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Prozess in Frankfurt Immobiliendeal im Knast

In Frankfurt wollen vier Männer, die in Untersuchungshaft sitzen, Liegenschaften für 320 Millionen Euro verkaufen. Dabei geht es nur vordergründig um Steuerhinterziehung und Geldwäsche.

Römerberg in Frankfurt
Justitia ist wachsam (Symbolfoto). Foto: imago

Die Frankfurter Justiz bereitet sich auf einen Fall vor, dessen Dimensionen momentan noch schwer abzuschätzen sind. Vordergründig geht es zwar „nur“ um bandenmäßige Steuerhinterziehung, Vorenthalten von Arbeitsentgelt und Geldwäsche im zweistelligen Millionenbereich. Die Hintergrundgeschichte aber bewegt sich in ganz anderen Sphären. Vier Männer sitzen derzeit wegen der Affäre in U-Haft – und versuchen von dort aus ganz legal, ein Paket lokaler und regionaler Immobilien zum stolzen Preis von 320 Millionen Euro zu verkaufen. Und letztlich geht es um die Frage, wo das viele Geld eigentlich herkommt.

Mitte Oktober vergangenen Jahres hatten 600 Ermittler bei einer Aktion mit dem klangvollen Namen „Perle“ mehr als 80 Wohnungen und Büroräume in Hessen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Zu den durchsuchten Objekten in Frankfurt zählten auch die Wohnung und die Geschäftsräume von Emanuel L., einem Arzt aus dem Westend, der schon seit Jahren zu den umstrittensten Immobilienspekulanten der Stadt zählt. Die Ermittler beschlagnahmten neben Akten unter anderem Schmuck und Gemälde, darunter so fotogene Gegenstände wie diverse Luxuskarossen, mit dabei zwei Ferrari, oder ein riesiges Poster, das Al Pacino in seiner Rolle als „Scarface“ zeigt – der Film ist eine Hommage an den ehemaligen Chicagoer Paten Al Capone, der letztlich durch einen Steuerhinterziehungsprozess zu Fall gebracht wurde. Das passt irgendwie.

Fünf Männer im Alter von 34 bis 49 Jahren wurden festgenommen – darunter Dr. L. sowie die alten Jugendfreunde M. und S., die bereits zuvor in der Frankfurter Sportwetten-, Sportbar- und Immobilienszene keine Unbekannten waren. Vier von ihnen sitzen immer noch, Dr. L wurde vor Kurzem entlassen. Laut Staatsanwaltschaft hat er ein Geständnis ab- und eine sechsstellige Kaution hinterlegt sowie Schaden in Millionenhöhe wiedergutgemacht.

Mehr als ein Dutzend Verdächtige

Gegenwärtig ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen weit mehr als ein Dutzend Verdächtiger wegen Verdachts der Steuerhinterziehung. Es geht hauptsächlich um nicht bezahlte Bauabschlagssteuer sowie das Schwarzbeschäftigen auf dem Bau. Dazu kommen noch weitere Ermittlungen wegen Geldwäsche sowie wegen Korruption – unter den Verdächtigen sind auch ein Finanzbeamter sowie ein Beamter der Stadt Frankfurt. Beide sollen vom Dienst suspendiert sein; es gibt zudem Gerüchte um eine weitere Festnahme – eine Bestätigung der betreffenden Behörden war gestern aber nicht zu bekommen. Ebenso sind ein paar Banker im Visier der Ermittler. Und wegen Drogenbesitzes wird ebenfalls noch ermittelt: Bei den Durchsuchungen im Oktober war auch Kokain gefunden worden, wenngleich „in überschaubarer Menge“, wie es seitens der Staatsanwaltschaft heißt.

Während M. und S. noch in U-Haft sitzen und für eine Stellungnahme für die FR nicht zu erreichen sind, versuchen sie derweil, das Frankfurter Tafelsilber ihres verschachtelten Firmenimperiums zu verhökern. „Wegen juristischer Auseinandersetzung“ suchen sie per Annonce in einer großen Frankfurter Tageszeitung Käufer für ein Paket aus 100 Liegenschaften zum Preis von 320 Millionen Euro.

Bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft weiß man von dem Angebot, doch die Ermittler sind da relativ machtlos. Der vergleichsweise niedrige mutmaßliche Steuerschaden sei auch nicht so groß, als dass er eine Beschlagnahmung solcher Werte rechtfertigen könne. Zudem seien hier auch keine Anleger betroffen, deren Geld man zu retten versuchen müsste. 

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