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Prozess in Frankfurt Mit falschen Luxus-Taschen Kunden übers Ohr gehauen

In Frankfurt beginnt ein Prozess gegen zwei Boutiquen-Betreiberinnen, die in großer Zahl falsche Luxus-Handtaschen verkauft haben sollen.

Symbolfoto Gericht
Justitia. Foto: Imago

Erbgraf E. zu E. wurde auf das Grausamste getäuscht. „Der Graf ging davon aus, ein Original zu erwerben“, so formuliert es die Anklageschrift. Und also erwarb der Graf im falschen Glauben an Treu und Redlichkeit von Krämerseelen ein Handtäschchen der Marke Prada für schlappe 1800 Euro. Das Misstrauen des Grafen schlummerte vielleicht auch deshalb, weil das gleiche Täschchen im Prada-Flagship-Store gleich nebenan bloß schlappe 200 Euro günstiger feilgeboten wurde. Aber das war immerhin echt. Das gräfliche entpuppte sich als plumpe Fälschung aus Fernost.

Und der Verkauf von Fälschungen entpuppte sich als Geschäftsmodell der beiden 50 und 38 Jahre alten Frauen, die sich seit Donnerstag wegen Verstoßes gegen das Markengesetz vor dem Landgericht verantworten müssen. In zwei Boutiquen in der Alten Rothofstraße und am Flughafen sollen die beiden – die ältere als Verkäuferin, die jüngere als Inhaberin – sündhaft teure Luxus-Täschchen als angebliche Outlet-Ware zu gerade noch glaubhaften Preisen an arglose Grafen und andere Kunden verkauft haben.

Frankfurt: Plagiate als echte Ware angeboten

Bei den angebotenen Waren handelte es sich fast ausschließlich um Plagiate. Wenn auch nicht ausschließlich. Bei der Durchsuchung der Geschäftsräume im Juni dieses Jahres fanden sich auch ein paar echte hochwertige „Staubbeutel“, die aus einem Einbruch bei einem echten Hersteller feinster italienischer Staubbeutel stammten. Bei Staubbeuteln handelt es sich übrigens weder um ein Staubsauger-Accessoire noch um eine Koks-Täschchen, sondern um eine Art Turnbeutel, nur hundertmal so teuer.

Fest steht jedenfalls, dass es sich bei fast keinem der verkauften Artikel um ein „Gemeinschaftsgeschmacksmuster“ handelte. Bei einem solchen geht es um ein gewerbliches Schutzrecht der Europäischen Union, das die Erscheinungsform eines Erzeugnisses oder eines Teils davon schützen soll. Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann durch eine Anmeldung beim Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (Marken, Muster und Modelle) in Alicante für etwa 350 Euro erlangt werden und liegt damit deutlich unter dem Preis eines Prada-Täschchens.

Prozess in Frankfurt: Frauen äußern sich nicht zu Vorwürfen

Die beiden aus Syrien stammenden Angeklagten haben am Donnerstagmorgen einen dezenten und stillen Gerichtsauftritt. Die Inhaberin hat einen legeren Freizeitlook gewählt, ihr Gesicht verbirgt sie hinter einem Briefumschlag in der Trendfarbe Beige, die nachgewachsenen unblondierten Haare lassen auf einen Style-Engpass in der JVA schließen, in der die Frau derzeit in U-Haft sitzt. Die Mitangeklagte kombiniert eine elegant abgetragene Jogginghose mit dem angesagten IS-Braut-Look: verspiegelte Sonnenbrille und zum Gesichtsschleier umfunktionierter schwarzer Schal, den sie auch während der Verlesung der Anklage nicht abnimmt.

Mehr passiert am ersten Verhandlungstag auch nicht. Die Frauen wollen sich nicht äußern, die Zeugenaussage des Grafen wird erst für heute mit Spannung erwartet. Laut Anklage hatten die Fälschungen, die bei den Durchsuchungen gefunden worden waren, einen Verkaufswert von rund 600 000 Euro.

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