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Prozess in Frankfurt Prozess als lustiges Happening für Antifa

Vor dem Frankfurter Amtsgericht laufen zwei Prozesse vor lautstarkem Antifa-Publikum. Das Gericht wird als Podium für Welterklärungen genutzt.

Römerberg in Frankfurt
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Am Ende ihres Vortrags erntet Anklägerin Karin Z. donnernden Applaus. Es war aber auch eine gute Anklage. Es ging um die Verdrängung von Normalverdienern und anderen Randgruppen aus der Stadt Frankfurt, um den ungebremsten Zuzug von brexitflüchtigen Bankern und deren Familien, um Gerechtigkeit und Toleranz. Selbst Richter Peter Pulch muss anerkennen, dass da was dran ist. Er selbst sei bereits Mitte der 90er aus Frankfurt abgehauen, weil es ihm zu teuer geworden sei. Der einzige Makel an der tollen Anklage: Karin Z. sitzt auf der Anklagebank.

Die 34 Jahre alte Angestellte muss sich wegen Landfriedensbruchs verantworten. Sie soll im Juli 2016 bei einer Demo, initiiert von der Interventionistischen Linken und dem Bündnis „Stadt für alle“, an rund 150 radelnde Protestanten Wasserbomben und Farbeier verteilt haben, mit der diese dann ein frischgebautes Parvenü-Cluster in der Europa-Allee unter Beschuss nahmen. Zur Sache will Karin Z. sich nicht äußern.

Für ihren Verteidiger Markus Künzel, den Meister Eder der lokalen Antifa, ist dieser Fall kaum mehr als eine juristische Fingerübung. Schnell ist eine Vielzahl neuer Zeugen benannt, die zur Begeisterung der zahlreich erschienenen Unterstützer einen neuen Verhandlungstag vonnöten machen. Und die dann genaue Angaben zu Wetter, Temperatur und Windrichtung zur Tatzeit machen und sagen können, ob die Farbeier aus Boden- oder Freilandhaltung stammten. Wenn’s der Wahrheitsfindung dient…

Paulskirche verunziert

Gut drei Stunden später, gleicher Ort: Thomas P. beginnt die Verlesung seiner persönlichen Anklage mit dem Satz: „Der 2. Oktober ist der Tag vor dem Mauerfall.“ Passt ja, denn Thomas P. (36) und Fabian K. (24) sind wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung angeklagt. In der Nacht auf den 3. Oktober 2016 sollen sie Paulskirche und Einheitsdenkmal mit dem Schriftzug „BRD – Abschiebeweltmeister“ verunziert haben. Thomas P. geißelt die „rassistische Außen- und Innenpolitik der BRD“, beleuchtet die prekäre Menschenrechtslage in Eritrea und erntet am Ende ebenfalls Applaus.  

Nur nicht den von Richter Pulch, der mittlerweile guckt, als habe er unter seinem Pult ein Stück Käse entdeckt, das schon so lange dort liegt wie Rosa Luxemburg tot ist. Der 3. Oktober sei nicht der Tag des Mauerfalls, sondern der Wiedervereinigung, belehrt der Richter. Immerhin beginnt der Mitangeklagte Fabian K. daraufhin seine Anklage mit dem Satz: „Der 3. Oktober ist der Tag der deutschen Einheit“, was ja für einen Lerneffekt spricht. Zur Sache sagen beide nichts. Am Ende: Applaus!

Überhaupt kommt das Publikum langsam in Wallung, klatscht, quatscht, lacht und treibt noch manch anderen Schabernack. Richter Pulch verweist erst eine Einzelperson wegen des Abspielens von Parolen auf dem Handy des Saales, dann fliegt die komplette erste Reihe wegen Entrollen eines Transparents raus, schließlich grölt noch eine Handvoll „Bleiberecht für alle!“ ins Plädoyer des Staatsanwalts. Verteidiger Künzel fordert Freispruch, der Staatsanwalt nicht, Richter Pulch wählt die salomonische Mitte und verurteilt den einen zu 60 Tagessätzen à zehn Euro und spricht den anderen frei. Aber das ist eigentlich völlig unwichtig. Wichtig ist: Der Kampf geht weiter!

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