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Prozess in Frankfurt Mutmaßlicher Vergewaltiger gibt sich unverfroren

Der 25 Jahre alte Angeklagte in einem Vergewaltigungs-Prozess vor dem Frankfurter Landgericht lügt das Blaue vom Himmel runter. Zeitangaben ändern sich dabei minütlich.

Prozesse in Frankfurt
Das Land- und Amtsgericht in Frankfurt. Foto: dpa

Said M. muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten. Laut Anklage hatte der heute 25-Jährige im Januar 2015 eine flüchtige Bekannte mit dem Versprechen, sie dort zu bekochen, in seine Wohnung gelockt. Dort habe er sie dann mit einem Messer und den Worten „Du wirst jetzt alles machen, was ich will, du Schlampe“ bedroht. Nachdem er sie mehrfach vergewaltigt habe, habe er sie mit dem Hinweis, sie habe „drei Sekunden Zeit zu gehen, sonst schneide ich dir den Kopf ab“ fortgejagt. Die Frau flüchtete, so schnell sie konnte, ihre Kleider unter dem Arm, in die Nachbarwohnung, wo man Hilfe holte.

Eigentlich hätte Said M. seitdem bereits zweimal der Prozess gemacht werden sollen. Aber das eine mal war die Kammer überlastet, das andere mal erschien Said M. nicht zu seinem Prozess. Er habe damals „viele Ängste gehabt“ und „die ganze Nacht nicht schlafen können“, entschuldigt M. heute sein damaliges Fernbleiben.

Es ist nicht so, dass Said M. nicht in Untersuchungshaft gesessen hätte. Das hat er im September dieses Jahres, vier Tage lang. Allerdings nicht wegen der Vergewaltigung. Der Bankautomat hatte M. Ende Juni mangels Kontodeckung das Bargeld verweigert. Der habe sich daraufhin laut Staatsanwaltschaft „in seiner Ehre gekränkt“ gefühlt, in der Bank herumrandaliert und die alarmierten Polizisten mit massiver Gegenwehr sowie als „Hurensöhne“ und „Missgeburten“ begrüßt. Der U-Haft folgte eine kurzzeitige Unterbringung: Das Gericht wollte wissen, ob M. zurechnungsfähig sei. Das Ergebnis der Untersuchung besagte offensichtlich, dass er es ist.

Asylantrag des Angeklagten abgelehnt

Am ersten Verhandlungstag will Said M. sich zu den Tatvorwürfen nicht äußern. Das ist vielleicht auch besser so, denn die Einlassungen zu seiner Person zeigen: Entweder ist M. zu dumm zum Lügen - oder er gibt sich keine Mühe. Ein Beispiel: Sein Vater, sagt er, sei Arzt, seine Mutter Krankenschwester in einem Krankenhaus gewesen, das Terroristen in die Luft gejagt und beide getötet hätten. Offenbar mehrfach: Einmal kurz nach M.s Geburt, einmal bei seiner Einschulung und ein paarmal dazwischen – die diesbezüglichen Zeitenangaben ändern sich minütlich.

Auf den Vorhalt des Richters, laut Akten sei seine Mutter keine Krankenschwester, sondern Hausfrau, und sein Vater kein Arzt, sondern Bauer gewesen, und außerdem nicht tot, sondern offiziell verschollen, räumt M. ein: Gut, sein Vater sei kein richtiger Arzt gewesen, habe sich aber oft im Krankenhaus aufgehalten, und wenn nicht, habe er gerne im Garten gejätet, sei also auch Bauer gewesen. Und seine Mutter sei zwar keine richtige Krankenschwester gewesen, habe aber oft bei Geburten geholfen. Und ob tot oder verschollen, das sei ja eigentlich egal: Hauptsache weg.

Dass er damals bei seiner Ankunft in Deutschland auch dem Bundesamt für Migration die Hucke vollgelogen habe, erklärt er so: Ein Freund habe ihm diese Lügen empfohlen, weil sie ein Garant für die Anerkennung eines Asylantrags seien. Aber da habe der Freund offenbar gelogen, denn aus unerfindlichen Gründen sei sein Asylantrag abgelehnt worden. Vorerst muss er aber keine Abschiebung fürchten: Der Prozess wird fortgesetzt.

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