, dass die Angeklagte noch eine weitere Woche in U-Haft verbringe. Denn viel mehr wird es kaum werden. Bach ist guter Hoffnung, dass die Beweisaufnahme bereits am nächsten Verhandlungstag, dem kommenden Dienstag, abgeschlossen werden könne. Am gleichen Tag könnten Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung auch ihre Plädoyers halten. Ein Urteil könnte bereits am Folgetag gesprochen werden.

Die Angeklagte zeigte sich äußerlich von dem Geschehen unbeeindruckt, zeigte aber am Dienstag erstmals Anflüge eines Lächelns.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schwesta Ewa

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