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Prozess in Frankfurt Kollegen Messer in die Brust gestoßen

Ein Mann stößt auf einer Frankfurter Baustelle bei einem Streit um eine Flex einem Kollegen ein Messer in die Brust. Vor Gericht beklagt er den mangelnden Respekt seines Opfers.

Gerichtszentrum Frankfurt
Das Gerichtszentrum Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Der 49 Jahre alte Hussein A. steht wegen versuchten Totschlags vor dem Frankfurter Landgericht. Er soll am 8. Dezember 2017 seinem Arbeitskollegen Peter K. (35) auf einer Sachsenhäuser Baustelle von hinten ein Kneipchen in die Brust gestoßen und dessen Herz nur knapp verfehlt haben. Vorausgegangen war laut Anklage ein Streit um eine Flex.

„Darf ich die Geschichte von Anfang an erzählen?“, fragt A. nach Verlesung der Anklage. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan bittet darum. Die Geschichte, erzählt A., habe bereits am Nikolaustag 2017 begonnen. Er habe die Flex leihen wollen, mit der K. gerade gearbeitet habe. Die Flex verleiht ihrem Besitzer Macht, sie teilt Metall und macht Zahnschmerz. Leider verdirbt sie wohl auch den Charakter. Jedenfalls habe K. ihm die Flex „vor die Füße geknallt“, statt sie artig zu überreichen. Obwohl er K. „mit dem schönsten Wort, das es in meiner Sprache gibt“, um die Flex gebeten habe. Das Wort wäre mit „Bruder“ oder „Geliebter“ nur unzureichend übersetzt, stellt A. via Dolmetscher klar. „Blume des Orient?“, schlägt Kaiser-Klan vor. Das komme hin, sagt A.

Jedenfalls sei er sauer gewesen, dass der deutlich jüngere Kollege aus Serbien ihn so „ohne Respekt“ behandelt habe. Am Tag darauf habe K. „mich, meine Familie und meine Heimat Irak“ beleidigt. „Alle Serben schauten mich an und lachten“, erinnert sich A. mit Schaudern.

Am Morgen des 8. Dezember habe ihm K. dann im Baucontainer die Hand zur Versöhnung gereicht. „Aber er reichte mir die Hand, wie man sie einem kleinen Jungen reicht.“ Er habe ihm daraufhin seinen Schuh gereicht, den K. aber nicht ergriffen habe. Stattdessen habe er ihm vorgeschlagen, ihn oral zu befriedigen, was zu einer Rangelei geführt habe, in deren Verlauf ihn K. so geschubst habe, dass er trotz seiner zwei Zentner meterweit durch die Luft geflogen sei. Kurz bevor er zum Fenster des Baucontainers geflogen sei, habe er Halt an dem auf dem Tisch liegenden Kneipchen gesucht, das sei dabei in seine Hand geraten, und bei dem Versuch, den Angriff des serbischen Hünen abzuwehren, habe er ihn aus Versehen verletzt. „Er war wie ein Bruder für mich! Ich habe ihm Kaffee gekocht! Soll ich die Geschichte nochmal vom Anfang erzählen?“, fragt A. Richter Kaiser-Klan lehnt dankend ab.

Es habe „Stress“ gegeben, sagt K. im Zeugenstand. Wegen der Flex. Nur eine da. Er habe sich entschuldigt, A. habe abgelehnt. „Rauch mir doch einen!“, habe er darauf im Zorn gesagt, was einer serbischen Einladung zur Fellatio zumindest nahekomme. Aber nach vier Tagen sei er ja wieder aus der Klinik raus gewesen.

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