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Prozess in Frankfurt Migrationsmakler in Frankfurt verurteilt

Ein Afghane verspricht geflüchteten Landsleuten Wohnungen und kassiert dafür viel Geld. Auf die Wohnungen hoffen die Betrogenen vergeblich. In Frankfurt wird der 45-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt.

Symbolfoto Gericht
Justitia. Foto: Imago

Wie die Anklage verrät, gehört Timor W. zu einer Bevölkerungsgruppe, die bei vielen als gierig, bildungsfern, frech, unintegrierbar und kriminalitätsaffin gilt: Er ist Makler. Aber was für einer! Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45 Jahre alten Afghanen vor, allein von Februar bis April 2016 durch diverse Flüchtlingsunterkünfte der Region getingelt und sich seinen Landsleuten als großer Zampano vorgestellt zu haben, der ihnen nicht nur Wohnungen besorgen, sondern auch sonst manche Wunderdinge wirken könne. Von mindestens vier Familien soll er dafür mehr als 2600 Euro Courtage kassiert haben, ohne je eine Wohnung zu liefern.

Kein Wunder. W. ist gar kein Makler, wie er gesteht, sondern arbeitsloser Hotelkaufmann. Den Bogen hatte er überspannt, als er einer von Amts wegen in einem Kindergarten untergebrachten Familie nachträglich noch eine Vermittlungsgebühr abknöpfen wollte. Den 35 Jahre alten Mohammed S. hat es am schlimmsten erwischt. Er ist bereits etwas länger in Deutschland und arbeitete nach eigenen Angaben als „Security“ in einem Flüchtlingsheim, wo er M. traf. Der versprach ihm für 1700 Euro nicht nur eine Bude, sondern wollte auch dafür sorgen, dass das Verfahren gegen S. wegen sexueller Nötigung eingestellt werde. S. zahlte. Auf die Bude aber warte er noch heute, das Verfahren habe sich von allein erledigt.

Wahnwitziges Gefasel

Er sei ein Menschenfreund, beteuert W. vor dem Amtsgericht. Allerdings einer, der wegen Betrugs, Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung, Beleidigung und vielem mehr vorbestraft ist. Seit 1990 lebt der nach eigenen Angaben „Sohn eines Multimilliardärs aus Afghanistan“ in Deutschland aus Bescheidenheit mit seiner fünfköpfigen Familie von Hartz IV und Kindergeld. Das Auswärtige Amt habe ihn beauftragt, den Flüchtlingen zu helfen, ihn aber nicht dafür bezahlt. Er gibt zu, vom einen oder anderen Flüchtling den einen oder anderen Hunderter angenommen zu haben – aber doch nur, weil er die ständig zum Döner-Essen eingeladen habe, und so einen Döner bekomme selbst ein afghanischer Milliardärssohn nicht geschenkt. Er habe nichts Böses getan, und das Gute habe er nicht des Geldes wegen, sondern „aus Liebe zum Grundgesetz“ getan. „Denn im Grundgesetz steht: Eine Frau, die schwanger ist, soll auch selbst kochen!“ Das ist noch so ziemlich das Sinnvollste, das W. von sich gibt.

Die gute Nachricht: Trotz aberwitzigen Gefasels entgeht W. der Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Die schlechte: Das Gericht ist von dem sinnentleerten Wortschwall so genervt, dass es die Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs ausnahmsweise nicht zur Bewährung aussetzt. W. will daraufhin seine ehrenamtliche Flüchtlingshilfe vermutlich einstellen: „Ich bin fertig mit dem Pack!“

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