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Prozess in Frankfurt Frauen mit Vodoo-Zauber bedroht

Eine 23 Jahre alte Frau und ihr 20 Jahre alter Bruder müssen sich vor dem Frankfurter Landgericht wegen Zuhälterei, Menschenhandels und Schwangerschaftsabbruchs verantworten.

Prozesse in Frankfurt
Das Land- und Amtsgericht in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Es ist einer der typischen „Madame“-Prozesse. „Mesdames“ – so nennen sich die Zuhälterinnen der Nigeria-Connection, die stets in der gleichen Weise vorgehen: Junge Frauen werden von Nigeria über Libyen nach Europa geschleust, müssen dort anschaffen und ihrer jeweiligen „Madame“ die völlig überteuerten Forderungen für ihre eigene Schleusung abstottern. Stets werden diese Frauen in Nigeria von einem Voodoo-Priester unter einen Bann gestellt, der ihnen Schlimmes verheißt, falls sie die Polizei informieren oder gegen ihre Besitzerinnen aufbegehren sollten.

So auch hier: Eine 23 Jahre alte „Madame“ und ihr 20 Jahre alter Bruder müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht wegen Zuhälterei, Menschenhandels und Schwangerschaftsabbruchs verantworten. Sie sollen 2016 zwei junge Nigerianerinnen nach Deutschland geschleust und zur Prostitution gezwungen haben. Je 25.000 Euro hätten sie als Gebühr verlangt – aber nur insgesamt 22.000 Euro verdient, ehe die Polizei dem Spuk ein Ende bereitete. Eine der Frauen wurde von dem Bruder entjungfert und geschwängert, beide Angeklagte sollen sie zur Abtreibung gezwungen haben. Die Schleusung weiterer drei Frauen schlug fehl.

Menschenhändlerin bezieht Sozialhilfe 

Der Beruf der Menschenhändlerin, klagt die größtenteils geständige Angeklagte, sei kein leichter. Sie selbst sei „so, wie wir alle“ nach Deutschland gekommen: per Schleusung und Voodoo-Priester. „Wir wissen alle, was wir hier machen sollen, das ist kein Geheimnis.“ Die 60.000 Euro, die sie ihrer eigenen Madame schulde, seien noch nicht ganz abbezahlt, daher habe sie versucht, selbst auf dem Gebiet zu reüssieren. Aber eher ehrenamtlich: Das Geld, das sie regelmäßig an ihre Familie nach Nigeria überweise, spare sie sich von der Sozialhilfe ab, die sie hauptberuflich beziehe.

Es habe alles nicht so gut geklappt: Der Voodoo-Priester sei kurz nach dem Ritual in Nigeria festgenommen worden, weil eine Mutter ihn angezeigt habe. Die drei Frauen selbst seien auf der Reise in Gefängnissen beziehungsweise auf dem libyschen Straßenstrich gelandet, weil die Zwischenschleuser auf eigene Rechnung gearbeitet hätten. Die Entjungferung sei nötig gewesen, weil Schleusung und Versklavung einer Jungfrau dem Kodex widerspreche. Alles sei auf freiwilliger Basis geschehen.

Die Frau, die 2012 nach Deutschland kam, hat nach eigenen Angaben eine Aufenthaltserlaubnis über drei Jahre. Der Asylantrag ihres Bruders sei schon vor Jahren abgelehnt worden, da habe sie ihm Asyl in ihrer Wohnung gewährt. Offenbar taugt Voodoo doch zu irgendwas.

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