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Prozess in Frankfurt Mann mit der Schere in den Hals gestochen

Nach einem Kneipenabend in Frankfurt gibt es im Bahnhofsviertel Streit. Ein 42-Jähriger rammt einem 23-Jährigen eine Schere in den Hals. Nun steht der Ältere vor Gericht, wegen versuchten Totschlags.

Prozesse in Frankfurt
Das Land- und Amtsgericht in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Mohamed B. ist ein ausgewiesener Patriot. 2012 wurde der heute 42 Jahre alte gebürtige Marokkaner aus seiner Wahlheimat Deutschland ausgewiesen, 2015 kehrte er unter falschem Namen zurück. Sein erneuter Asylantrag wurde abermals abgelehnt, aber von solchen Nickeligkeiten lässt sich ein Patriot nicht beeindrucken. B. ist noch hier.

Seit Mittwoch steht B. vor dem Landgericht. Es ist nicht sein erster Prozess, aber wohl der erste wegen versuchten Totschlags. Dazu kommt noch Körperverletzung: Im November 2016 hatte B. seine Ex-Freundin in Begleitung eines fremden Mannes gesehen. Was er davon hielt, machte er klar, indem er der Frau eigenhändig mehrere Knochenbrüche im Gesicht zufügte und sie telefonisch mit dem Tode bedrohte.

In einer Septembernacht 2017 soll er in der Taunusstraße einem 23 Jahre alten Afghanen eine kleine Schere, mit der er zuvor eine Crack-Plombe geöffnet hatte, in den Hals gestochen haben. Vorausgegangen war ein Streit in einer Kneipe, bei dessen Finale B. die Glastür der Kneipe eingeschlagen hatte. „Wir sind doch alle Muslime!“, soll sein Opfer noch versucht haben, beschwichtigend auf den Wüterich einzureden, aber der antwortete auf gut Patriotisch: „Ich bin Marokkaner, du bist Afghane!“ Dann griff er zur Schere.

Zu seiner verprügelten Ex will sich B. am ersten Verhandlungstag nicht äußern. Den Scherenschnitt räumt er ein, will sich aber an Details nicht erinnern können. Es sei eigentlich ein ganz normaler Abend in der Kneipe gewesen: „Bier, Bier und Spielautomatik.“ Und jede Menge Jägermeister. Er habe auch „ein bisschen geraucht“ (Crack) und „ein bisschen Nase genommen“ (Kokain), aber bloß, um damit die Trunkenheit zu bekämpfen. Dass der Kampf sich dann auf seine Mitmenschen ausgedehnt habe, sei bedauerlich, aber nicht mehr recht nachvollziehbar. An seinen Grund für die Flucht vom Tatort erinnert er sich aber noch: „Ich hab’ kein’ Aufenthalt.“

Angesichts der recht massiven Anklage wegen versuchten Totschlags ist es wahrscheinlich, dass zumindest die Angst vor einem abrupten Ende des Aufenthalts in seinem Wahlland passé ist. Der Prozess wird fortgesetzt. Die wichtigste Lektion hat B. aber schon jetzt verinnerlicht. Denn es gibt ein Band, das die ganze Menschheit – ob Muslim oder Kafir, ob Patriot oder vaterlandsloser Geselle - vereinen und zu Brüdern im Geiste machen kann: „Ich war besoffen, er war besoffen, ist halt so passiert.“

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