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Prozess in Frankfurt Mutter ermordet, Töchter bedroht

Das Frankfurter Landgericht verhandelt gegen einen Oberurseler Familienvater, der seine Frau erstach.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Nicht ohne Grund fürchtet der Volksmund den Zorn eines ruhigen Mannes. Milenko P. vermittelt am ersten Verhandlungstag seines Prozesses vor dem Frankfurter Landgericht den Eindruck eines sehr ruhigen Mannes. Er hat an diesem Tag aber auch nicht viel mehr zu tun, als der Verlesung der Anklage zuzuhören. Wobei es auch schon eine Kunst sein kann, dabei ruhig zu bleiben. Der 41 Jahre alte P., der vor seiner Festnahme als Hausmeister in einem Altenheim gearbeitet hatte, muss sich wegen Mordes und Nötigung verantworten.

Der Mord: Am Abend des 20. Oktober 2017 kehrt P. in die Wohnung im Oberurseler Stadtteil Weißkirchen zurück, die er mit seiner Familie noch kurz zuvor gemeinsam bewohnt hat, aus der er aber schon vor ein paar Tagen ausgezogen ist – derzeit haust er bei einem Cousin. Der Grund für den Streit ist auch der Grund seines Besuchs: Er verdächtigt seine 31 Jahre alte Ehefrau, via Instagram ein Verhältnis zu einem Unbekannten pflegen. Die Frau, die gerade in der Küche beim Staubsaugen ist, teilt ihrem vor Eifersucht rasenden Ehemann mit, dass ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken ihn nichts angingen. Er nimmt ein Messer und sticht auf sie ein, allein 25 Stiche werden später in ihrem Oberkörper gezählt, sie treffen Herz, Lunge und Leber. Die Frau stirbt noch am Tatort. Als Mordmerkmale nennt die Anklage Heimtücke und niedere Beweggründe. P. sei „verärgert über die aus seiner Sicht bestehende Aufsässigkeit“ seiner Gattin gewesen. Diese soll die gemeinsame Wohnung laut Anklage selten verlassen haben.

Die Nötigung: Nach der Bluttat begibt sich der Vater in das benachbarte Wohnzimmer. Dort sitzen, als Ohrenzeugen völlig verängstigt, die beiden neun und zwölf Jahre alten gemeinsamen Töchter des Ehepaars sowie ein 15 Jahre alter Neffe. Wenn sie es wagten, irgendjemandem davon zu erzählen, dann werde er sie auch alle umbringen, droht er, nach wie vor mit einem Messer bewaffnet. Dann verlässt er die Wohnung. Der 15-Jährige ruft dennoch Rettungsdienst und Polizei an. Der Täter allerdings stellt sich kurz darauf auf der Polizeiwache von Oberursel.

Kinder sollen vernommen werden 

Seine Verteidigung stellt am ersten Verhandlungstag in Aussicht, ihr Mandant werde sich am nächsten Prozesstag im September zur Anklage einlassen. Dann sollen auch die Zeugen gehört werden – und in deren Auftritt liegt bereits jetzt juristischer Sprengstoff. Denn sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Vertreter der Nebenklage beantragen, dass der Neffe und vor allem die Töchter vernommen werden, wenn der Angeklagte nicht im Gerichtssaal sitzt. Ihr liege eine Bescheinigung der Jugendgerichtshilfe vor, sagt die Nebenklägerin, die die Töchter vertritt, welche attestiere, dass die Kinder „panische Angst haben, in Gegenwart ihres Vaters auszusagen“. Die Verteidigung des Angeklagten aber kündigt an, diesem Ansinnen entgegentreten zu wollen, aus welchen Gründen auch immer. Die große Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Volker Kaiser-Klan wird nun bis zum nächsten Verhandlungstag entscheiden müssen, wie sie es halten will. Es scheint auch der Wunsch des Vaters zu sein, bei der Aussage seiner Töchter ein Auge auf diese zu haben.

So ganz genau kann man das natürlich noch nicht wissen. Denn P.s ruhiger Auftritt mag auch damit zusammenhängen, dass der in Serbien geborene Mann der deutschen Sprache nur eingeschränkt mächtig ist. Die Frage, ob der Angeklagte für den weiteren Prozessverlauf die Hilfe eines Dolmetschers benötigt, kann so noch nicht abschließend beantwortet werden. Im Großen und Ganzen, so die Verteidigung, verstünde ihr Mandant alles – nur bei schwierigen Wörtern werde es knifflig. Man bitte daher „um Einfacheit der Sprache“.

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