Lade Inhalte...

Prozess in Frankfurt Prinz Marcus gibt sich vor Gericht die Ehre

Marcus Frank Adolf Prinz von Anhalt steht in Frankfurt wegen Beleidigung vor dem Kadi. Er hatte betrunken übel in seinem Live-Chat gepöbelt.

Promis in Frankfurt
Marcus Frank Adolf Prinz von Anhalt ist von uralter RTL-II-Adelsdynastie. (Archivbild) Foto: rtr

Pünktlichkeit mag die Höflichkeit der Könige sein, aber Marcus Frank Adolf Prinz von Anhalt lässt sich auch nicht lumpen und erscheint noch vor der Zeit am Amtsgericht. Der Prinz entstammt einer uralten RTL-II-Adelsdynastie, sein Stammbaum lässt sich zurückverfolgen bis zu Prinz Frédéric von Anhalt, der ihn 2006 adoptierte. 

Manche sagen, der Titel habe als Türöffner gedient, dabei betreibt der Prinz ein Gewerbe, das eher durch Zuhalten Geld generiert. „Brauchen Sie den Prinz?“, fragt der Richter. „Brauch’ ich nicht!“, sagt Herr von Anhalt, geborener Eberhardt. Der Prinz, der sich selbst bescheiden „Kaufmann im Ruhestand“ nennt, muss sich wegen Beleidigung verantworten. Er hatte im März 2017 einen Teilnehmer seines Live-Chats als „Wichser“, „Dreckskerl“, „Kanake“ und „Scheiß-Grieche“ tituliert, dafür einen Strafbefehl über 40 mal 100 Euro kassiert und widersprochen. Da der Prinz bereits früher der Staatsanwaltschaft durch Hitler-Grüßerei und „Beleidigungen, die die Grenze zur Volksverhetzung tangieren“, unangenehm aufgefallen war und ein Vorstrafenregister so prall wie seine Börse hat, hatte die Staatsanwaltschaft der Einstellung des Verfahrens widersprochen und den Prinzen vorgeladen.

Sein Mandant, sagt des Prinzen Advokat, habe sich während des Live-Chats „in einem Zustand jenseits der Norm“ befunden. Eigentlich habe beim Live-Chat halt „Gossen-Jargon“ gemäß der Etikette des Hofes geherrscht, präzisiert der Prinz. Er gebiete über „etwa 220 Millionen Follower“, sagt der Prinz, „die meisten davon sind Hater“, stellt sein Anwalt klar. Das Volk habe ihm wie üblich mit Lobgesängen wie „Hurensohn, Hurensohn, blablabla“ gehuldigt und auch, wie es sich gehöre, die „geilen Möpse“ der Prinzgemahlin gepriesen, aber „die dritte Flasche Beluga-Wodka“ sei wohl schlecht gewesen und er darob ein wenig aus der Rolle gefallen. Und wegen des Nazi-Krams: „Heil Hitler“ habe er anno Tobak mal gebrüllt, weil die Polizei ihn an die Gestapo erinnert habe, er werde ja auch ständig verhaftet. Aber sonst geht’s ihm gut: „Alle meine Freunde sind Juden! Ich heirate im August ein Flüchtlingskind aus dem Iran!“, sagt der Prinz und wirkt dabei halbwegs nüchtern.

Prinzliche Weisheit

Die 5000 Euro, die er schließlich fürs Einstellen des Verfahrens zahlen muss, will der Prinz auch konsequent an „Ein Herz für Kinder“ überweisen, aber das ist dem Gericht dann doch zu peinlich. Das Geld teilen sich nun das Kinderhospiz Bärenherz und die Anne-Frank-Stiftung.

Am Ende der Verhandlung dauert der Prinz die Staatsanwältin. Sie hat mal versucht, in seine Live-Chats reinzuschauen. „Ich ertrage das nicht. Und ich glaube, Sie ertragen das auch nicht.“ Dem Prinzen, der mit 51 Lenzen optisch an einen mumifizierten Dieter Bohlen erinnert, entlockt sie mit dieser humanen Geste Worte von so prinzlicher Weisheit, wie das seit Saint Exupéry kaum mehr gelungen ist: „Meine Lehre: nie mehr betrunken live chatten!“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen