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Prozess in Frankfurt Lehrer gesteht Sex mit Mädchen

Ein Frankfurter Oberstudienrat soll zwei Schülerinnen missbraucht haben. Die Taten flogen auf, als eine der beiden 15-Jährigen sich an eine Vertrauenslehrerin wendete. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

Römerberg in Frankfurt
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Es wirkt fast so, als sei es allen Beteiligten ein bisschen peinlich, diesen Prozess vor dem Amtsgericht – und sei es auch nur zu kleinen Teilen – vor aller Öffentlichkeit zu führen. Die Anklage freilich ist auch delikat: Ein Oberstudienrat, Lehrer an einem Frankfurter Gymnasium, ist wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen angeklagt. Der Mittvierziger soll im Mai 2015 mit einer damals 15 Jahre alten Schülerin intim geworden sein: Im Haus des Lehrers, der eine AG leitete, feierten damals vier Schülerinnen und sprachen dabei recht energisch dem Alkohol zu. Während drei ihren Rausch im Erdgeschoss ausschliefen, legte sich die vierte in das Bett des Lehrers.

Im zweiten Fall war kein Alkohol im Spiel: Im September 2016 soll sich der Lehrer per SMS mit einer ebenfalls 15-jährigen Schülerin zum Beischlaf in seinem Hause verabredet haben. Für beide Mädchen war es das erste Mal. Es war keine nachhaltige Leidenschaft: Beide Schülerinnen brachen nach dem Sex zumindest den E-Mail-Verkehr mit dem Lehrer ab. Bei der Durchsuchung des Hauses des Lehrers fanden die Ermittler etliche Kinderpornos auf dessen Computer.

Der Lehrer ist voll geständig, zumindest was die beiden 15-Jährigen anbelangt. Es fällt auch schwer, einen anderen Schuldigen auszumachen. Die Schule, so scheint es, hat so ziemlich alles richtig gemacht. Die Taten flogen auf, als eines der Opfer sich der Vertrauenslehrerin öffnete, die informierte die Schulleitung, die die Behörden. Das Schulamt, so sagt die Schulleiterin als Zeugin in einer der wenigen öffentlichen Passagen des Prozesses, habe sie angewiesen, den Fall mit größtmöglicher Diskretion zu behandeln. Das ist gelungen: Die Vorwürfe gegen den Lehrer, der seit der Hausdurchsuchung bei vollen Bezügen suspendiert ist, sind nicht einmal an der Schule allgemein bekannt geworden.

Er sieht deutlich jünger aus, als er ist

Die enorme Diskretion soll nicht in erster Linie den mutmaßlichen Täter schützen, sondern vielmehr die beiden minderjährigen Opfer, die nach wie vor dieselbe Schule besuchen. Dass zu Beginn der Verhandlung der Verteidiger des Lehrers einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit stellt, ist nicht nur recht und billig, sondern erwartbar. Ein Publikumsverbot gilt erst recht für die Aussagen der Opfer. Recht unerwartet kommt hingegen der Antrag der Nebenklage, die Öffentlichkeit bereits vor Verlesung der Anklage auszuschließen.

Schließlich sei es ja bis heute gelungen, den Fall „in keiner Weise in die Öffentlichkeit dringen zu lassen“, und es sei vermutlich lediglich einer Indiskretion der Justiz zu verdanken, dass heute überhaupt Publikum anwesend sei, welches sämtliche Beteiligten bei ihren Aussagen ja eher stören könnte.

Eine seltsame Auffassung von Prozessöffentlichkeit, und sie setzt sich auch nicht durch: Nachdem die Anklage einmal probeweise hinter verschlossenen Türen verlesen wird, entscheidet das Amtsgericht, dass zumindest bei der Verlesung der Anklage keine Geheimniskrämerei vonnöten sei. Man müsse „kein Praktikant bei einem Revolverblatt“ sein, um zu ahnen, was die Presse aus diesem Fall machen werde, bangt die Nebenklage.

Der Lehrer bleibt am ersten Verhandlungstag eine weitgehend rätselhafte Erscheinung. Er sieht deutlich jünger aus, als er ist. Und er scheint auch ansonsten Interesse an der Jugend zu haben. Zu dem Zeitpunkt der Taten war er mehr oder weniger fest liiert – ebenfalls mit einer ehemaligen Schülerin des Frankfurter Gymnasiums, die aber zu Beginn ihrer Beziehung immerhin halb so alt wie er selbst und damit volljährig gewesen sein soll.

Ende des Monats soll der Prozess weitergehen. Dann sollen die Polizisten gehört werden, die die Kinderpornos auf dem Computer des Lehrers ausgewertet haben. Deren Besitz leugnet der Lehrer nicht. Er sagt aber, die Bildqualität sei zu miserabel gewesen, um sich an ihnen delektieren zu können.

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